Zwischen Blumenthal und Motzen An Wochenenden eine Verbindung weniger

Die Fährgesellschaft fährt ihren Betrieb weiter runter: Zwischen Blumenthal und Motzen werden an den Wochenenden keine Fähren mehr fahren. Geschäftsführer Andreas Bettray schließt weitere Änderungen nicht aus.
08.04.2020, 20:17
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An Wochenenden eine Verbindung weniger
Von Christian Weth

Bremen-Nord. Zwei Sonderfahrpläne für die Nordbremer Fähren gab es wegen der Corona-Krise schon, jetzt kommt die dritte Änderung: Ab Karfreitag wird der Wochenend- und Feiertagsbetrieb zwischen Blumenthal und Motzen eingestellt. Wer an Ostern mit dem Schiff über die Weser will, muss auf die Fährstellen Vegesack-Lemwerder beziehungsweise Farge-Berne ausweichen. Die Regelung gilt bis auf Weiteres.

Andreas Bettray sagt, dass die erneute Fahrplanänderung zum Schutz der Schiffscrews geschieht und zugleich eine Reaktion auf die einbrechenden Beförderungszahlen ist. Der Chef der Fährgesellschaft Bremen-Stedingen spricht von einer personellen Reserve, die er braucht, um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein, falls eine Mannschaft in Quarantäne muss, weil sich ein Mitglied der Besatzung bei der Arbeit mit dem Coronavirus infiziert hat. Und davon, dass noch nie so viele Schiffe so leer waren wie jetzt.

Nach Bettrays Rechnung ist das Minus bei den Pendlern, die täglich mit der Fähre über die Weser setzen, im Vergleich zu den Vorwochen noch einmal größer geworden. Der Fährchef hat verglichen, wie viele Fahrzeuge vom 23. März bis 5. April dieses und vergangenen Jahres an allen drei Fährstellen gezählt wurden. Herausgekommen ist ein Rückgang von 42 Prozent. Ihm zufolge sind an der Fährstelle Blumenthal-Motzen am Sonntag rund 350 Autos registriert worden, normal sind aber fast dreimal so viele.

Für den Fährchef ist nicht ausgeschlossen, dass auf den dritten Sonderfahrplan für die Fähren ein vierter und fünfter folgen wird. Und dass irgendwann auch eine Fährstelle komplett geschlossen werden könnte. Bettray hat bei der ersten Planänderung die Zahl der Fahrten reduziert – an allen Fährstellen ist seit Wochen nur noch ein Schiff im Einsatz. Beim zweiten Sonderfahrplan wurde der Nachtbetrieb zwischen Blumenthal und Motzen an vier Werktage eingestellt. Das ist jetzt anderthalb Wochen her.

Von den 80 Mitarbeitern waren damals 30 Prozent auf Abruf zu Hause. Ab Karfreitag, wenn der Wochenend- und Feiertagsdienst an der Fährstelle Blumenthal-Motzen entfällt, werden es fast 50 Prozent sein. Der Fährchef sagt, dass bisher Überstunden genommen und Urlaub vorgezogen wurde. Seit Anfang des Monats gilt für die Fährgesellschaft, was mittlerweile für immer mehr Unternehmen gilt: Kurzarbeit. Nach Bettrays Worten laufen die Gespräche mit dem Betriebsrat und der Bundesanstalt für Arbeit seit Längerem.

Dass Kurzarbeitergeld beantragt werden muss, war für Bettray nur eine Frage der Zeit. Allein an der Fährstelle Blumenthal-Motzen wird sich ihm zufolge die wöchentliche Arbeitszeit halbieren, wenn der dritte Sonderfahrplan gilt. Über die wirtschaftlichen Einbußen will er mit dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern erst sprechen, wenn das Unternehmen anfangen kann, ihren Betrieb wieder hochzufahren. Wichtiger ist Bettray nach eigenem Bekunden jetzt etwas anderes: den Fährbetrieb aufrecht zu erhalten.

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