Reaktionen aus der Wümme-Region

Einzelhändler reagieren verhalten

Die Lockerungen für den Einzelhandel sollten die Betroffenen eigentlich freuen. Das tun sie auch, eine gewisse Zurückhaltung aber bleibt.
16.04.2020, 22:29
Lesedauer: 2 Min
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Von Patricia Friedek
Einzelhändler reagieren verhalten

Robin Schewe betreibt in Worpswede ein Einrichtungshaus. Die Freude darüber, ab kommender Woche wieder öffnen zu können, fällt bei ihm noch verhalten aus.

Sabine von der Decken

Lilienthal/Worpswede/Tarmstedt. Dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor allem für Einzelhändler gelockert werden, sollte sie freuen, könnte man meinen. Das tut es auch, allerdings zeigen sich die Händler aus der Region noch ein wenig verhalten mit Blick auf den kommenden Montag. „Natürlich freuen wir uns, dass es Montag wieder losgehen kann“, sagt Monika Macht-Ammar von der Buchhandlung Buch und Papier Winter in Tarmstedt, aber sie erwarte keinen großen Ansturm auf ihr Geschäft. „Ich hoffe, dass es auch angenommen wird und die Menschen sich nicht allzu sehr an das Online-Bestellen gewöhnt haben. Das macht mir ein wenig Angst“, sagt Macht-Ammar, die selbst keinen Onlineshop für ihre Buchhandlung betreibt. Sie hatte ihren Laden ohnehin auch während der Maßnahmen geöffnet, da sie auch Zeitschriften verkauft und der Zeitschriftenhandel nicht von den Öffnungsverboten betroffen war. Dennoch saß sie an manchen Tagen stundenlang alleine in ihrer Buchhandlung und hofft, dass sich das mit den Lockerungen ändert.

Buchhandlungen, aber auch Fahrradgeschäfte dürfen laut der Beschlüsse von Bund und Ländern unabhängig von ihrer Größe ab Montag wieder öffnen. Das freut Christopher Meyer vom Fahrradgeschäft Kück aus Lilienthal. Die Werkstatt hatte auch während der Maßnahmen noch geöffnet. „Wir haben gesehen, dass der Bedarf sehr hoch war, angesichts der Tatsache, dass die Menschen öffentlichen Nahverkehr meiden sollten“, sagt Meyer. Dennoch hatte die Werkstatt einen Tag kürzer geöffnet als sonst. Das soll sich nun ändern, auch die Mitarbeiter sollen so bald es geht aus der Kurzarbeit herausgeholt werden: „Der Arbeitsaufwand wäre sonst nicht zu schaffen“, so Meyer. Trotzdem soll der Betrieb laut Meyer unter besonderer Vorsicht ablaufen: So soll nur je ein Kunde pro Verkäufer das Geschäft betreten dürfen und die Fahrräder sollen vermehrt vor dem Laden stehen.

Im Hinblick auf Hygienevorschriften herrscht allerdings noch Unklarheit bei den Händlern. „Es gibt weder von der Gemeinde, noch vom Bund oder den Ländern einen genauen Ablaufplan zur Einhaltung der Hygiene“, kritisiert Robin Schewe, Geschäftsführer des Möbelhauses Casa di Mobili aus Worpswede. So werde er für sein Geschäft die Maßnahmen erfüllen, die er als Mindestanforderung betrachtet: Sich mit Desinfektionsmittel eindecken, nicht mehr als vier Kunden gleichzeitig in den Laden lassen, Schutzmasken tragen.

Auch er zeigt sich nicht allzu euphorisch über die Öffnung am Montag: „Ich erwarte keinen großen Zulauf“, sagt Schewe. Zunächst habe er seine Öffnungszeiten auf neun Stunden weniger reduziert und führe den Laden ohne seine Minijobber. Im Zuge der Corona-Pandemie habe er einen Onlineshop eröffnet, „der Umsatz ist aber bei Weitem nicht so hoch wie vorher.“

Sven Behrens vom Wirtschaftsinteressenring Lilienthal bewertet die Beschlüsse der Bundesregierung positiv. „Fast jeder Einzelhändler in Lilienthal kann aufmachen, das ist gut“, sagt er. Allerdings sieht er es kritisch, dass die Öffnungen an die Größe der Geschäfte gebunden sind. Er findet: „Man könnte die Geschäfte auch so abtrennen, dass die Quadratmeterzahl nicht überschritten wird.“ Besser hätte er es gefunden, wenn die Anzahl der zugelassenen Kunden an die Größe des Geschäfts gebunden wäre. „In Lilienthal sieht man, dass die Einhaltung der Regeln funktioniert“, das habe er etwa in Apotheken beobachtet, in denen seit einigen Wochen nur wenige Kunden gleichzeitig im Geschäft sein dürfen.

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