Pflegeheime

Trotz Impfung ist kein Alltag in Sicht

Obwohl die Alten- und Pflegeheime im Landkreis Osterholz durchgeimpft sein sollen, ist der Alltag noch nicht in die Einrichtungen zurückgekehrt. Die Hygienepläne müssen auch weiterhin streng eingehalten werden.
22.03.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Trotz Impfung ist kein Alltag in Sicht
Von Mario Nagel

Lilienthal/Wilstedt/Worpswede. Obwohl die Pflegeheime nach Angaben des Landkreises Osterholz durchgeimpft worden sind, ist der Alltag noch nicht in die Einrichtungen zurückgekehrt. Im Haus am Markt, der stationären Pflegeeinrichtung des Pflegedienstes Lilienthal, hat sich trotz der Impfung nicht viel geändert. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Vorteile genießen“, sagt Leiterin Julia Stoll. Auch im Quartier am Wald in Worpswede ist man noch weit vom gewohnten Alltag entfernt: „Die Impfbereitschaft unter den Beschäftigten und Bewohnern ist zwar hoch, aber die Vorschriften sind nach wie vor streng“, sagt Einrichtungsleiterin Tina Weingärtner.

Im Haus am Markt sei die Impfbereitschaft ebenfalls groß gewesen, sagt Sven Mensen, Geschäftsführer des Pflegedienstes Lilienthal. Nahezu alle Bewohner und etwa drei Viertel der Mitarbeiter hätten sich impfen lassen. Trotzdem gehe man weiterhin sensibel mit der Situation um und halte sich an die Hygienepläne. „Aber die Impfung hat für eine emotionale Entlastung gesorgt“, sagt Mensen. Die ganz große Angst vor einem schweren oder gar tödlichen Verlauf habe die Impfung nehmen können, dennoch sei weiter Vorsicht geboten: „Es ziehen nach wie vor neue Bewohner ein, die unter Umständen noch nicht geimpft sind.“

Auch im Quartier am Wald wird zum Schutz der Bewohner und Mitarbeiter deshalb nicht von den Hygienerichtlinien abgerückt. „Wir wissen ja nicht, ob geimpfte Personen das Virus noch übertragen können. Da immer wieder neue Bewohner einziehen und Besucher in die Einrichtung kommen, ist das Risiko zu hoch“, sagt Tina Weingärtner. Die Angestellten würden deshalb täglich getestet, die Bewohner ein Mal in der Woche. Unterstützung erhält die Einrichtung dabei von einem Soldaten der Bundeswehr. „Er kümmert sich an fünf Tagen in der Woche um die Tests, führt diese auch bei den Besuchern durch. Das erleichtert uns die Arbeit sehr und dafür sind wir auch dankbar.“

Personelle Unterstützung bei den Tests soll das Haus am Markt demnächst auch bekommen. Noch sei es nämlich ein ziemlicher Aufwand, das Personal täglich zu testen. „Wir haben schon gehofft, dass wir die Testungen etwas individueller handhaben können“, sagt Julia Stoll. Wenigstens bei den Besuchen von Angehörigen könne man inzwischen auf eine weitere Alternative zurückgreifen – meistens zumindest. „Wir haben einen großen Garten, der, wenn das Wetter mitspielt, zeitlich auch unbegrenzt genutzt werden kann.“

Für die beiden Besucherräume in der Pflegeeinrichtung gelte das nicht. Täglich könnten im Schnitt sechs Besuche in der Pflegeeinrichtung ermöglicht werden, am Wochenende seien es auch Mal acht, sagt Stoll und fügt an: „Damit kommen wir aber auch ganz gut hin.“

Das Quartier am Wald kann nach Angaben von Tina Weingärtner dagegen bis zu zehn Besuche am Tag ermöglichen, allerdings dürfen die Angehörigen hier auch in die Zimmer der Bewohner. Während es in vielen Heimen zudem feste Besuchszeiten gibt, würden in der Worpsweder Einrichtung auch Besuche am Abend ermöglicht. „Das erleichtert vor allem Berufstätige, die tagsüber nicht kommen können“, sagt Weingärtner.

Einen Wunsch hat die Einrichtungsleiterin dennoch: „Wir würden den Bewohnern gerne wieder einige Veranstaltungen anbieten.“ Gemeinsam zu grillen oder mal einen Eiswagen zu besorgen, das schwebe der Leiterin vor. „Derzeit werden die Bewohner in Kleingruppen betreut, dadurch fehlt das Zusammengehörige“, sagt Weingärtner.

Eine komplett andere Situation herrscht dagegen im Haus Wilstedt: „Der Großteil unserer Bewohner und Mitarbeiter ist nicht geimpft“, sagt Prokurist Tino Wohlmacher und fügt an: „Das liegt aber nicht an einer mangelnden Impfbereitschaft.“ Stattdessen hatte eine schlechte Kommunikation des Landkreises Rotenburg und der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu großen Irritationen geführt (wir berichteten). Weil bis auf insgesamt 14 Personen sämtliche Bewohner und Mitarbeiter in den vergangenen sechs Monaten an Corona erkrankten, wurden sie Mitte Februar nicht geimpft.

Für Tino Wohlmacher noch immer ein Unding: „Die Stiko hat festgelegt, dass Menschen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben, für sechs Monate immun sind. Das steht genau so in dem Brief, den wir erhalten haben. Dabei lässt sich diese Frage zurzeit gar nicht beantworten.“ Durch die fehlende Durchimpfung der Einrichtung seien auch die umfangreichen Schutzmaßnahmen weiterhin nötig. Die Mitarbeiter würden täglich, die Bewohner wöchentlich getestet. Besucher müssten 30 Minuten vor Besuchsbeginn vor Ort sein, um getestet und desinfiziert werden zu können. Dann könne für 30 Minuten ein Besucherraum genutzt werden. „Das ist ein riesengroßer Aufwand. Ich kann einfach nicht verstehen, warum die Möglichkeit der Durchimpfung nicht genutzt wurde“, sagt Wohlmacher.

Info

Zur Sache

Alten- und Pflegeheime durchgeimpft

Ende letzter Woche verkündete der Landkreis Osterholz, dass die Erst- und Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen abgeschlossen werden konnten. Bei der Impfung der über 80-Jährigen sei man zudem auf der Zielgeraden, über 70-Jährige sowie Personen mit einer medizinischen oder beruflichen Indikation könnten sich auf der Warteliste des Impfzentrums Osterholz eintragen. Dort stünden bereits etwa 6000 Personen. Bislang sind nach Angaben des Hauptamtes im Landkreis Osterholz insgesamt 12.151 Impfungen durchgeführt worden, davon 4051 Zweitimpfungen.

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