Stiftungen und Vereine Krise führt zu knappen Kassen

Existenzbedrohlich wirkt sich der coronabedingte Einnahmeausfall aufgrund fehlender Veranstaltungen auf hiesige gemeinnützige Organisationen noch nicht aus, aber er schmerzt.
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Von Undine Mader

Landkreis Osterholz/Borgfeld. Die Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers ist vertagt worden, dabei werden die Ehrenamtlichen, die den Garten der Grasberger Arbeiterwohlfahrt in Schuss halten, nicht jünger. Allerdings, so der Vorsitzende Karl-Heinz Thimm, fehlt dem Verein das Geld, um ihnen das Leben mit technischen Hilfsmitteln zu erleichtern. Beim Grasberger Awo-Ortsverein macht sich die Corona-Pandemie in Form fehlender Einnahmen in der Kasse bemerkbar. Und es gibt weitere gemeinnützige Organisationen, die unter der Krise leiden: So mussten auch die Stiftung Worpswede, die Bürgerstiftungen in Lilienthal und Borgfeld oder die Lilienthaler Tafel coronabedingt auf Veranstaltungen verzichten, die dazu da sind, Spendeneinnahmen zu generieren.

Die beiden großen Grasberger Feste sind in diesem Jahr ausgefallen. Für die Grasberger Arbeiterwohlfahrt bedeutete das: keine Cafeteria beim Sommerblütenfest und kein Losverkauf auf dem Weihnachtsmarkt – damit fehlen dem Verein zweimal 1000 Euro an Einnahmen. Dem stehen rund 1600 Euro Unterhaltskosten pro Jahr für den Awo-Garten an der Wörpe gegenüber. Allein aus den Mitgliedsbeiträgen sei das nicht zu decken. „Das ist schon schwierig“, sagt Karl-Heinz Thimm. Die Grasberger Awo werde das überleben, aber an einen neuen Rasenmäher sei nicht zu denken. Thimm sagt, er werde beim Awo-Kreisverband und bei der Gemeinde nach Zuschüssen fragen.

Auch die Stiftung Worpswede bekommt die Krise zu spüren. So sind die Einnahmen laut Stiftungssprecherin Kathrin Widhalm durch den Ausfall des Büchermarkts, die fehlende Vermietung der Bötjerschen Scheune und die zeitweise Schließung des Stiftungsladens in der Bergstraße eingebrochen. Trotzdem sei die Stiftung durch diese Einbußen nicht in ihrer Existenz bedroht. Vielmehr habe sie während des ersten Lockdowns den Worpsweder Hilfsdienst unterstützt. Und die Mitglieder der Büchergruppe organisierten anlässlich der offenen Ateliers im September kurzfristig einen Bücherstand, um Spenden für die Projekte der Stiftung durch den Bücherverkauf zu generieren. Seitdem der Kulturbereich im Sommer seine Aktivitäten wieder aufnehmen konnte, habe die Stiftung außerdem die Bötjersche Scheune für diese Art der Veranstaltungen zu ermäßigten Preisen vermietet, so Widhalm.

Bürgermahle abgesagt

Die Bürgerstiftung Lilienthal musste im November zwei Veranstaltungen streichen: das Bürgermahl und die Versteigerung der Unbezahlbaren Möglichkeiten, so die Vorsitzende Christa Kolster-Bechmann. Hinzu komme der Ausfall des Lilienthaler Weihnachtsmarkts. „Drei so große Veranstaltungen, das macht sich schon sehr bemerkbar“, sagt die Vorsitzende auf Nachfrage. Dankenswerterweise habe es aber Menschen gegeben, die der Bürgerstiftung eine Zuwendung überwiesen haben. Wie die Grasberger Awo hat auch die Bürgerstiftung laufende Kosten für das Conrad-Naber-Haus in der Klosterstraße für Versicherungen, Heizungen und Strom zu tragen.

Beim Bürgermahl in Borgfeld werden ebenfalls Spenden gesammelt. Als Hauptaugenmerk der Veranstaltung nennt der Vorsitzende des Heimatvereins, Heiko Wagener, indes die „Erinnerung an ein zu schaffendes Bürgerhaus“. Diese solle mit der jährlichen Veranstaltung aufrecht erhalten werden. 2020 ist das Mahl nun ausgefallen. Zwei Wochen vor dem geplanten Termin am 7. November musste Wagener den als Redner geladenen Bürgerschaftspräsidenten Frank Imhoff wieder ausladen. Auch alle weiteren Aktivitäten des Heimatvereins von Archiv bis Seminare liegen coronabedingt auf Eis.

Ähnlich geht es der Lilienthaler Tafel. Ihr Kartoffelpuffer-Stand gehört seit Jahren zum Lilienthaler Weihnachtsmarkt. Doch dessen Ausfall ist zu verschmerzen, wie die Tafel-Vorsitzende Inga von Ahsen sagt: „Wir haben zwar die Einnahmen nicht, aber wir können damit leben.“ Der Tafelbetrieb laufe normal und habe keine Corona-Einbußen zu verzeichnen. Um mit der Tafel trotzdem Präsenz zu zeigen, wollen Tafelmitarbeiter am Sonnabend, 12. Dezember, auf dem Parkplatz von Edeka-Breiding stehen, kündigt von Ahsen an. Dann könnten Lilienthaler, Grasberger und Worpsweder der Tafel „was Schönes“ aus dem Supermarkt mitbringen.

„Ein bisschen Einnahmen fehlen“, sagt wiederum der Vorsitzende des Grasberger Findorff-Heimatvereins, Gunnar Meierdierks, „aber es schmerzt noch nicht zu sehr.“ Gerne hätte der Verein wie in anderen Jahren zu Kaffeenachmittagen eingeladen, zu Matjes- oder Steckrübenessen oder dem traditionellen Konzert der Band Larry and the Handjive. Alles ausgefallen. Dass der Findorff-Heimatverein deswegen in Vergessenheit gerät, fürchtet der Vorsitzende nicht. Es gebe Facebook und mit den Mitgliedern werde per E-Mail Kontakt gehalten.

Ehrenamtler übernehmen Arbeiten

Wie bei der Grasberger Awo laufen auf dem Lilienthaler Lilienhof für die Worphüser Heimotfrünn die Kosten für Heizung und Strom weiter. Die beiden Backtage in Mai und August „bringen Geld in die Kasse“, bestätigt der Vorsitzende Axel Miesner. Diese aber sind in diesem Jahr ausgefallen, genau wie sämtliche Ausflüge. Der Vorteil für den Verein sei, dass alle Arbeiten ehrenamtlich ausgeführt werden, dadurch komme der Verein nicht in eine finanzielle Schieflage. Für das Programm der ebenfalls auf dem Hofgelände ansässigen Oll'n Handwarkers sieht es nicht besser aus. Unter dem für 2020 geplanten Gewerkeschautag, dem Kunsthandwerkermarkt oder dem Handwerkermarkt steht jeweils: „Fällt leider auch aus.“ Laut dem Zweiten Vorsitzenden Ralph Bröker hat der Verein Rücklagen. Weil es keine Märkte gab, habe es dafür auch keine Ausgaben gegeben. “Wir werden nicht daran zugrunde gehen“, ergänzt Vorstandskollege Johannes Rehder-Plümpe. Auch wenn der Kontostand schmelze: „Die Oll'n Handwarkers stehen solide da.“

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