Kontaktlos Einkaufen

Lebensmittel aus dem Automaten im Landkreis Verden

Wer seinen Wocheneinkauf erledigen will, muss sich nicht unbedingt in einen vollen Supermarkt begeben. Einige Höfe im Landkreis Verden bieten Möglichkeiten zum kontaktlosen Einkaufen an.
30.03.2020, 16:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Lebensmittel aus dem Automaten im Landkreis Verden

Nadine und Hendrik Meyerholz aus Achim-Baden verkaufen ihre Produkte seit August 2017 in einem Automatenladen.

Björn Hake

Viele Bürger stürmen während der derzeitigen Corona-Krise die Supermärkte und hinterlassen leere Regale. Den Wocheneinkauf schnell und vor allem kontaktlos zu erledigen, scheint derzeit wie eine Traumvorstellung. Möglich ist die Form des selbstständigen Einkaufes aber auf einigen Bauernhöfen in der Region.

Einer von ihnen ist der Hof Meyerholz in Achim-Baden, der von Nadine und Hendrik Meyerholz betrieben wird. Ihr Hofladen ist täglich und auch an Feiertagen geöffnet. Das Besondere: Die Inhaber stehen nicht selbst hinter der Theke, sondern verkaufen ihr Sortiment anhand mehrerer Automaten. „Unsere Erfahrungen mit dem Automatenladen sind bis jetzt gut“, erzählt Nadine Meyerholz. Die Kunden bezahlen, indem sie ihr Geld in die Automaten oder in eine Vertrauenskasse einwerfen.

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Die Eheleute haben, wie sie sagen, Vertrauen darin, dass niemand etwas stiehlt. Bisher sei so ein Fall auch noch nicht vorgekommen. Im Automatenladen verkauft das Ehepaar Eier von freilaufenden Hühnern, hausgemachte Fruchtaufstriche, Honig aus der Achimer Region, Produkte vom eigenen Schwein, Käse aus der Bünkemühler Hofkäserei und einiges mehr. „Für einen kleinen Laden haben wir, abgesehen von Backwaren, ein großes Angebot“, findet Nadine Meyerholz. An einen Online-Lieferservice sei für den Hof vorerst nicht zu denken. „Wir haben gerade erst einen neuen Eisautomaten dazugestellt und diese Neuheit muss erst einmal reifen“, klärt die Landwirtin auf.

Seit August 2017 gebe es den Automatenladen auf ihrem Hof. „Wir haben das Konzept bei einem befreundeten Landwirt gesehen und waren begeistert“, erzählt Nadine Meyerholz. Die Kunden hätten sich jedoch anfangs gewundert und seien sogar zum Teil enttäuscht gewesen, als sie niemanden im Laden antrafen. Jetzt hätten sich die Menschen aber daran gewöhnt und würden gerne vorbeikommen, um „einfach mal niemanden zu treffen“.

Kunden kaufen mehr ein

Auch einige Stammkunden könne der Automatenladen bereits zählen. Seit die Schulen aufgrund der Corona-Krise geschlossen wurden, glaubt Nadine Meyerholz, bemerkt zu haben, dass die Kunden mehr einkaufen würden. „Ich denke, es wird nicht unbedingt mehr verkauft, weil der Kauf kontaktlos ist, sondern weil die Kunden einfach mehr Lebensmittel brauchen“, schätzt die Hofinhaberin.

Der Klangens-Hof in Bötersen in der Samtgemeinde Sottrum bietet seit vergangenem Jahr einen Onlineshop und zwei Automaten an. Dort erhalten Kunden unter anderem Eier, verschiedene Nudeln, Schweine- und Hähnchenfleisch. „Alle unsere Produkte erzeugen wir selbst“, lässt Hofbetreiber Cord Meyer wissen. Der Onlineshop gehört seit Mai zum Angebot des Hofs Bötersen. Dort können Kunden ihre Ware bestellen und an mehreren Abholstationen, etwa beim Achimer Wochenmarkt, abholen. „Zum Schutz der Umwelt verschicken wir unsere Ware nicht an die Kunden“, erzählt Cord Meyer.

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Besonders geschätzt würden die Lebensmittelautomaten: „Die Automaten enthalten unser gesamtes Sortiment und sind noch beliebter als unser Onlineshop“, verrät der Hofbetreiber. Der Kauf am Automaten erfolgt kontaktlos, trotzdem sei immer ein Ansprechpartner in der Nähe, um bei Fragen und Problemen zu helfen. Zurzeit würden sich die Folgen der Corona-Pandemie auch auf dem Hof bemerkbar machen. „Wir machen zurzeit den doppelten Umsatz“, erzählt der Landwirt aus Sottrum. Der kontaktlose und unkomplizierte Einkauf habe schließlich vor allem jetzt seinen Reiz.

Einkaufen rund um die Uhr

Das Lunser Landlädchen in der Gemeinde Thedinghausen verfügt über keine Automaten, stattdessen können die Kunden ihre Besorgungen im Laden und Café erledigen. Rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche ist der Selbstbedienungsladen des Hofs geöffnet. Dort bieten die Betreiber Gesa und Torben Peters Spezialitäten vom Land, darunter Eier, Gemüse oder Grillfleisch an.

Wie lange es den Selbstbedienungsladen gibt, weiß Landwirtin Gesa Peters nicht mehr genau, wie sie sagt. Auf jeden Fall sei er schon „ganz schön lange“ ein Bestandteil des Betriebs. Die Idee eines Selbstbedienungsbereiches habe mit einer Milchtankstelle begonnen, die im November 2014 auf dem Hof in Lunsen eröffnet wurde und bereits auf Begeisterung gestoßen sei.

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Doch wie bezahlen die Kunden ohne Automaten und ohne Kassierer? „Die Kunden tragen ihre Einkäufe in einem Buch ein und hinterlassen ihr Geld in einer Kasse vor der Tür“, beschreibt Gesa Peters das Prinzip des Selbstbedienungsladens. Eine Menge Vertrauen gegenüber den Kunden sei da natürlich erforderlich und der Laden werde zur Sicherheit auch videoüberwacht.

Der Hauptladen des Lunsener Hofs hat aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus mindestens bis zum 5. April geschlossen. Im Selbstbedienungsbereich geht der Betrieb derweil weiter. „Die Kunden scheinen nun noch mehr zu kaufen“, verrät Gesa Peters. Etwa 100 Kunden würden den Selbstbedienungsladen täglich besuchen. Das liege sicherlich auch daran, dass eine Mahlzeit außerhalb der eigenen vier Wände aufgrund der Gastronomieschließungen nicht mehr möglich ist und die Menschen automatisch mehr zu Hause kochen und essen würden.

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