Corona-Report Das Virus legt den Tourismus lahm

Der Tourismus kommt durch die Coronakrise komplett zum Erliegen. Was das für die Wümme-Region bedeutet, erklärt der Geschäftsführer der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser, Thorsten Milenz.
25.03.2020, 15:18
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Das Virus legt den Tourismus lahm
Von Silke Looden

Landkreis Osterholz. Der Tourismus im Landkreis Osterholz ist komplett zum Erliegen gekommen. Normalerweise besuchen rund 2,5 Millionen Tagesgäste pro Jahr die Region. Hinzu kommen knapp eine Million Übernachtungen. Die Wertschöpfung der Branche liegt inzwischen bei 85 Millionen Euro und ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zwischen Hamme und Wümme. Corona aber setzt den Wachstumserwartungen ein Ende. In Zeiten, in denen Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen, Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, wagt der Geschäftsführer der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser, Thorsten Milenz, keine Zukunftsprognose.

Wie groß die Einbußen in der Touristikbranche aufgrund der Coronakrise sein werden, hänge nicht zuletzt von der Dauer der Ausnahmesituation ab und lasse sich derzeit nicht seriös vorhersagen, erklärt der Cheftouristiker im Landkreis. Aktuell gilt die Allgemeinverfügung der Behörden bis zum 18. April. Sicher ist nur, dass es die Branche besonders hart trifft: „Anders als im produzierenden Gewerbe kann hier kein Verlust in der Zukunft durch gesteigerte Kapazitäten oder das Hochfahren der Produktion ausgeglichen werden. Ein Restauranttisch kann nur einmal belegt werden. Die Verluste, die nun entstehen, sind größtenteils unwiederbringlich“, erklärt Milenz den Ernst der Lage.

Zudem wird die Wertschöpfung durch den Tourismus nicht nur im Freizeit-, Beherbergungs- und Gastronomiebereich erwirtschaftet, sondern auch im Einzelhandel und im Handwerk. Der Tourismus sei eine Querschnittsbranche, betont Milenz. Inwieweit sich die Krise auch auf andere Branchen niederschlage, hänge auch von der Dauer ab, so Milenz. Er hofft auf die Wirksamkeit der Soforthilfemaßnahmen von Bund und Land. Andernfalls drohten nach Kurzarbeit und Entlassungen auch Insolvenzen, befürchtet der Geschäftsführer.

Nicht nur Unterkünfte sind geschlossen, auch Veranstaltungen werden abgesagt. Das Fotofestival RAW in Worpswede wurde bereits ins Internet verlegt. Dazu Milenz: „Das RAW-Festival hat sich auf bewundernswerte Weise der Situation gestellt und etwas Großartiges in sehr kurzer Zeit realisiert. Die Kulturveranstalter müssen sich auf eine nie da gewesene Lage einstellen.“ Milenz erwartet, dass es weitere kreative Lösungen für Streamingkonzepte geben wird.

Gerade im Findorffjahr, in dem die Region den 300. Geburtstag des Moorkolonisators Jürgen Christian Findorff feiert, ist der öffentliche Shutdown ein Desaster für den Tourismus. Die Hauptveranstaltung in Worpswede ist für das letzte Augustwochenende vorgesehen. „Wir hoffen zuversichtlich, dass die Corona-Krise so rechtzeitig überwunden werden kann, dass sich dieser Höhepunkt im Findorff-Jahr halten lässt“, sagt Milenz vorsichtig optimistisch.

Die Torfkahnarmada, die am 25. und 26. April stattfinden sollte, wurde zu Wochenbeginn abgesagt. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit soll sie im Jahr 2021 nachgeholt werden“, so Milenz. Nur alle drei Jahre kommt es zu diesem besonderen maritimen Schauspiel auf Hamme und Wümme, wenn sich Osterholzer Torfkähne auf den Weg nach Bremen machen.

Die Touristikagentur selbst hat ihre Marketingaktivitäten vorerst auf Eis gelegt. „Die wichtige Reisemesse in Leipzig findet im November statt. Da besteht also noch Hoffnung. Ebenso hoffen wir darauf, dass die Hamme-Nacht am 1. August stattfinden kann“, sagt Milenz auf Nachfrage.

Unterdessen fährt das Tourismusteam der Agentur eine Notbesetzung und arbeitet größtenteils im Homeoffice. „Wir sind trotz der Krise erreichbar“, betont der Geschäftsführer. Derzeit nutzt die Agentur die Zeit, um die Digitalisierung voranzutreiben. Milenz: „Dies ist ein Aspekt, den man trotz allem positiv deuten könnte. Ansonsten versuchen wir nach Kräften für unsere Leistungsträger, Tagesbesucher und Touristen da zu sein.“

Das bedeute im Moment häufig, am Telefon ein offenes Ohr für prekäre Lagen zu haben, so Milenz. Gastgeber brauchen Informationen über die Soforthilfen. Gäste wollen wissen, ob sie Stornogebühren zahlen müssen. Das, so Milenz, hänge jedoch vom Einzelfall ab. Buchungen, die wegen der Allgemeinverfügungen nicht angetreten werden können, sollten problemlos und kostenfrei storniert werden können.

Hautnah erlebt die Geschäftsstellenleiterin der Tourist-Info in Worpswede, Imke Schumacher-Reichert, die Sorgen und Nöte von Gästen und Gastgebern: „Anfangs war eine große Verunsicherung da. Inzwischen überwiegt das Verständnis.“ Schumacher-Reichert setzt auf den Dialog: „Wir wollen ja, dass die Leute wieder nach Worpswede kommen, wenn alles vorbei ist.“

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