Stipendiatin aus Spanien

Da geht die Sonne auf

Soledad Arjona Robles (25) unterrichtet als Fremdsprachenassistentin an der Lilienthaler und Grasberger Gesamtschule. Wie die Stipendiatin aus Spanien Deutschland erlebt, erzählt sie in der Wümme-Zeitung.
19.03.2019, 17:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Da geht die Sonne auf
Von Silke Looden
Da geht die Sonne auf

Spanisch wird mit der Fremdsprachenassistentin Soledad Arjona Robles an der Integrierten Gesamtschule Lilienthal zu einer erlebbaren Sprache.

Maximilian von Lachner

Lilienthal. Wenn Soledad Arjona Robles den Raum betritt, geht die Sonne auf. Strahlender kann ein Lächeln kaum sein. Die 25-jährige Fremdsprachenassistentin aus Spanien unterrichtet noch bis Ende Mai an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Lilienthal und in deren Außenstelle Grasberg und würde gern länger bleiben. Ob ihr Stipendium beim pädagogischen Austauschdienst verlängert wird, steht aber noch in den Sternen.

„Soledad macht die Fremdsprache für unsere Schülerinnen und Schüler erlebbar“, erzählt Spanischlehrerin Fiona Schmidt aus Ritterhude, die die Studentin aus Chiclana de la Frontera in den Unterricht begleitet. „Die Jugendlichen erfahren, dass die Sprache lebt“, betont die Pädagogin. Keine CD, kein noch so gutes Schulbuch könnten die Begegnung mit einer Muttersprachlerin ersetzen.

Soledad Arjona Robles betreut kleine Gruppen mit besonders lernschwachen oder besonders begabten Jungen und Mädchen, ganz nach dem Prinzip des Förderns und Forderns. „An der IGS hat jeder und jede einen individuellen Lernweg“, beschreibt die Fachbereichsleiterin für Fremdsprachen, Dinah Murken aus Hambergen, den pädagogischen Ansatz der Gesamtschule, der sich in der Gruppenarbeit widerspiegelt.

Zwölf Stunden in der Woche unterrichtet Soledad Arjona Robles Schülerinnen und Schüler von Klasse sechs bis hin zum elften Jahrgang in der Oberstufe. In der übrigen Zeit lernt sie selbst Deutsch an der Casa, einer internationalen Sprachschule in Bremen. Später einmal will sie Deutsch in Spanien unterrichten, in ihrem Heimatort, der in der Nähe von Cádiz liegt. „Das ist ein großes Dorf in Andalusien“, lacht sie und strahlt wieder über das ganze Gesicht. Die Urlaubsregion an der Atlantikküste ist bei Deutschen beliebt. „Deutsch ist bei uns die wichtigste Fremdsprache, wichtiger als Englisch“, erzählt sie von den Arbeitsplätzen in Hotels und Restaurants. Kein Wunder also, dass dort schon in der Grundschule Deutsch unterrichtet wird. Zudem, so die Spanierin, hätten viele Deutsche Firmen Niederlassungen in Spanien, Automobilkonzerne genauso wie Elektronikartikelhersteller. „Wer bei uns Deutsch kann, ist klar im Vorteil.“

Robles liebt ihre Heimat in Andalusien, dennoch will sie gern noch ein weiteres Jahr in Lilienthal bleiben. „Die Menschen hier sind so offen“, betont sie, denn in Spanien gelten Deutsche eher als reserviert. Andere Klischees über Deutsche hingegen haben sich für die Austauschstudentin bestätigt. „Die Deutschen sind tatsächlich sehr gut organisiert und sehr pünktlich“, meint die Stipendiatin, die in Bremen in einer Wohngemeinschaft wohnt.

Mit der Straßenbahn fährt sie nach Lilienthal zur Arbeit. „Das funktioniert gut“, sagt sie, „viel besser als der öffentliche Verkehr in Spanien.“ Die Klagen der Deutschen über Busse und Bahnen kann sie nicht nachvollziehen. Schließlich sieht die Spanierin Verspätungen eher gelassen.

In ihrer Freizeit geht Soledad Arjona Robles gern ins Fitness-Studio oder macht Yoga, vor allem aber reist sie gern. „Ich war in Berlin, Hannover, Hamburg und München“, erzählt sie von ihren Ausflügen in die großen Städte ihres Gastlandes. „Ich möchte die Deutschen besser kennenlernen, auf dem Land und in der Stadt, damit ich später als Lehrerin von meinen Erfahrungen berichten kann.“

An die 80-Minuten-Stunden an der IGS aber kann sich die Austauschstudentin nicht wirklich gewöhnen. In Spanien, erzählt sie, haben wir auch 45-Minuten-Stunden, so wie an den meisten Schulen in Deutschland. Allerdings, so Robles, gebe es in Spanien nicht so viele Pausen für die Schülerinnen und Schüler. „Mehr Pausen sind am Ende besser für die Konzentration“, meint die 25-Jährige.

An der IGS hoffen Schüler- und Lehrerschaft, dass die niedersächsische Landeschulbehörde den Aufenthalt von Soledad Arjona Robles um ein Jahr verlängert, damit auch im nächsten Schuljahr in Lilienthal und Grasberg wieder die Sonne aufgeht, wenn die Spanierin den Raum betritt. Ihr Name allerdings, verrät sie, habe nichts mit der Sonne zu tun. Soledad heißt Einsamkeit. Einsam aber, so die Namensträgerin, sei sie weder in Deutschland noch in Spanien.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+