Mika Everding, derzeit beim VFPS Osterholz-Scharmbeck aktiv, gilt als Ausnahmespieler im Pétanque-Sport 'Da habe ich voll Bock drauf'

Osterholz-Scharmbeck. 'Da geht was' hatte Mika Everding, der 17-jährige Ausnahmespieler des Vereins zur Förderung des deutschen Pétanque Sports (VFPS) Osterholz-Scharmbeck, schon vor den deutschen Jugendmeisterschaften im Triplette gesagt. Zurückgekehrt ist Everding dann tatsächlich mit dem Titel, den er in Villingen-Schwenningen zusammen mit den beiden Nachwuchsakteuren aus dem Landesverband Saar, Manuel Strokosch und Patrick Jochum, errang.
07.10.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Spöring

Osterholz-Scharmbeck. 'Da geht was' hatte Mika Everding, der 17-jährige Ausnahmespieler des Vereins zur Förderung des deutschen Pétanque Sports (VFPS) Osterholz-Scharmbeck, schon vor den deutschen Jugendmeisterschaften im Triplette gesagt. Zurückgekehrt ist Everding dann tatsächlich mit dem Titel, den er in Villingen-Schwenningen zusammen mit den beiden Nachwuchsakteuren aus dem Landesverband Saar, Manuel Strokosch und Patrick Jochum, errang.

Mika Everding fügte damit seiner diesjährigen Sammlung an Titeln nur einen weiteren hinzu. Drei waren es alleine auf Landesebene, dazu zwei vorderste Platzierungen - im Erwachsenenbereich wohlgemerkt. In der Formation Triplette (drei gegen drei), der sogenannten Königsdisziplin des Pétanque-Sports, sicherte er sich die Meisterschaft mit den beiden VFPS-Akteuren Jan Garner und Martin Kuball, im Doublette (Zweierteams) an der Seite des ebenfalls Neu-Osterholz-Scharmbeckers Gerrit Halbach sowie noch im Tireur, dem Präzisionsschießen. Hinzu kam ein zweiter Platz im Tête-à-tête (dem Einzelwettbewerb) sowie Rang drei im Mixte.

In dieser Variante des Pétanque-Sports hatte sich Mika Everding zusammen mit Partnerin Esther Zipperling (Koldinger SV) bei den 15. Deutschen Meisterschaften ebenfalls in den Vordergrund gespielt: Das Duo gewann bei den Doublette-Mixte-Meisterschaften in Neunkirchen-Seelscheid das B-Turnier.

Wie kommt nun ein Jugendlicher zum Boule-Spielen, wie der Pétanque-Sport ebenfalls genannt wird? In diesem Fall durch eine Ferienspaßaktion. Mika Everding, der in Luhden im Schaumburger Land wohnt und dort die 11. Klasse des Gymnasiums Bückeburg besucht, hatte in diesen Ferien vor drei Jahren die Wahl zwischen Tischtennis und Boule. Tischtennis kannte er schon, Boule lernte er kennen - und lieben.

Im örtlichen Luhdener Sportverein stieg die Mannschaft gleich im ersten Jahr - mit Everding in ihren Reihen - auf. Der talentierte Jugendliche wechselte bald schon nach Hannover zum SV Odin, der bereits in der Bundesliga spielte. Im Vorjahr stellten sich bei dem Nachwuchsakteur dann zudem erste Erfolge anlässlich der Meisterschaften und von Turnieren ein - und da kam dann auch mal die Anfrage vom VFPS Osterholz-Scharmbeck, der den Aufbau einer leistungsstarken Mannschaft mit Bundesliga-Ambitionen voranbringen wollte. 'Wir haben vor allem jüngere Spieler angesprochen, und da war Mika ja schon ein Talent', sagt Martin Kuball heute, unter anderem Pressesprecher beim VFPS.

Nun ist Mika Everding schon kein Talent mehr, sondern ein ausgewiesener Leistungsträger in seinem Sport - in diesem Jahr erstmals in der deutschen Rangliste geführt, derzeit auf Platz 55. Von Everdings Erfolgen, sogar im Erwachsenenbereich, ist man selbst beim VFPS überrascht. 'Das gab es eigentlich noch nicht, dass Jugendliche so weit vorne waren', sagt Kuball. Der 17-Jährige nimmt dann auch schon die Zugfahrten nach Osterholz-Scharmbeck gern mal in Kauf, fühlt er sich beim VFPS doch gut aufgehoben - auch wenn das eigentliche Training am Wohnort Luhden stattfindet ('Wir haben dort eine sehr schöne Anlage') und es mit den ortsansässigen Boule-Sportlern keine Probleme gibt ('Mit denen verstehe ich mich super').

Nationalteam als Ziel 2011

Probleme hatte Mika Everding eher mit dem Bundestrainer für seine Altersklasse, den Juniors (Jahrgänge 1993 bis 1995). Nächstes Jahr nun wechselt er in die Espoir, und für diese Hoffnungsträger ist ein anderer Coach zuständig. Da hofft Everding dann auch wieder auf ein Engagement im Nationalteam. 'Es würde mich schon reizen', verkündet der Luhdener selbstbewusst. Den zusätzlichen Aufwand sieht er als zweitrangig an, 'das spielt sich größtenteils am Wochenende ab', fügt VFPS-Mann Kuball zur Zeitplanung an.

Eine andere Absicht verliert Mika Everding dabei nicht aus dem Blick: Den Sprung in die Boule-Bundesliga. 'Nächstes Jahr können wir aufsteigen, so ist das Ziel', sagt er über die Planung des momentan 21 Mitglieder umfassenden VFPS Osterholz-Scharmbeck - um nicht ganz ernst gemeint hinzuzusetzen: 'Ich hoffe, dass ich dann noch spielen darf.'

Das darf er sicherlich, zumal er wohl als einer der bestvorbereiteten Spieler aus dem Winter- und damit Hallenhalbjahr kommen könnte. In Luhden haben sie nämlich bei einem Bauern in dessen Scheune zwei Bahnen zum Trainieren ('Das ist schon ein großer Vorteil'). Und so sollte die Saison 2011 auch tatsächlich mit dem Aufstieg in die Bundesliga enden. 'Die haben schon Respekt', weiß Everding, wenn er 'VFPS' als Namen seines Vereins nennt. Und zuversichtlich für das Folgejahr ist er auch: 'In der Bundesliga können wir mithalten, auf jeden Fall.' Pressesprecher Kuball hat sogar die Erfahrung gemacht, dass die künftige Bundesliga-Konkurrenz bereits sehnsüchtig auf die aufstrebenden Akteure vom VFPS wartet: 'Die fragen schon immer, wann wir dabei sind.'

Auch wenn Mika Everding ganz selbstbewusst an die Aufgaben in seinem Sport herangeht ('Ich kann gegen jeden gewinnen'), so hat er jüngst - eben bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Schwarzwald - gezeigt, dass er auch mit Niederlagen umzugehen versteht. Da unterlag Everding im Finale des Tireur-Wettbewerbs seinem Kompagnon aus dem Triplette-Wettbewerb, Manuel Strokosch, mit 32:45. Aber der Unterlegene gönnte dem Sieger (der im Viertelfinale mit 58 Punkten immerhin auch deutschen Rekord erzielt hatte) den Erfolg, 'er ist ein guter Freund von mir', und beließ es wie selbstverständlich beim Resultat: 'Es war halt eng.' Wenn es nun in die Hallen geht, will Mika Everding neben ernsthaften Turnieren aber auch mal an einem Wettbewerb teilnehmen, der den Spaß am Pétanque- oder eben Boule-Sport (Kuball: 'Boule ist einfach einfacher zu sagen') in den Vordergrund stellt - die 24 Stunden von Warendorf, Spiel mit den Kugeln von 13 Uhr bis um 13 Uhr des Folgetages. Mika Everding: 'Da habe ich

voll Bock drauf.'

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