Norman Wilson besucht Grab des Bruders / Gedenktafel erinnert an britischen Piloten Douglas Warren Wilson Das Ende eines 70 Jahre alten Traumes

Ganderkesee. Der Stamm der Eiche am Fahrener Weg zeigt noch Spuren des Flugzeugabsturzes von vor 70 Jahren. Für Norman Wilson, dessen Bruder Douglas Warren Wilson dort in einem britischen Militärflugzeug ums Leben kam, markiert der Baum in Ganderkesee das Ende einer jahrzehntelangen Suche. "Ich bin sehr glücklich, dass ich die Stelle gefunden habe", sagte der 88-jährige Engländer aus Essex gestern, als neben der Eiche am Fahrener Weg eine Gedenktafel angebracht wurde.
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Von Antje RiCKmeier

Ganderkesee. Der Stamm der Eiche am Fahrener Weg zeigt noch Spuren des Flugzeugabsturzes von vor 70 Jahren. Für Norman Wilson, dessen Bruder Douglas Warren Wilson dort in einem britischen Militärflugzeug ums Leben kam, markiert der Baum in Ganderkesee das Ende einer jahrzehntelangen Suche. "Ich bin sehr glücklich, dass ich die Stelle gefunden habe", sagte der 88-jährige Engländer aus Essex gestern, als neben der Eiche am Fahrener Weg eine Gedenktafel angebracht wurde.

Norman Wilson, der während des Zweiten Weltkriegs ebenfalls Pilot der Royal Air Force war, trug an seinem Anzug nicht nur seine eigenen Orden, sondern auch die Auszeichnungen, die seinem getöteten Bruder verliehen worden waren. Für ihn ging gestern ein Wunsch in Erfüllung, den er jahrzehntelang gehegt hatte. "Es ist das Ende eines siebzig Jahre währenden Traums", sagte er. Denn so lange dauerte es, bis Norman Wilson von dem Ort erfuhr, an dem sein Bruder starb. Er bezeichnete sich als "glücklich", dass er die Stelle gefunden habe. Schließlich seien während des Zweiten Weltkriegs 45000 Soldaten der Royal Air Force ums Leben gekommen.

Bewegende Zeremonie in der Kirche

In einer bewegenden Zeremonie in der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche, an der auch Bundeswehrsoldaten aus Delmenhorst und ein in Gütersloh stationierter britischer Soldat teilnahmen, erinnerte Norman Wilson an seinen Bruder Douglas Warren. "Er war der Held der Familie. Jeder, der ihn traf, liebte und respektierte ihn", sagte er über den Mann, der nur 23 Jahre alt wurde. Er habe auf fast jedem Instrument Musik machen können, erzählte Norman Wilson weiter. Und er berichtete von der engen Verbindung zu seinem Bruder, die er während seiner Einsätze als Pilot gespürt habe. "Während meiner Pilotenlaufbahn hörte ich seine Stimme, die mir in Gefahrensituationen sagte, was ich tun sollte." Er sei fest von der geistigen Gegenwart und Fürsorge des Bruders überzeugt gewesen, sagte Wilson. Und er sei auch sicher, dass sich sein Bruder die letzten gründlichen Nachforschungen gewünscht habe.

Erst vor wenigen Wochen hat Norman Wilson erfahren, dass sein Bruder in dem Flugzeug am Fahrener Weg ums Leben kam und auf dem Kirchhof der Ganderkeseer Kirche begraben liegt. Seine Nachforschungen hatten den Engländer unter anderem nach Frankreich und Soltau geführt, wo Gedenktafeln an Douglas Warren Wilson erinnern. Doch erst durch die Dolmetscherin Karen Schulte in der Normandie und ihre Kontakte nach Deutschland erfuhr Norman Wilson von dem Hobbyhistoriker Karl-Heinz Knief, der mit seiner Arbeitsgruppe seit Jahren die Geschichte des Flugplatzes in Adelheide erforscht (wir berichteten). Knief wusste von dem Absturz der britischen Militärmaschine, die in der Nacht des 24. März 1940 von der deutschen Wehrmacht abgeschossen wurde. Schnell stellte sich heraus, dass Wilson zweiter Pilot der Vickers Wellington gewesen war. In der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche erinnerte Pastor Reinhard Arndt auch an den Piloten Philip Francis Templeman aus Neufundland, der wenige Tage nach dem Absturz

an den Folgen schwerer Brandverletzungen starb. Knief hat inzwischen Kontakt zu dem Neffen Templemans in Neufundland aufgenommen. Doch dieser habe nicht an der Zeremonie in Ganderkesee teilnehmen können.

Als junger Mann erlebte Norman Wilson im November 1940 die Bombardierung seiner Heimatstadt Coventry, bei der große Teile der Stadt und die mittelalterliche Kathedrale zerstört wurden. Doch er erinnerte an den Stadtrat und den Bischof von Coventry, die nach dem Krieg an vorderster Front des Versöhnungsprozesses gestanden hätten. Norman Wilson hegt keinen Hass gegen die Deutschen. "Sie haben meinen Bruder mit militärischen Ehren begraben. Mehr kann ich nicht erwarten." Außerdem dankte er seinen deutschen Freunden, die die Zeremonie und die Aufstellung eines Gedenksteins ermöglicht hätten. "Die heutigen Ereignisse sind ein kleiner, aber höchst willkommener Akt der Versöhnung", sagte er.

Nach dem Gedenken in der Kirche wurde auf dem Kirchhof ein Grabstein aufgestellt, der an die beiden Piloten erinnert. Und an der Gedenktafel am Fahrener Weg soll ein Flugzeugteil mit einem Einschussloch angebracht werden, das Knief bei seinen Nachforschungen dort entdeckte. Karen Schulte, die Wilson seit Jahren kennt, wusste, wie sehr ihn die Ereignisse berührten. "Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen", sagte sie. Am Dienstag reisen der Brite und seine Lebensgefährtin wieder zurück nach England. Doch für den 88-Jährigen ist klar, dass er wiederkommen will - im März, wenn sich der Todestag seines Bruders zum 71. Mal jährt.

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