Kurzzeitpflege Das Ende eines Solitärs

Der Dörverdener Gemeinderat hat eine Resolution zum Erhalt der eigenständigen Kurzzeitpflege im Haus am Hesterberg (vormals Kreisaltenheim) beschlossen. Wegen des Fachkräftemangels droht das Ende.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Das Ende eines Solitärs
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die geplante Schließung der solitären Kurzzeitpflege im Haus am Hesterberg zum Jahresende bewegt derzeit die Gemüter in der Gemeinde Dörverden. Der Dörverdener Rat hat am Donnerstagabend einstimmig eine Resolution zum Erhalt der solitären Kurzzeitpflege in der Pflegeeinrichtung des Landkreises Verden (vormals Kreisaltenheim) verabschiedet. Der Antrag der Christdemokraten sowie die Änderungsanträge der Sozialdemokraten und der Ratsgruppe Grüne/Linke sind dabei in die fraktionsübergreifende Erklärung eingeflossen. Ratsvorsitzender Hans Hermann (CDU) freute sich, dass es gelungen ist, mit der interfraktionellen Resolution einen gemeinsamen Appell an den Träger (Landkreis Verden) zu richten.

Der Pflegenotstand ist nun also auch im Aller-Weser-Dreieck angekommen. Der Landkreis begründet die geplante Einstellung der solitären Kurzzeitpflege nämlich nicht mit mangelnder Nachfrage, sondern vielmehr mit dem Fachkräftemangel. „Nach der Schließung der Arztpraxen in Westen und Dörverden wäre die Aufgabe der solitären Kurzzeitpflege ein weiterer Rückschlag für die umfassende wohnortnahe Gesundheits- und Pflegeversorgung in der Gemeinde Dörverden“, erklärte CDU-Fraktionschef Adrian Mohr. Dass solch eine strukturell und sozialpolitisch negative Entscheidung gerade von einem öffentlichen Träger wie dem Kreis Verden initiiert wurde, hält der Christdemokrat für problematisch.

In seiner Antwort auf die Anfrage der Dörverdener Gemeindeverwaltung schreibt Verdens Landrat Peter Bohlmann (SPD): „Das solitäre Angebot im Haus am Hesterberg ist mittlerweile das letzte dieser Art im Kreisgebiet. Die anderen circa 30 kirchlichen, gemeinnützigen und privat-gewerblichen Heimträger haben entweder von Anfang an keine solitäre Kurzzeitpflege eingerichtet oder später wieder eingestellt und ebenfalls nur noch die eingestreute Kurzzeitpflege angeboten.“ Dem Landrat zufolge besteht für die solitäre Kurzzeitpflege ein separater Versorgungsvertrag mit den Landesverbänden der Pflegekassen, die besondere Personalanforderungen stellen. Der Mitarbeiterbedarf für die Kurzzeitpflege im Kreisaltenheim Dörverden sei in den vergangenen Wochen bereits zu Lasten des Pflegepersonals im Dauerpflegebereich gegangen.

Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern (parteilos) betonte im Gemeinderat noch einmal, dass die Kurzzeitpflege im Haus am Hesterberg nicht vollständig zum 31. Dezember dieses Jahres eingestellt wird. Lediglich für den Bereich der solitären Kurzzeitpflege wolle der Träger die Betriebserlaubnis zurückgeben. „In den Wohnbereichen der vollstationären Pflege werden zukünftig fünf Pflegeplätze für die eingestreute Kurzzeitpflege freigehalten“, erläuterte der Verwaltungschef. Kranke Menschen können dieses Angebot nach einem Klinikaufenthalt ebenso in Anspruch nehmen wie pflegende Angehörige (Stichwort planbare Auszeit). Statt bislang einem Dutzend solitären Kurzzeitpflegeplätzen gibt es zu Jahresbeginn dann also voraussichtlich nur noch fünf verlässliche Kurzzeitpflegeplätze innerhalb des laufenden Betriebs.

Jens Künzler, dem Vorsitzenden der SPD-Ratsfraktion, ging die ursprünglich von der CDU eingebrachte Resolution nicht weit genug, deswegen setzte er sich dafür ein, dass folgender Passus in die Erklärung aufgenommen wurde: „Die Gemeinde Dörverden setzt sich für eine Stärkung der Ausbildung in Pflegeberufen ein und unterstützt die Träger hiesiger Einrichtungen bei ihrem Werben um Pflegekräfte.“

Ob die Resolution etwas bewirkt, bleibt fraglich, denn wie sagte Mohr: „Die Resolution gibt dem Einbringer immer ein gutes Gefühl, ändert thematisch aber nichts.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+