Ronald Rahlmann hat einen Ford Escort zum Rallyewagen umgebaut / Sympathieträger aus dem Jahr 1969

Das Gefühl, einen Klassiker zu fahren

An sonnigen Januartagen kribbelt es Ronald Rahlmann in den Fingern. Der Ritterhuder wartet auf das Winterende, um seinem klassischen Ford Escort auf dem Nürburgring die Sporen zu geben. Rahlmanns weiß-blauer Renner mit dem röhrenden Klang ist für Kenner ein Schmuckstück. Der 55-Jährige hat den Wagen umgebaut und sich einen Jugendtraum erfüllt.
29.01.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Valek
Das Gefühl, einen Klassiker zu fahren

Der Ritterhuder Ronald Rahlmann hat sich mit dem Umbau des Ford-Escort einen Jugendtraum erfüllt. Der Autofreund hatte den Wagen von 1969 im Jahr 2005 in Saarlouis erworben und mit Freunden zu einem historischen Rallye-Fahrzeug umgebaut.

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An sonnigen Januartagen kribbelt es Ronald Rahlmann in den Fingern. Der Ritterhuder wartet auf das Winterende, um seinem klassischen Ford Escort auf dem Nürburgring die Sporen zu geben. Rahlmanns weiß-blauer Renner mit dem röhrenden Klang ist für Kenner ein Schmuckstück. Der 55-Jährige hat den Wagen umgebaut und sich einen Jugendtraum erfüllt.

Ritterhude. Wenn der Ritterhuder Ronald Rahlmann im Winter in seinem Ford Escort RS 2000 Platz nimmt, dann träumt er vom Frühjahr. Der Klang von Motor und Auspuff ist Musik in seinen Ohren. Der Wagen aus dem Jahre 1969 ist besonders: Schon das Anlassen des Zwei-Liter-Aggregats will geübt sein. "Da gehe ich nach Gehör", erläutert der 55-Jährige. Der Flitzer mit dem unwiderstehlichen Auspuffklang will gestreichelt werden – gerade beim Anmachen.

Das Starten des Autos ist für Rahlmann ein Ritual. Die Prozedur braucht Übung. Schon nach dem Einsteigen muss der deutsche Autofahrer umdenken: Das Zündschloss sitzt nicht wie gewohnt rechts, sondern links am Lenkrad. "Die haben einfach die Lenksäule aus England bei den deutschen Fahrzeugen eingebaut", weiß er. Nach dem Umdrehen des Schlüssels achtet Rahlmann auf das Surren der elektrischen Benzinpumpe. Sobald das tickernde Geräusch nachlässt, pumpt er mit dem Gaspedal. Dann startet er den Motor. Nach vier Startversuchen springt die kalte Maschine etwas widerwillig an.

Der neu aufgebaute Zwei-Liter-Motor meldet sich bärenstark. Erst mit steigender Öltemperatur beruhigt sich sein Lauf – das Brummen bleibt. Spätestens jetzt weiß ein Motorsport-Freund, warum Rahlmanns Herz am sogenannten Ford-Hundeknochen, wie das Modell wegen der markanten Scheinwerfer-Form einst auch genannt wurde, hängt: Der unruhige Motorlauf macht Lust auf kurvenreiche Straßen und Motorsport. "Bei 2600 Umdrehungen kriegst du ins Kreuz getreten. Dann will er ran." Rahlmann hat den Wagen im Mai 2005 als schlichtes 1600er Modell in Saarlouis erstanden. Monatelang hatte er nach dem passenden Auto gesucht: Er schmökerte in Zeitschriften und durchforstete Internetforen. Dann hatte er Glück: Er entdeckte eine kurze Annonce, telefonierte, fuhr nach Saarlouis – und verliebte sich auf der Stelle in den Escort.

Dann folgten zahlreiche Telefonate mit dem Erstbesitzer. "Der wollte den Wagen nicht an jeden verkaufen", erinnert sich Rahlmann. Er fand offenbar den "richtigen" Ton – gut zwei Wochen später gehörte der Wagen ihm. Der Kontakt zum ehemaligen Ford-Besitzer sei seither geblieben, erzählt er. "Wir telefonieren mehrere Male im Jahr."

Rahlmann, der auch Mitglied im Ritterhuder Automobilclub (RAC) des ADAC ist, hat den Wagen mit Freunden und nach historischen Vorgaben umgebaut. Stück für Stück ist aus dem 1600er ein breiter RS2000 entstanden. "Davon gibt es heute in Deutschland noch zwei Hände voll. Im Norden bin ich wohl der einzige", schätzt Rahlmann. Besonders im Ruhrgebiet gebe es noch weitere vergleichbare Fahrzeuge.

Ohne Neffe Jens Kück und Schwager Rolli Petermann hätte er das nicht geschafft, versichert er. "Niemand kann schließlich alles". Erst die Eigenleistung habe das aufwendige Vorhaben überhaupt bezahlbar gemacht. Die Liste für die technischen Änderungen war umfangreich. Rahlmann besorgte sich zuerst eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Ford-Werk in Köln. Damit erhielt er die Freigabe für den zeitgenössischen Umbau. "Wir haben uns streng an die Vorgaben gehalten."

Zuvor musste unter anderem der Motor getauscht werden. Rahlmann hat sich das Zwei-Liter-Triebwerk in Wuppertal bauen lassen. "Wir haben dazu einen ausgeruhten Motorblock verwendet, damit er sich nach der Leistungssteigerung beim Betrieb nicht verzieht." Wie viele Pferdestärken hat er denn nun? "Ausreichend", erwidert Rahlmann vorsichtig. Auch die werksseitig eingebaute Hinterachse wurde gegen eine sogenannte "große Köln-Achse" getauscht. "Die kommt vom Ford Transit und ist bei der Motorleistung stabiler." Sodann mussten an der Karosserie diverse Knotenbleche eingeschweißt werden, um die Steifigkeit des Rahmens zu erhöhen.

Seine Frau Martina unterstützt ihn

"Dazu kamen eine neue Bremsanlage, Zugstreben an der Hinterachse und verstärkte Querlenker an der Vorderachse", nennt Rahlmann Beispiele für weitere technische Umbauten. Im Inneren wurde ein Überrollkäfig installiert. Und die Reifenbreite wurde dem Escort-Vorbild aus dem Rennsport angepasst: Heute rollt der Wagen auf Breitreifen der Dimension 205/60/13. Heute ist der Wagen mit Tüv-Segen und als historisches Fahrzeug auf der Straße unterwegs. Ein "H" auf dem Kennzeichen belegt es.

Rahlmann ist auf der Bremen Classic Motorshow in Bremen vor zehn Jahren auf die Idee gekommen, sich einen Escort anzuschaffen. Seine Frau Martina habe ihn dabei unterstützt. "Allein geht das nicht. Für mich ist das ein Jugendtraum. Ich stand früher schon auf den Ford Escort." Die Geldsumme, die er in seinen Traumwagen gesteckt hat, bleibt sein Geheimnis. Sonntagsausflüge mit seiner Frau entschädigten für die Mühen des Umbaus, sagt er. Auch in diesem Jahr wird Rahlmann wieder auf der Messe sein, die am Freitag beginnt – sein Auto aber bleibt in der trockenen Garage.

Den zehnten Jahrestag seiner Idee wird der Ritterhuder auf der Messe mit Freunden aus der Ford-Szene feiern. "Das ist wie in einer große Familie." Der Ford Escort aus dem Jahr 1969 sei ein Sympathieträger, sagt Rahlmann. "Du kannst nicht vom Auto weg gehen, ohne dass du angesprochen wirst. Unser Bekanntenkreis ist mit dem Ford enorm gewachsen".

Der Ritterhuder hat sich in diesem Jahr etwa Besonderes vorgenommen: Rahlmann will im Juni mit Freunden und Wohnwagen zum Nürburgring fahren. Sein Ford Escort fährt auch mit – auf dem Trailer. Sie wollen auf dem Grand-Prix-Kurs der legendären Rennstrecke einige Runden drehen. "Aber nix mit brachialer Urgewalt", winkt Rahlmann ab: "Es geht allein um den Genuss, einen Klassiker zu fahren."

Eine Fotostrecke finden Sie im Internet unter www.weser-kurier.de/region

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