Fußball-Bremen-Liga: Bleibt die Melchiorshauser Leistung gegen Schlusslicht SV Grohn eine Ausnahme? Das Hoffen auf eine Eintagsfliege

Melchiorshausen. Björn Discher stand ungläubig an der Bande des 'Estadio de la B6' in Melchiorshausen. 'Ich fass? es nicht, dass wir Tabellenletzter sind', staunte der Defensivmann des Fußball-Bremen-Ligisten SV Grohn nach dem 4:0-Erfolg seiner Mannschaft gegen den TSV Melchiorshausen. Doch Discher staunte eigentlich weniger über die Leistung seiner Truppe, sondern über die des Kontrahenten. Die war schlecht. Und der Situation in keiner Phase der 90 Minuten angemessen.
14.04.2010, 01:31
Lesedauer: 2 Min
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Das Hoffen auf eine Eintagsfliege
Von Micha Bustian

Melchiorshausen. Björn Discher stand ungläubig an der Bande des 'Estadio de la B6' in Melchiorshausen. 'Ich fass? es nicht, dass wir Tabellenletzter sind', staunte der Defensivmann des Fußball-Bremen-Ligisten SV Grohn nach dem 4:0-Erfolg seiner Mannschaft gegen den TSV Melchiorshausen. Doch Discher staunte eigentlich weniger über die Leistung seiner Truppe, sondern über die des Kontrahenten. Die war schlecht. Und der Situation in keiner Phase der 90 Minuten angemessen.

Es ging für beide Teams um viel. Die Nord-Bremer hatten ihre letzte Chance, überhaupt noch irgendwie im Rennen um den Klassenerhalt zu bleiben. Und die Kreis-Diepholzer hätten a) den SV Grohn endgültig abhängen und b) Druck auf die mitgefährdeten Clubs SG Aumund-Vegesack und OT Bremen machen können. Grund genug eigentlich zu rennen, zu kämpfen, alles zu versuchen.

Die Gäste machten vor, wie?s geht. 'Grohn hat seine letzte Chance genutzt', sprach Melchiorshausens Co-Trainer Andree Bitterer dem Gegner ein Lob aus. 'Wir konnten in keiner Phase Paroli bieten.' Doch woran lag?s? Waren die Nordkreisler dem Druck nicht gewachsen? 'Übermotiviert waren wir auf jeden Fall nicht', fand Bitterer. 'Aber alles, was wir vorher abgesprochen hatten, wurde nicht umgesetzt. Außerdem haben wir in der Defensive fatale Fehler gemacht, aber das zieht sich ja schon durch die ganze Saison.'

Ein Beispiel: Das Grohner 1:0 (13.) durch Fatih Akyildiz fiel nach einem Freistoß, 'dabei hatten wir vorher extra über die Zuteilung bei Standardsituationen gesprochen'. Der zweite Gegentreffer nur gut 120 Sekunden später vergrößerte die Unsicherheit beim TSV noch. Auch hier ein Beispiel: Oliver Gerth half mit, den Ball zu erobern, bekam die Kugel auf der Linksaußenposition schnell wieder zugepasst und dachte, er sei im Abseits. Da mittig auch einige Grohner reklamierten, fühlte Gerth sich in seiner Meinung bestätigt und brach die Aktion beinahe ab. Auch die Zurufe seiner Mitstreiter konnten ihn nicht zu einem Sprint oder einer Flanke verleiten (35.). Weg war das Leder, weg damit auch die Chance auf eine Chance.

Doch der bedauernswerte Oliver Gerth bemühte sich zumindest in seinen Grenzen. So wie auch Omar Sabehaioun, Jan Klinkenborg oder Lars Schädler. Sie alle haben noch kein Bremen-Liga-Niveau, sie können das festgefahrene Schiff nicht aus dem Schlick ziehen. Das müssten Leute wie Oliver Riekers oder Marco Licht tun, Leute mit fußballerisch sehr ordentlichem Niveau. Doch Riekers taugt einfach nicht zum großen Zweikämpfer, und Licht trug mit negativen Äußerungen auch nicht gerade zur mentalen Stärkung des Teams bei.

Besinnen auf die eigenen Stärken

Was bleibt? Die Hoffnung, dass die miserable Leistung gegen den SV Grohn eine Eintagsfliege war. Denn eigentlich befand sich der TSV Melchiorshausen auf dem richtigen Weg, hatte eine kompakte, konditionsstarke Einheit geschaffen, die schwer zu knacken war. Zauberfußball und viele Tore hatte ohnehin niemand erwartet, die Spielgestaltung wurde zumeist dem Gegner überlassen. Der Klassenerhalt sollte über eine solide Defensive und Konterfußball geschafft werden. Das galt nach den Winterabgängen der Kreativkräfte Saimir Dikollari (zum SC Twistringen) und Walid Sabehaioun (TSV Bassum) erst recht.

Auf diese Fähigkeiten müssen sich die Schützlinge von Markus Hoßfeld und Andree Bitterer schnellstmöglich wieder besinnen. In der kommenden Woche wartet mit Werder Bremen III noch ein Kontrahent, gegen den der TSV Melchiorshausen nichts zu verlieren hat. Doch dann können, nein, müssen die Nordkreisler viel gewinnen. Und mit Ausnahme des Brinkumer SV sind sie alle schlagbar: der VfL 07, TuS Schwachhausen, Türkspor, OT Bremen, TSV Wulsdorf und der FC Oberneuland II. Ans Werk, TSV! Grohn hat?s vorgemacht.

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