Datenkolumne

Kunst in Zeiten der Corona-Krise

Wie digitalisiert sich die Kunst-Szene in der aktuellen Corona-Krise? Das haben sich unsere Datenexperten einmal angeschaut.
13.05.2020, 17:19
Lesedauer: 2 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker
Kunst in Zeiten der Corona-Krise

Einige Museen und Galerien verlagern in der Corona-Krise ihre Ausstellungen in virtuellen Raum (Symbolbild).

CARMEN JASPERSEN/DPA

Viele Museen und Ausstellungen haben ihre Tore momentan noch geschlossen. Zwar werden erste Öffnungsversuche in einigen Bundesländern derzeit diskutiert und auch schon vorsichtig umgesetzt. Gleichwohl werden viele Häuser auch in den nächsten Tagen und Wochen vermutlich nicht öffnen können. Um den Kunstbetrieb dennoch aufrecht zu erhalten, haben einige Ausstellungen aber bereits den Schritt ins Digitale gewagt und bieten neben digitalen Galerien mittlerweile immer öfter auch virtuelle Rundgänge an, die entweder vor dem Bildschirm oder aber mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille genossen werden können.

Doch wie geht es eigentlich den Kunstschaffenden, die es nicht in die digitalen Ausstellungsräume etablierter Einrichtungen geschafft haben? Wie können neue Werke, die jetzt gerade erschaffen werden, einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt und vielleicht sogar verkauft werden? Neben der Präsentation auf der eigenen Internetseite oder in sozialen Netzwerken erleben auch ganz neue Ideen einen Aufschwung. Und diese Ideen erscheinen auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich: So bieten Plattformen wie zum Beispiel www.superrare.co, knownorigin.io oder www.makersplace.com den Künstlern an, ihre digitalisierten Kunstwerke mit Hilfe eines sogenannten „Tokens“ mit der Blockchain – also einem dezentralisierten Netzwerk – zu verknüpfen. Die so gespeicherten „Tokens“ bilden dann den Besitz am digitalen Kunstwerk ab und sind in einigen Fällen sogar mit dem Bezugsrecht des physischen Werkes verbunden.

Doch selbst wenn nur ein digitales Kunstwerk ohne physisches Gegenstück existiert, erreichen die digitalen Bilder teilweise Höchstgebote. So wird für digitale Kunst in Einzelfällen bereits bis zu 10 000 Euro gezahlt, weit häufiger sind jedoch Beträge in Höhe von mehreren hundert Euro zu verzeichnen. Für die ein oder anderen Kunstschaffenden aber durchaus eine spannende Alternative in den aktuellen Zeiten. Auch neue Konzepte digitaler Kunst sind im Internet zu finden, wie www.async.art. Hier arbeiten in der Regel mehrere Künstler an einem sich verändernden Werk, an dem gleich mehrere Sammler beteiligt sein können. Das Werk selbst stellt eine Art digitale Collage dar, bei der die jeweiligen Künstler einzelne Bestandteile beisteuern, die separat vom Gesamtkunstwerk erworben werden können. Das Besondere: Die jeweiligen Bestandteile werden in mehreren Versionen bereitgestellt und können vom Erwerber gesteuert werden. Kauft also jemand das digitale Hauptkunstwerk, kann es sein, dass sich dieses in Varianten ständig verändert.

Die digitale Innovationskraft ist an dieser Stelle so stark, dass es gar möglich sein kann, dass sich hier derzeit eine neue Kunstbewegung abzeichnet. Parallel dazu entstehen zurzeit außerdem verschiedene virtuelle Welten, in denen Künstler und Sammler ihre digitalen Werke ausstellen und Events organisieren können. Hier sind momentan vor allem Projekte wie Cryptovoxels, Somnium Space oder Decentraland zu nennen, in denen teilweise sogar schon von Kunstkuratoren geführte virtuelle Rundgänge angeboten werden. Und auch auf der bekannten US-Spieleplattform Steam steht mit „Occupy White Walls“ eine in der internationalen Presse beachtete Anwendung bereit, in der sich Spieler ihre eigene virtuelle Galerie aufbauen und diese mit anderen teilen können. Diese Entwicklung beweist: Kunst findet auch in Krisenzeiten ihre Nischen.

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