Suche nach Erdgas

Dea setzt geplante Messungen in Bremer Region aus

Die Kritik hat Wirkung gezeigt: Die Deutsche Erdöl AG hat die geplanten seismischen Messungen in den Landkreisen Diepholz, Verden, Osterholz und Rotenburg vorerst gestoppt und verspricht eine Prüfung.
02.12.2018, 20:35
Lesedauer: 3 Min
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Dea setzt geplante Messungen in Bremer Region aus
Von Anna Zacharias
Dea setzt geplante Messungen in Bremer Region aus

Gegen die Suche nach Erdgas und Fracking in den niedersächsischen Landkreisen gibt es seit Jahren Proteste. (Archivbild aus Verden)

Björn Hake

Überraschende Wende: Die Deutsche Erdöl AG (Dea) hat auf die Kritik an ihren Plänen für seismische Messungen in der Region reagiert. Wie das Unternehmen am Sonntagabend mitteilte, soll die für Januar und Februar 2019 in den vier Landkreisen Diepholz, Verden, Osterholz und Rotenburg geplante Suche nach Erdgas ausgesetzt werden. Die Dea will auch den Antrag auf Genehmigung des Vorhabens beim Landesamt für Bergbau (LBEG) zurückziehen und stellt die Messkampagne auf den Prüfstand.

„Zentrales Anliegen der Dea ist es, in den kommenden Monaten die Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu den geplanten Seismik-Messungen umfassend zu klären und die Bedeutung von heimischer Erdgasförderung im Kontext der Energiewende zu diskutieren“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Dea beabsichtige darüber hinaus, einen intensiven Dialog zu führen, um Formate zu diskutieren und zu entwickeln, die bereits in den Planungs- und Antragsphasen eine breitere Einbeziehung der Öffentlichkeit erlauben. Diese Messungen in den vier Landkreisen sollen nach Angaben der Dea das bestehende Modell des geologischen Untergrundes durch noch fehlende Details ergänzen. Dadurch könnten Erdgaspotenziale weitaus besser als heute bewertet werden.

Ursprünglich hatte die Dea geplant, Anfang 2019 mit sogenannten Vibro-Trucks in den Landkreisen Osterholz, Verden, Rotenburg und Diepholz erste Messungen vorzunehmen. Dagegen hatte sich der Widerstand von Bürgern vor Ort formiert. So wollen nahezu alle Kommunen im Kreis Verden den Vibro-Trucks das Befahren von öffentlichen Straßen und Wegen untersagen. Sie befürchten, dass die seismischen Voruntersuchungen bei einem positiven Befund die Förderung von Erdgas nach sich ziehen könnte. Der Osterholzer Kreistag wollte am 6. Dezember eine Resolution verabschieden, die auch die Nutzung der Kreisstraßen untersagt und deutlich macht, dass der Landkreis die Gasförderung ablehnt.

Auch Derik Eicke, SPD-Vorsitzender in Oberneuland, fordert ein Verbot der Gasförderung in dicht besiedelten Gebieten. Den Erdgaskritikern geht es dabei nicht nur um Gebäudeschäden infolge von Erdbeben. Nach Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie führt die Erdgasförderung zu Spannungen im tiefen Untergrund. Wenn diese impulsartig abgebaut werden, kann es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen. So hat der Niedersächsische Erdbebendienst im Bereich des Erdgasfeldes Völkersen in Langwedel in den vergangenen zehn Jahren insgesamt neun schwache Erdbeben registriert. Das stärkste ereignete sich am 22. April 2016 mit der Magnitude 3,1.

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Doch auch dem Trinkwasser gilt die Sorge der Erdgaskritiker. Sie führen die Gasförderung in Verden-Scharnhorst als Beispiel an. Dort werde giftiges Lagerstättenwasser in einem Wasserschutzgebiet zurück in die Tiefe verpresst – und zwar ausgerechnet in dem Reservoir der Rotenburger Rinne, aus dem Bremen 60 Prozent seines Trinkwassers bezieht. Ein Zwischenfall sei da nicht auszuschließen, meint Martin Busch, Sprecher der Bürgerinitiative „Walle gegen Gasbohren“ aus Verden. So wie 2011/12 in Völkersen bei Langwedel, als durch undichte Rohre die oberste Grundwasserschicht verseucht wurde.

Ständige Lecks in Industrieanlagen rufen auch den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf den Plan. Die Erdgasförderung sei mit ­jeder Menge Risiken behaftet, hatte der Bremer Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann dem WESER-KURIER gesagt. „Man spielt mit Giften herum. Wer weiß, was mit dem verpressten Zeug unter der Erde noch passieren kann?“ (zan)

+ + + aktualisiert am 02.12.18 um 22:38 Uhr + + +

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