Delme-Werkstätten

Alles andere als kalter Kaffee

Auch die Delme-Werkstätten wollen vom Kaffee-Boom in Deutschland ihren Teil abbekommen. Die Wid in Syke mischt und röstet Bohnen aus Kenia, Kolumbien, Indien und Brasilien. Nicht nur für die eigenen Bistros.
02.09.2020, 17:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss
Alles andere als kalter Kaffee

Ingrid Bultjer füllt die Bohnen in die Röstmaschine. Sie weiß genau, wie sie die Sorten mischen muss.

Fotos: Vasil Dinev

Syke. Kaffee ist eins der beliebtesten Getränke der Deutschen. Und der Trend setzt sich fort, denn immer mehr Anbieter mit ungewöhnlichen oder eigenwilligen Kaffeesorten, mit verschiedenartigen Röstungen und Zusammenstellungen tauchen auf. Immer mehr Kaffeeliebhaber vertiefen sich in die Feinheiten der Zubereitung solch ausgewählter Sorten, ob nun als normaler Kaffee oder Espresso, als Cappuccino, Latte Macchiato oder Cold Brew. Letzteres ist nicht einfach kalter Kaffee, sondern der neueste Schrei für das schwarze Getränk, das mit kaltem Wasser „aufgebrüht“ wird. Auch die Delme-Werkstätten – Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung in Bassum, Sulingen, Diepholz und Syke im Landkreis Diepholz – befassen sich mit dem beliebten Getränk. Nicht nur wegen ihrer Bistros „Delcasy“ in Syke und Bassum. Im Besonderen sorgt die Wid Syke für dunkelbraune Bohnen.

Seit 1993 bieten die Delme-Werkstätten auch für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung die Möglichkeit der beruflichen und sozialen Rehabilitation in den Werkstätten für Industrie und Dienstleistung, kurz Wid. Und hier gibt es seit drei Jahren eine kleine Rösterei, die auch in Corona-Zeiten unter Hygienevorschriften weiter gearbeitet hat. „Edle Kaffeebohnen aus klimatisch reizvollen Anbaugebieten und besonderen, nachhaltigen Anbauprojekten, eine hohe Röstqualität und soziale Nachhaltigkeit zeichnen die Kaffees aus der Delme-Kaffeemanufaktur aus“, erklärt Ute Stollreiter, Pressesprecherin der Delme, und fährt fort: „So wie die geografische Lage der Anbaugebiete, das Klima und die Art des Anbaus einer Kaffeepflanze ihre Persönlichkeit verleihen, so geben der Röster und die Art des Röstverfahrens den Bohnen ihren unverwechselbaren Geschmack und Charakter.“ Die Kaffeebohnen der Syker Manufaktur werden nach Delme-Genussvorgaben im traditionellen Langzeittrommelröstverfahren von Hand veredelt.

Deshalb sei der Delme-Kaffee, Delmundo genannt, besonders bekömmlich. „Röstung für Röstung entstehen hochwertige Spezialitätenkaffees auf höchstem handwerklichen Niveau“, so Stollreiter. Für jede Sorte, ob nun Kanya, Teyuna oder Espresso Uno, gibt es Röstvarianten in kräftig oder mild. „Der Kenya Kahava aus Kenia und der Teyuna aus Kolumbien sind unsere sortenreinen Kaffees – unser Kaffee der Vielfalt besteht aus ausgesuchten Bohnen aus Anbaugebieten in Indien, Kolumbien und Brasilien“, sagt Gruppenleiter Dietmar Stünker.

Ingrid Bultjer ist eine derjenigen, die sich intensiv damit befasst hat und nunmehr unter Anleitung von Stünker daran arbeitet. Sie weiß genau, welche Bohnen aus den drei Säcken vor dem Eingang wie gemischt werden müssen. Darin befinden sich nämlich die rohen, noch bunten Bohnen, gelb oder grün, aus Kolumbien, Indien oder Brasilien. Nach dem Abwiegen kommen dann immer zwei Kilogramm in den Röster im Nachbarraum. Da steht auch eine große Kaffeemühle, denn der Delmundo wird sowohl als ganze Bohne als auch in zwei verschiedenen Mahlgraden angeboten. Außerdem führt hier Ingrid Bultjer mit großer Sorgfalt das Röstbuch – vor allem wichtig für das Finanzamt.

Die niedrige und schonende Rösttemperatur von rund 200 Grad Celsius sorgt dafür, dass in einer halben Stunde die Säuren aus den Bohnen verschwinden. „Hinterher sind es immer so um die 250 Gramm weniger, denn es geht ja Feuchtigkeit raus, die Schalen und die kleinen Häutchen der Bohnen“, weiß Bultjer, während sie abschließend die nunmehr braunen Bohnen noch einmal umrührt. Mit diesem schonenden Röstverfahren werde das unvergleichliche Kaffeearoma herausgebildet. „Man darf eigentlich das Ganze nicht allein lassen, denn die rechtzeitige Abschaltung ist wichtig, ebenso das Aufpassen beim Mahlen“, sagt Stünker.

Von Bultjer und ihren Kollegen, also Menschen mit psychischer Beeinträchtigung, wird dann der fertige Kaffee im nächsten Raum mit Sorgfalt und Begeisterung verpackt. Sogar die Tüten, spezielle Aromaschutz-Verpackungen und Etiketten haben die Werktätigen in der Wid selbst gestaltet. Danach kommt ein Teil in die beiden Delme-Bistros „Delcasy“ nach Syke und Bassum, wo Kaffeeliebhaber ihn entweder trinken und genießen können oder päckchenweise kaufen. Ein anderer Teil bleibt vor Ort, denn der Delmundo ist auch im Online-Shop der Delme-Werkstätten erhältlich. Man findet ihn im Internet unter www.delme-shop.de.

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