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Geiseldrama von Gladbeck wird verfilmt / Täter besorgten sich in der Stadt neuen Fluchtwagen
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Delmenhorst wird zum Drehort

Annika Lütje 25.07.2016 0 Kommentare

Focke-Museum, Ausstellung Bremen 1945 bis 2010
Der Geiselnehmer und Bankräuber Hans-Jürgen Rösner wurde während der Flucht regelrecht von Reportern umlagert und gab freimütig eine "Pressekonferenz". (Jochen Stoss - Focke-Museum, honorarfrei für Ausstellung)

Als Reinhold Alles und Marion Löblich das Büro betraten, stand hinter dem Empfangstresen Christina Niehaus, sie war an diesem Tag zum ersten Mal allein im Büro. Sie hatte gerade vor zwei Wochen ihre Ausbildung begonnen, als sie Teil des Gladbecker Geiseldramas wurde. Denn bei ihr besorgten sich die Geiselnehmer einen neuen Fluchtwagen.

Das Drama wird nun nach dem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt („Mord in Eberswalde“) von Radio Bremen, ARD-Degeto und Ziegler Film für einen zweiteiligen ARD-Fernsehfilm rekonstruiert. Der Dreh hat bereits begonnen. Und da Delmenhorst einer der Schauplätze der Ereignisse war, wird das Filmteam Ende August auch in der Stadt aufschlagen, um einige Szenen zu drehen.

Geiseldrama
Am Hasporter Damm 1, wo früher die Autovermietung "Autohansa" ihren Sitz hatte, befand sich zuletzt jahrelang eine Baguetterie. Mittlerweile ist das Gebäude abgerissen, ein Mehrfamilienhaus soll gebaut werden. (Ingo Moellers)

Unter der Regie von Kilian Riedhof („Der Fall Barschel“) stehen die Schauspieler Zsa Zsa Inci Bürkle („Fack ju Göhte 2“), Sascha Alexander Geršak („Tatort“), Arnd Klawitter („Tatort“, „Homeland“), Ulrich Noethen („Comedian Harmonists“, „Das Tagebuch der Anne Frank“), Alexander Scheer („Sonnenallee“, „Tatort“), Martin Wuttke („Inglourious Basterds“, „Tatort“) und viele mehr vor der Kamera. Natürlich werden wie für fast jeden Film auch Komparsen eingesetzt. Allerdings war der Ansturm bereits so groß, dass erst einmal keine weiteren Statisten benötigt werden, wie die Produktionsfirma auf Nachfrage wissen lässt.

Der Film „Gladbeck“ schildert ein Verbrechen, dass sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Nicht nur, weil sich am 16. August 1988 aus einem fehlgeschlagenen Banküberfall eine dreitägige Geiselnahme entspann, die tragisch – nämlich mit drei Toten – endete. Sondern auch, weil der deutsche Journalismus in diesen drei Tagen völlig die Distanz zum Geschehen verlor und die Täter zu Medienstars machte.

Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner überfielen eine Filiale der Deutschen Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck, scheiterten jedoch, flüchteten durch Deutschland und die Niederlande und nahmen dabei mehrmals Geiseln. Unterwegs erschoss Degowski den 15-jährigen Italiener Emanuele De Giorgi in einem entführten Linienbus. Bei der Verfolgung in den Niederlanden starb ein Polizist, als es zu einem Zusammenprall mit einem Lastwagen kam. Schließlich verlor die 18-jährige Geisel Silke Bischoff während der umstrittenen Polizeiaktion auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef, die der Flucht der Täter ein Ende setzte, ihr Leben.

Die Ereignisse waren schlimm genug, um ein Land in Atem zu halten. Christina Niehaus von der damaligen Delmenhorster Autovermietung „Autohansa“ haben sie sich besonders ins Gedächtnis gebrannt – schon allein, weil sie so glimpflich davon gekommen ist. Die Täter Degowski und Rösner wollten ihren Fluchtwagen, einen silbernen Mercedes 230E, loswerden. Am Hasporter Damm 1 wollten sie sich ein neues Fluchtfahrzeug beschaffen. Ihre Geisel Reinhold Alles sollte ihnen beim Mieten eines Wagens helfen. Doch da Christina Niehaus so frisch im Dienst war, wollte sie nichts falsch machen und stellte für die Verbrecher eine echte Hürde dar – ihr war nach eigenen Aussagen gar nicht klar, welch eigentümliche Kundschaft sie da vor sich hatte. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt von dem Geschehen in Gladbeck und der Flucht noch nicht viel mitbekommen“, räumte sie später ein.

Ein Passat sollte her. Doch ganz nach Vorschrift verlangte Niehaus erst einmal eine Kaution per Scheck oder Kreditkarte sowie die Vorlage eines Führerscheins und Personalausweises. Da die Geisel damit nicht dienen konnte, verweigerte Niehaus die Herausgabe des Wagens. Erst als Alles flehte, dass es hier „um Leben und Tod“ ginge, rief sie ihren Chef an, um sich die Vermietung genehmigen zu lassen. „Ganz ehrlich, ich habe die beiden nicht ganz ernst genommen“, erinnert sie sich heute. Dann allerdings baute Rösner sich mit einer Waffe im Blickfeld der damals 19-Jährigen auf.

Schließlich entschieden sich die Geiselnehmer für einen dunkelblauen BMW 318. Nun, mit gleich zwei Waffen bedroht, sollte Niehaus die Schlüssel herausrücken. Zeitgleich rief die Polizei an und brachte die junge Frau in eine verzwickte Lage, da die Verbrecher merkten, wer da am anderen Ende der Leitung war. Schließlich füllte Niehaus den Mietvertrag für den BMW aus, den Rösner zwar nicht unterschrieb – aber immerhin zahlte er die Kaution von 1000 D-Mark. Wie glimpflich sie der Lage entkommen ist, wurde der damaligen Auszubildenden erst abends zu Hause klar.

Zusätzliche Brisanz brachten allerdings die Medien in den Fall. Heerscharen von Journalisten begleiteten die Geiselnehmer auf ihrer Flucht und waren rund um die Uhr live dabei. Erstmals wurde ein Verbrechen in Echtzeit dokumentiert. Unter permanenter öffentlicher Beobachtung traf die Polizei eine Reihe von schwerwiegenden Fehlentscheidungen. Der Film „Gladbeck“ soll nun aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschichte erzählen und eine Verkettung von Umständen verdeutlichen, die am Ende drei Menschen das Leben kostete. Wann der Film ausgestrahlt werden soll, steht laut der Produktionsfirma noch nicht fest.

„Ich habe die beiden nicht ganz ernst genommen.“ Christina Niehaus

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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...