Wetter: bedeckt, 11 bis 18 °C
Arp-Schnitger-Tage in Ganderkesee
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Ein Abend voller Gänsehaut-Musik

Günter Matysiak 12.04.2016 0 Kommentare

Konzert
Das Bremer Ensemble „La Ninfea“ widmete sich bei seinem Konzert im Rahmen der Arp-Schnitger-Tage nicht nur der Geschichte des „Mannes mit der eisernen Maske“, sondern auch der Frage, welche Stücke er in seiner Zelle in der Bastille wohl musiziert haben könnte. (Ingo Moellers)

Die Musik, die das Bremer Ensemble „La Ninfea“ am Sonntag im Rahmen der Arp-Schnitger-Tage 2016 vor der historisch passgenauen Kulisse der 1699 erbauten Orgel spielte, barg hohes Suchtpotenzial.

Schon gleich zu Beginn, wenn die Gambistin mit dem Rücken zum Publikum, quasi entrückt, imaginär, ein Prélude des Monsieur de Sainte-Colombe (ca. 1640-1700) spielte, begegnete man dem Wesen des Präludierens in seiner reinsten Form. Am Anfang steht die Suche eines Tons, dann eines Klangs, dann einer Melodie, die sich strömend verfestigt und Konturen annimmt.

„La Ninfea“– das ist italienisch, bedeutet „Die Seerose“ und lässt einen Seerosenteich assoziieren, der so verschlungen ist, wie die Musik, die das Ensemble macht. Das Quartett ist besetzt mit Barbara Heindlmeier (Blockflöte), Christian Heim (Blockflöte/Viola da Gamba), Marthe Perl (Viola da Gamba) und Johannes Gontarsky (Theorbe/Barockgitarre) und hat sich auf das Kammermusikrepertoire des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert, wobei besonders unbekannte Werke im Zentrum des entdeckerischen Interesses stehen.

Programm auch auf CD

Das Programm am Sonntag, das auch auf CD erschienen ist, war thematisch gebunden an die mysteriöse Geschichte des Mannes, der sein Gesicht hinter einer eisernen Maske verbergen musste und 1703 in der Bastille in Paris starb, wo er mehr als 30 Jahre seines Lebens in verschiedenen Hochsicherheitszellen verbracht hatte. Er durfte, bei Todesandrohung, seine Identität nicht preisgeben, besaß aber die Privilegien, Bücher zu lesen und zu musizieren.

Das Programm unter der Überschrift „Le Masque de Fer“ (Die eiserne Maske) machte sich nun auf die Suche nach der Musik, die der Mann mit der Maske wohl gespielt haben mag. Auf die Suche auch nach Musik, die die Gefühlswelt eines von der Welt Verlassenen widerspiegeln könnte. Das war dann nach dem einleitenden Prélude, das ja bereits das Suchen und Finden repräsentierte, eine „Passacaille lente ou La Desolée“ von Marin Marais (1656-1728). Musik, deren Ausdruck bei aller süßen Sinnlichkeit der beiden Blockflöten, ihres verzehrenden Klanges, ihrer umschmeichelnden Verbundenheit auch die Endlosigkeit der Verzweiflung aussprach. Monsieur de Sainte-Colombes „Le Suppliant“ für zwei Violen da Gamba war Musik feinster Stimmungswechsel, hatte den Ton der Gelassenheit, der Unruhe, des flehenden Flüsterns.

Intime Nähe

Auch über rein Musikalisches wäre zu berichten. Etwa über das kraftvolle Dialogisieren der Gambenmelodiestimme und der kontrapunktisch geführten Continuo-Gambenstimme in Marin Marais „Tombeau pour Mr. De S.te-Colombe“. Wie überhaupt das Zusammenspiel des Quartetts in allen Besetzungskombinationen von wunderbar intimer Nähe geprägt war. So etwa in dem Arrangement von Sätzen Robert de Visées (ca. 1660-1732), darunter das „L’autre jour m’allent promener“, das als auch heute noch geläufiges Chanson vorgestellt wurde. Das Programm wurde liebevoll mit Texten zu der Hintergrundgeschichte moderiert. Diese Textpartien könnten sicher noch ausgebaut werden im Sinne noch dichterer Verbindung von Musik und Text, eventuell auch mit Hilfe existierender literarischer Texte zum „Mann mit der eisernen Maske“.

Dieser Abend voller Gänsehaut-Musik schloss mit Stücken, die die klingende Umwelt des Gefangenen thematisierten: „Les voix humaine“ demonstrierte, wie sehr die Gambe der menschlichen Stimme ähnelt. „Echo“ war ein Paradestück dynamischer Differenziertheit. Und „Cloches ou Carillon“ (auch von Marin Marais) mit dem kompletten Ensemble waren dann noch einmal ein Beispiel von Klangfarbenkunst und instrumentaler Virtuosität. Mit einer „Traummusik“ aus Jean-Baptiste Lullys „Persée“ als Zugabe wurde das Publikum zärtlich-sanft nach Hause geschickt. Der Hinweis auf unschuldige politische Gefangene in unserer Gegenwart und der daran geknüpfte Verweis auf Amnesty International gaben dem Konzert einen zusätzlichen humanen Aspekt.


Mein Delmenhorst
Ihr Portal für Delmenhorst

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Stadt Delmenhorst und das Gebiet des Landkreises Oldenburg. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Webcam Marktplatz Delmenhorst
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.