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Die Sonderausstellung „Von Schmetterlingen und Drachen“ zeigt die Vielfalt textiler chinesischer Tradition
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Fernöstliche Kleider abseits der Klischees

Esther Nöggerath 25.02.2017 0 Kommentare

Museum
Sammler Friedhelm Petrovitsch und Lin Cai vom Konfuzius-Institut in Hannover freuen sich über die Ausstellung im Industriemuseum. (INGO MOELLERS)

An diesem Sonntag, 26. Februar, wird die Exposition rund um „textile Schätze südchinesischer Bergvölker“ eröffnet.

Einen Großteil der Ausstellung machen die 47 Sammlerstücke von Petrovitsch aus. Der pensionierte Lehrer aus Westdeutschland reist seit 2003 jährlich nach China, um die dort lebenden Bergvölker zu erkunden. „Die haben mich schon immer sehr interessiert“, erzählt er. Ursprüngliche Intention bei seinen Reisen war dabei die fotografische Dokumentation der unterschiedlichen und facettenreichen Kulturen. „Irgendwann fiel mir dann auf, was für tolle Kleidung die Bergvölker hatten“, sagt er. So kam er schließlich dazu, dass er ein Stück erwarb und nach und nach kamen immer mehr zu seiner Sammlung hinzu. „Das sind größtenteils Festtagskleider, die zu besonderen Anlässen wie dem Erntefest oder Frühlingsfest angezogen werden“, berichtet Petrovitsch.

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Museumsleiter Carsten Jöhnk sieht die Sonderausstellung auch als Art "Augenöffner" gegenüber Klischees und vorgefertigten Bildern, die man von chinesischer Kleidung im Kopf hat. (INGO MOELLERS)

Insbesondere die Frauen, wie Petrovitsch festgestellt hat, dekorieren sich zu den Festtagen besonders. „Sie tragen teilweise bis zu 20 Kilogramm Silber am Körper“, erzählt er. Aber auch die Kleider selbst sind aufwendig in Feinstarbeit bestickt oder gewebt. „Das kann schon mal Jahre dauern, bis so ein Teil fertig ist“, sagt Petrovitsch. Oft verwenden die Bergvölker für ihre Festkleidung die Farbe Blau. „Dafür wird der Farbstoff Indigo aus Pflanzen gewonnen und in die Paste wird dann der Stoff getaucht“, erläutert der Sammler den Färbevorgang. „Damit der Stoff schön glänzend wird, wird er anschließend auf einen Stein gelegt, und die Frauen schlagen dann stundenlang mit einem Holzhammer darauf ein.“

Neben den Festkleidern sind in der Ausstellung aber auch einige Schürzen aus dem Arbeitsalltag zu sehen sowie mehrere Babywickeltücher. „Damit binden sich die Frauen die Babys auf den Rücken zum Tragen. Oft werden die Tücher von Müttern und Großmüttern angefertigt, sobald sich eine Geburt ankündigt“, erzählt Petrovitsch. Die Tücher sind ebenfalls von zahlreichen Stickereien übersät und auch dort finden sich neben floralen Elementen auch die Symbole Drache und Schmetterling wieder.

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Petrovitsch hat auf seinen Reisen auch diverse Fotos von der Traditionskleidung gemacht. (INGO MOELLERS)

58 ethnische Minderheiten gibt es laut Petrovitsch in China, die größte davon machen die Miao aus, von denen es allerdings auch wieder zahlreiche verschiedene Ausprägungen gibt, wie etwa die Vogel-Miao, die buschige Röcke aus 50 verschiedenen Lagen in Falten tragen und damit ein bisschen wie Fasane anmuten, oder die Lang-Horn-Miao, die sich in Anlehnung an ihre Büffel die langen Haare um zwei Hölzer binden und damit hornartige beidseitig vom Kopf abstehende Frisuren formen.

„Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig und facettenreich die textile, chinesische Kultur ist“, sagt Museumsleiter Carsten Jöhnk, der das Ganze für sich persönlich auch als „Augenöffner“ sieht. „Mir war vorher gar nicht bewusst, was für klischeehafte Bilder man von chinesischer Kleidung eigentlich im Kopf hat“, sagt Jöhnk. Auf das Projekt sei er in Heidelberg gestoßen, wo die Ausstellung in ähnlicher Form bereits lief.

Einen Bezug zum Museum sieht Jöhnk in der Sonderausstellung auch, zumindest indirekt: „Die Lahusens standen damals auch in engem Kontakt zu China, das für die Nordwolle wichtigster Handelspartner im Ausland war“, erklärt Jöhnk. Über ein Fünftel der Ware, die von Delmenhorst ins Ausland verkauft wurde, sei nach China gegangen.

Die Ausstellung in der Nadelsetzerei wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet, um 13 Uhr gibt es eine Führung mit Petrovitsch. Anschließend ist „Von Schmetterlingen und Drachen“ bis zum 20. August zu sehen.


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Leserkommentare
Turugeno am 23.10.2019 12:36
Das jetzige Rentensystem kollabiert ja ohnehin aufgrund der Demographie in absehbarer Zeit. Weiß auch jeder, wird aber nichts geändert, denn die ...
2tara9 am 23.10.2019 12:27
Sind die Anwohner in Findorff eigentlich alle älter als die Stadthalle? Mich wundert immer, dass sich Leute Wohngelegenheiten (meistens günstiger, ...