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Sina Bachmann und Stefanie Gebers treten an, das Thema „Sternenkinder“ aus der Tabuzone zu holen
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Kurzes Leben – aber ein langes Echo

Jochen Brünner 05.12.2015 0 Kommentare

Aktion für Sternenkinder des Hospizkreises Ganderkesee
Stefanie Gebers von der Selbsthilfegruppe Sterneneltern Achim sowie Sina Bachmann vom Hospizkreis Ganderkesee (von links) treten am 13. Dezember an, das Thema Sternenkinder aus der Tabuzone zu holen. (Jochen Brünner)

Wenn Stefanie Gebers von „kinderlosen Eltern“ spricht, dann ist das kein Widerspruch in sich. Kinderlose Eltern sind Eltern von „Sternenkindern“ also von Kindern, die vor, während oder ganz kurz nach der Geburt gestorben sind. Und obwohl das Leben dieser Kinder nur sehr kurz war, haben die betroffenen Erwachsenen meist schon eine sehr intensive Beziehung zu den Ungeborenen aufgebaut, sodass ihr Tod sie emotional mit der gleichen Härte trifft, als würden sie einen Familienangehörigen oder einen engen Freund verlieren. „Gleichwohl ist das Thema ,Sternenkinder’ aber immer noch ein Tabu“, sagt Sina Bachmann, Koordinatorin des Hospizkreises Ganderkesee. Deshalb tritt der Hospizkreis am Sonntag, 13. Dezember, mit zwei Aktionen an, die Sternenkinder stärker ins Bewusstsein – auch der öffentlichen Wahrnehmung – zu rücken.

Stefanie Gebers, die in Ganderkesee aufgewachsen ist, aber inzwischen in Achim lebt, gehört selbst zu den Betroffenen. Sie hat im September 2013 in der 17. Schwangerschaftswoche ein Kind verloren. Schon als sie sich zur Geburt ins Krankenhaus begeben habe, hätten ihr die Ärzte und Hebammen dort jedoch gesagt, dass sie nichts für das Kind tun dürften. Ben hatte keine Chance. In der Folge hat Stefanie Gebers gemeinsam mit ihrer Freundin Kerstin Flato die Selbsthilfegruppe Sterneneltern Achim gegründet.

„Bis vor zwei Jahren durften Kinder, die weniger als 500 Gramm wogen, gar nicht regulär bestattet werden, sondern mussten über den Klinik-Müll entsorgt werden“, sagt Gebers. Inzwischen habe sich das jedoch geändert, was auch ihr selbst geholfen habe, ihr Schicksal anzunehmen. Allerdings lasse die Aufklärungsarbeit in den Kliniken immer noch zu wünschen übrig. „Man bekommt zwar ein paar Flyer, ist aber nicht wirklich motiviert, die zu lesen“, schildert die Wahl-Achimerin ihre eigene Gemütslage.

Gut zwei Jahre später hat sie ihren Weg gefunden, mit der Trauer umzugehen. „Ben spielt in unserem Familienleben auch heute noch die gleich Rolle wie unsere vierjährige Tochter“, sagt Gebers. So trägt sie etwa einen Fußabdruck des Fötus’ als Ring am Finger, am Geburtstag lässt die Familie Luftballons an seinem Grab steigen, in der Ahnengalerie hängt ein Foto von der Urne, in der Ben bestattet wurde, und auch Glückwunschkarten, die die Familie verschickt, werden stets mit dem Namen des Sternenkinds unterschrieben.

Wie viele Eltern im Landkreis Oldenburg und in der Region mit dem unfassbar frühen Tod ihrer Kinder leben müssen, wissen Sina Bachmann und Stefanie Gebers nicht. Doch sie sind sich sicher: Die Dunkelziffer ist hoch. „Auch in Achim gibt es Mitglieder, die nur über Telefon oder digitale Medien mit uns kommunizieren“, sagt Gebers. Weil das Thema so persönlich und emotional sei, hänge die Motivation auch stark von der Tagesform der Betroffenen ab. Andererseits würden sich aber auch Menschen an den Gesprächsrunden beteiligen, deren Verlust eines Kindes (es kann sich auch um einen Bruder oder um eine Schwester handeln) teilweise schon Jahrzehnte zurück liegt, und die bislang einfach keine Gelegenheit hatten, sich darüber auszutauschen.

Am Sonntag, 13. Dezember, lädt der Hospizkreis Ganderkesee Familien und Zugehörige zu einem gemeinsamen Gedenken ihrer verstorbenen Kinder ein. Es gibt zwei konfessionell ungebundene Angebote: In der Zeit von 15 bis 16.30 Uhr bieten die beiden Koordinatorinnen Sina Bachmann und Linda Bahr sowie Stefanie Gebers und Kerstin Flato im Gemeindehaus der katholischen St.-Hedwig-Gemeinde am Habbrügger Weg eine Gedenkfeier für Eltern und Geschwister mit Angehörigen an.

Um 18.30 geben Friedlinde Borchert, Familien- und Kinderbegleiterin des Hospizdienstes, sowie Trauerbegleiterin Johanna Salva Eltern, Müttern, Vätern und Großeltern die Möglichkeit des gemeinsamen Gedenkens. Um 19 Uhr werden die Teilnehmer dann für jedes gestorbene Kind ein Licht entzünden und ins Fenster stellen. Damit beteiligt sich der Hospizkreis an der Aktion „Worldwide Candle Lightning“, mit der seit Mitte der 90er Jahre immer am zweiten Sonntag im Dezember weltweit verstorbenen Kindern gedacht wird.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...