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Ulla Meinecke und ihre beiden Begleitmusiker begeisterten das Publikum in der Christuskirche
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Sie ist und bleibt die Tänzerin im Sturm

MAJANNE BEHRENS 26.01.2016 0 Kommentare

Ulla Meinecke
Mit ihrem leidenschaftlichen Auftritt in der Christuskirche widersprach Ulla Meinecke dem eigenen Lied „Ich bin zu alt“. (Ingo Moellers)

„Dieser Ort ist perfekt“, begrüßte die Grande Madame der deutschen Popmusik, Ulla Meinecke, am Sonntagnachmittag das Publikum in der Christuskirche in Harpstedt. Sie kenne mächtig gebaute Kirchen, in denen sie sich klein wie eine Maus fühlen würde, verriet die Song-Poetin. In dieser Kirche sei das anders, fügte sie hinzu, und sogleich füllte ihre volle, samtweiche Stimme jeden Winkel des großen Raumes aus. Mit ihrem unverkennbaren Charme und zwei hervorragenden Musiker an ihrer Seite begeisterte Ulla Meinecke die rund 200 Besucher ihres Konzertes.

Seit über 30 Jahren schreibt sie ihre Liedertexte selbst, gehörte anfangs sozusagen zu den Pionieren der deutschsprachigen Pop-Musik. Dabei liefern häufig Beobachtungen des Alltags die Themen, die Ulla Meinecke besingt. Aber in ihren Live-Konzerten präsentiert sie nicht nur ihre Songs, sondern sie erzählt dem Publikum ihre persönlichen Sichtweisen der Dinge – satirisch, zynisch und unverblümt.

Zum Beispiel über das Massenphänomen der Selfies, die Selbstporträts vom Handy. „Als wäre überall Hollywood“, spottete die Künstlerin und meinte, das dieser Mainstream die heutige Jugend verleite, den dreißigsten Geburtstag für eine Nahtoderfahrung zu halten. Dann legte sie los mit dem Titel: „Ich bin zu alt“, wobei sie viele Dinge aufzählte, selbst das Show-Geschäft.

Dieser Aufzählung zum Trotz rockte die 62-Jährige aber kraftvoll die Bühne mit unverkennbarem Soul in der Stimme, mal leidenschaftlich, mal herzlich warm. Die satten Beats lieferte Ingo York am E-Bass, und der Jazzpianist Reinmar Henschke zeigte sein Können am Keyboard. Obwohl das Konzert schon am Nachmittag und damit zu einer für dieses Genre ungewöhnlichen Zeit stattfand, sprang der Funke gleich beim ersten Song „ Zwei, die zueinander passen“ über. Die beiden Begleitmusiker waren damit zwar gar nicht gemeint, aber sie standen der Aussage in nichts nach und boten eine Vielfalt lyrischer Pop-Musik und Lieblingsstücke, die Ulla Meinecke eindrucksvoll und sympathisch präsentierte. Dabei blieb sie ihrem Stil treu, erzählte zwischen den Musikstücken Anekdoten und verkniff sich keine bissige Bemerkungen. Über Paare zum Beispiel, die wie eine Zwei-Personen Sekte auftreten, und die Katastrophen, die man erleiden muss, wenn man mit ihnen zu tun hat.

Während das Publikum sich köstlich amüsierte, begann Ingo York ein virtuos gespieltes Solo am Bass als Intro für „Das nackte Leben“, in dem es heißt: „… er und du, zwei wie ein Überfall, keiner will sich ergeben. Falke schlägt Falken und stirbt jedes mal – er und du, ihr seid das nackte Leben.“ Es klang, wie eine Titelmelodie zu einem spannendem Krimi, wummernde Bässe und später einsetzende schräge Akkorde und schnelles Fingerspiel am Keyboard, dazu eine Sängerin, deren schauspielerisches Talent sie schon bei verschiedenen Theaterproduktionen unter Beweis stellen konnte. Ein rhythmisch starkes Stück, das wahre Stürme der Begeisterung aus den Zuschauerreihen entfachte.

„Ich sitze ganz froh im Zug nach Sylt“, begann eine andere Ansage, bei der Ulla Meinecke erzählte, wie ein Herr aus einem mittelständischen Unternehmen das Abteil betrat und ein ungefragtes Referat über seine Lebensauffassung hielt. Wer mit 55 Jahren als Selbstständiger noch arbeiten müsse, habe etwas im Leben falsch gemacht, waren seine Behauptungen – und vielleicht auch der Ansporn für die Entstehung des Titels „Wenn wir Glück haben.“

„Für mich ein Glücksgriff, heute hier zu sein“, freute sich eine Konzertbesucherin aus Syke, und damit stand sie nicht alleine da. Klar, dass das Publikum seine Ikone anspruchsvoller Popmusik, vielleicht auch sein Idol der vergangenen drei Jahrzehnte nicht ohne Zugaben von der Bühne gehen lassen wollte. Stehende Ovationen forderten mit tosendem Applaus das Stück der Stücke „Die Tänzerin im Sturm“, welches Edo Zanki vor Jahren mit den Worten für sie schrieb „... Du wirfst mit Liebe nur so um dich!“ Das hat sie immer noch voll drauf.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...