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Vokalquintett Berlin spielt in der abgelegenen und beschneiten St. Dionysiuskirche bekannte Melodien mit neuen Arrangements
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Weihnachtsmusik im Winterwunderland

Hartmut Griem 10.12.2012 0 Kommentare

"Weihnachten fällt aus", hieß das Programm, das das Vokalquintett Berlin in der Kirche St. Dionysius vortrug. Wörtlich war das nicht gemeint: Sie sangen zahlreiche bekannte Weihnachtsmelodien mit neuen Arrangements. (Ingo Möllers)

Hude-Holle. Es fiel dem gastgebenden Pfarrer Jan Hendrik Dreyer sichtlich schwer, das weihnachtliche Vokalkonzert in der St. Dionysiuskirche in Holle unter dem Motto "Weihnachten fällt aus" anzukündigen, zum Glück entdeckte er jedoch im Programm so verheißungsvolle Titel wie "Nun komm der Heiden Heiland" oder "Es ist ein Ros entsprungen". Aber das Motto entspannte sich zu einer zwischen den Gesangstiteln von der Sopranistin Nathalie Siebert sinnig vorgetragenen Weihnachtserzählung von Margrit Rettich, in der das des üblichen kommerziellen Weihnachtstrubels überdrüssig gewordene Ehepaar Schmidt durch kleine liebenswürdige Verwicklungen zu einem ganz besonders seligen Weihnachten kam.

Der Aufgang zu der sehr verschwiegen, im Moor auf einer sechs Meter hohen Naturwarft gelegenen Kirche (aus dem Jahre 1277) war vom veranstaltenden Huder Kulturverein Impuls mit Kerzen erleuchtet worden, sodass sich bei leichtem Schneefall schon vor Beginn der Veranstaltung bei allen Besuchern – die Kirche war gut gefüllt – ein hohes Stimmungsniveau einstellte. Das Berliner Vokalquintett mit Nathalie Siebert, Sopran, Katja Kunze, Sopran, Jonny Kreuter, Alt, Martin Netter, Tenor und Amnon Seelig, Bass – alle gediegen ausgebildet und solistisch wie vor allem auch choristisch erfahren – musizierte alte und neue Advents- und Weihnachtschöre mit vielen Bezügen zu Altbekanntem, dem aber die Zuhörer durch die besonders zarten Interpretationen, die eigenwilligen Sätze und zum Teil sogar kessen Arrangements neu begegnen konnten.

Eingerahmt wurde das Programm durch Jan Pieterzoon Sweelincks "Gaudate omnes" und "Hodie Christus natum est". In seiner Vokalpolyphonie konnte sich das Ensemble gleich eindrucksvoll entfalten, indem es die Stimmenvielfalt mit viel textbezogener Körpersprache und Mimik überlagerte und noch lebendiger machte – ohne die Einheit des Satzes dabei zu verlieren. Der auch optisch sehr lebendige Eindruck des Ensembles blieb auch im weiteren Verlauf des Programms ständig präsent. Der Choral "Nun komm der Heiden Heiland" im Satz von Johann Walter verlor in der glatt fließenden Interpretation durch das Vokalquintett seine ihm eigene spröde Sperrigkeit.

Geläufige und gerade dadurch manchmal gefährdete Weihnachtsmelodien wie "Maria durch ein Dornwald ging" oder "Süßer die Glocken nie klingen" und "Lasst uns froh und munter sein" erhielten in den modernen, entsüßten Sätzen eine fröhliche Lebendigkeit. Undeutsch und insofern das Programm bereichernd die von Niels Köpke arrangierten Lieder "The Little Drummer Boy" und "Schneeflöckchen". Hier entfaltete das Ensemble eigene neue Farben in Form von Imitationen von Zupfinstrumenten mit besonders scharf gespannten Saiten. Schließlich die volkstümlichen spanischen Waisen aus dem 16. Jahrhundert "Riu, riu, chiu" von Mateo Flecha und "A un nino ilorando al hielo" von Francesco Guerriero, beide entwickeln aus einfachen Themen komplexe Klanggebäude, die ebenso gut aus unserer Gegenwart stammen könnten.

Wunderbar versöhnlich resümierend Michael Prätorius’ Choral "Es ist ein Ros entsprungen" – immer wieder gehört und dadurch in der Gefahr, sich abzunutzen, konnte er, derart rein, zart und delikat gesungen, die Zuhörer erneut aufs weihnachtlichste in seinen Bann nehmen.

Höchst reizvoll waren auch die Zugaben: Ein seit 800 Jahren gesungener Hymnus zum Chanukkafest als Reverenz an zwei der Ensemblemitglieder, die jüdischen Glaubens sind, und für die Weihnachten tatsächlich ausfällt – Ökumene auf einer anderen Ebene. Mit "Walking in the Winter Wonderland" deuteten die Sänger an, über welche anderen hier jazzverwandten expressiven Ausdrucksformen sie verfügen – vielleicht als Anregung für eine nächste Einladung; und das hymnisch choralhafte Lied "In the bleak mid winter", das dann keine weiteren Wünsche offenließ.


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Leserkommentare
alterwaller am 18.10.2019 20:26
Eine "ich-bin-dagegen-Initiative" nach der anderen. Bremen ist zwar meine Heimatstadt aber inzwischen bin ich froh mich vor ca. 6 Jahren vom Acker ...
Posaune am 18.10.2019 20:16
Aus Luftschlössern werden keine Lustschlösser entstehen weil sich Luft und Lust nicht sonderlich verstehen ;-).

Träume kann man ja ...