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Autohaus in Delmenhorst
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Aus der Krise lernen

Björn Struß 26.02.2019 0 Kommentare

Manfred Engelbart und Kerstin Kiwus in der Keimzelle des Unternehmens am Hasporter Damm.
Manfred Engelbart und Kerstin Kiwus in der Keimzelle des Unternehmens am Hasporter Damm. (Janina Rahn)

Delmenhorst. Wer heute mit Manfred Engelbart über sein traditionsreiches Autohaus am Hasporter Damm spricht, erlebt einen gut gelaunten Unternehmer. 2019 will er in seinen insgesamt sieben Filialen 4000 Autos verkaufen, der Umsatz soll auf 60 Millionen Euro steigen. 120 Mitarbeiter hoffen auf ein nächstes Erfolgskapitel. Doch Engelbart hat nicht vergessen, wie sehr er noch vor wenigen Jahren um das Überleben seines Familienunternehmens bangen musste.

„Ich habe über Monate gefühlt keine Sekunde geschlafen“, erinnert sich der 74-Jährige an die letzten Monate des Jahres 2008. Was als Finanzmarktkrise begann, schlug in diesen dramatischen Wochen mit voller Wucht auf die Realwirtschaft durch: Einbruch der Umsatzzahlen, Insolvenzen, Entlassungen. Kaum jemand dachte noch daran, einen Neuwagen zu kaufen. Und Engelbart hatte gerade eine denkbar große Investition gewagt – ein Neubau des Autohauses am Hasporter Damm. Am 1. Januar 2009 sollte eröffnet werden.

Toyota lässt die Muskeln spielen

Während die Handwerker noch arbeiten, stellte Toyota Engelbart vor eine schwere Entscheidung. Der Weltkonzern aus Japan wollte ein zweistufiges Händlernetz etablieren, bei dem sich kleinere Autohäuser in Abhängigkeit zu großen Lokalmatadoren begeben sollten. Die kleineren Filialen sollten die Neuwagen nur noch von ihren größeren Partnern geliefert bekommen. Das bedeutete für Engelbart: Entweder er expandiert oder er würde sich in Zukunft in der zweiten Stufe dieses Systems wiederfinden. Damit würde sein Unternehmen einen großen Teil der Eigenständigkeit einbüßen. Engelbart beschreibt diesen Moment so: „Toyota hat mich persönlich in die Pflicht genommen.“

Mitten in der Krise ließ Toyota also die Muskeln spielen. Dabei waren der Autoproduzent und Engelbart schon über Jahrzehnte praktisch miteinander verheiratet. Die Entscheidung, ein Toyota-Händler zu werden, traf Engelbart 1979. „Ein Top-Manager von Chrysler gab mir damals den Tipp, den Autokonzern zu wählen, der die größte Finanzkraft hat“, berichtet Engelbart. Denn mittelfristig entscheide das Geld darüber, ob ein Konzern innovative Technik entwickeln kann oder nicht. Die Wahl des japanischen Konzerns war damals eine Wette auf die Zukunft, denn die Modelle waren derzeit noch recht unattraktiv. „Die ‚Reisschüssel‘ war lange ein geflügeltes Wort“, erinnert sich Kerstin Kiwus, die heute gemeinsam mit Engelbart die Geschäftsführerin der GmbH & Co. KG ist. Den Erfolg der Marke kann man wohl auch daran ablesen, dass die Modelle aus dem Fernen Osten heute nicht mehr belächelt werden. „Bei den Hybridautos waren wir lange Vorreiter, inzwischen sind die anderen Konzerne aufgesprungen“, betont Kiwus.

Auch eine private Zäsur

Nicht vollends aus freien Stücken wagte Engelbart Ende 2008 einen Paradigmenwechsel in der Firmengeschichte. In nur vier Monaten brachte er die Übernahme eines Toyota-Hauses in Oldenburg unter Dach und Fach. Dieses leitete zu dieser Zeit Kerstin Kiwus. Die Entscheidung war nicht nur wirtschaftlich eine Zäsur. Denn Kiwus und Engelbart sind seit Ende der 90er-Jahre ein Paar. Berufliches und Privates wollten sie eigentlich voneinander trennen. Doch seit der Geschäftsübernahme führte das Paar nicht nur eine Beziehung, sondern auch ein Unternehmen. Am 1. Januar 2009 eröffnete Engelbart also gleich zwei Autohäuser. Am Hasporter Damm erwartete die Kunden ein Neubau, in Oldenburg ein neuer Chef. Dieses Wagnis lässt sich mit dem Spruch „Doppelt oder nichts“ am besten beschreiben. Mitten in der Weltwirtschaftskrise ging es bei Engelbart um alles. Doch dann kam ein Segen aus der Politik: die Abwrackprämie. „Nur durch diese Maßnahme haben wir 500 Autos mehr verkauft“, berichtet Engelbart. Sein Unternehmen überstand die Krise, ja ging sogar gestärkt aus ihr hervor. Im Jahr eins nach der Expansion erzielte er einen Umsatz von 30 Millionen Euro. 2003 waren es noch etwa drei Millionen. Diese rasante Entwicklung trieb seit dem Jahr 2009 die Übernahme weiterer Filialen voran. In Delmenhorst, Oldenburg, Bremen und Schortens betreibt Engelbart inzwischen sieben Autohäuser.

Eine Lektion aus der Krise

Doch Engelbart und Kiwus haben auch eine Lektion gelernt. Sie haben erfahren, was die Abhängigkeit von nur einer Automarke in der Krise bedeuten kann. Deshalb sind sie nun breiter aufgestellt, verkaufen inzwischen die Autos von Toyota, Mazda, Lexus und Kia. „Zu Anfang waren wir damit noch der böse Bube, doch inzwischen haben auch andere Häuser diese Strategie übernommen“, sagt Engelbart. Es gelte aber immer noch der Grundsatz: Ein Haus, eine Marke. Die Verkäufer sollen Experten für einen Hersteller bleiben und nicht gleichzeitig Modelle von konkurrierenden Konzernen anbieten.

Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs fahren Kiwus und Engelbart nicht mit einem Luxusauto durch die Stadt. „Es gibt Mercedeshändler, die in ihrer Freizeit unbedingt einen Porsche fahren müssen. Das kann ich nicht verstehen“, sagt Kiwus. Sie selbst probiert gerade eine sportliches Modell von Kia aus, aber mehr muss es für sie nicht sein. „Ich bin in meinem ganzen Leben immer nur Marken gefahren, die ich auch selber verkauft habe“, pflichtet ihr Engelbart bei. Er selbst ist gerade mit einem Brennstoffzellenauto unterwegs. Dieses verwandelt Wasserstoff in elektrische Energie – praktisch ein Elektro-Auto, welches sich wie ein Benziner auftanken lässt. Anstelle von Abgasen entstehen nur Wassertröpfchen. Bisher gibt es aber kaum Tankstellen für diese Technologie.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?