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PFOS in der Ochtum
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Das Fischen im Trüben

Helke Diers und Andreas D. Becker 08.10.2019 0 Kommentare

Die Substanz PFOS, die im Löschschaum der Flughafenfeuerwehr enthalten war und darüber in die Ochtum gelangte, erregt weiterhin die Gemüter der Angler. Die Behörden haben empfohlen, keinen Fisch aus der Ochtum zu verzehren.
Die Substanz PFOS, die im Löschschaum der Flughafenfeuerwehr enthalten war und darüber in die Ochtum gelangte, erregt weiterhin die Gemüter der Angler. Die Behörden haben empfohlen, keinen Fisch aus der Ochtum zu verzehren. (INGO MöLLERS)

Detlef Roß war auch da. Der Vorsitzende des Fischereivereins Delmenhorst saß mit im Grollander Krug, um Neuigkeiten zu erfahren, wie nun damit umgegangen werden soll, dass die Fische in der Ochtum, einem der Angelgewässer des Delmenhorster Vereins, mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) belastet sind. Die Substanz war im bis Anfang der 2000er-Jahre von der Flughafenfeuerwehr genutzten Löschschaum enthalten. Durch Brandschutzübungen gelangte sie in das Gewässersystem der Ochtum und deren Seitengräben. Die Bremer Behörden und das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium empfehlen, keine Fische aus der Ochtum zu verzehren und das Wasser nicht mehr zur Bewässerung der Gärten zu nutzen. Der Stoff reichert sich in Organismen an und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Verwendung von PFOS ist seit 2003 gesetzlich verboten. „Ich habe zumindest gelernt: Er ist biologisch nicht abbaubar“, sagt Roß.

Knapp 100 möglicherweise Betroffene waren einer Einladung der Rechtsanwaltskanzlei KWAG gefolgt. Rechtsanwalt Andreas Erren und der Toxikologe Thomas Caro aus Aachen erzählten zum Beispiel, dass mehrere Gewässern in Deutschland mit PFOS belastet sind. „Es gibt keinen Flughafen, der dieses Problem nicht hat. Alle, die diese Löschübungen durchgeführt haben, müssen handeln“, sagte Caro. PFOS sei gut wasserlöslich und daher über den Fluss mobil. Er merkte an, es gebe zu wenig Informationen über die früheren Löschübungen und wie sich die Substanz im Grundwasser ausgebreitet hätte.

Bodensanierung beginnt

Zumindest die Sanierung des Flughafengeländes sei in den vergangenen Wochen angeordnet worden, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, auf Anfrage des WESER-KURIER. Es ist geplant, belastetes Erdreich auszubaggern und das Grundwasser in den kontaminierten Bereichen zu filtern. Anwalt Jan-Henning Ahrens erklärte, seine Kanzlei werde für mögliche Mandanten Ansprüche gegen die Flughafen GmbH und in „jedem Fall die Verantwortlichkeit des Landes Bremen als Hauptgesellschafter der Flughafen GmbH“ prüfen. Rechtsanwalt Erren wiederum erläuterte, dass, wer giftige Substanzen in Wasser oder Boden einbringe, grundsätzlich eine Umwelthaftung als Verursacher auslöse. Möglicherweise geschädigt seien Grundstückseigentümer und Anwohner, Fischereivereine, Kleingärtner, Tierhalter, Nutzer und Konsumenten eventuell belasteter Produkte.

Die Teilnehmer an der Veranstaltung machen eines deutlich: Sie fühlen sich nicht ausreichend informiert. Einer wollte wissen, ob seine Enkel weiterhin die Äpfel aus seinem Garten essen könnten. Rechtsanwalt Ahrens sagte: „Es laufen Laboruntersuchungen von Obst aus betroffenen Arealen aus dieser Saison.“ Kritische Töne zur Informationslage kamen auch von den Rechtsanwälten. In Bremen wisse keiner, an welche Grenzwerte die Verwaltung sich halte, „weil das einfach schlecht kommuniziert wird“, sagt Erren. Es gebe ein „nicht akzeptables Informationsgefälle“ zulasten der Betroffenen. „Die Bremer halten sich extrem zurück“, beschreibt Detlef Roß, wie er das Verhalten der Behörden in der großen Nachbarstadt wahrnimmt. „Die wissen genau, was die Stunde geschlagen hat.“

Roß war nicht der einzige Angler an diesem Abend, auch Rolf Libertin, Vorsitzender des Sportfischereivereins Bremen-Stuhr, war gekommen. Er meinte, es habe sich um eine „Verkaufsveranstaltung von Anwälten“ gehandelt, Roß sagte: „Nach den Informationen war es eine Tupper-Veranstaltung für die Juristen“. Sie hatten sich mehr Informationen erhofft. Wie sich der Delmenhorster Fischereiverein nun verhalten werde, könne er noch nicht sagen. „Wir warten jetzt die Auswertung ab, die unser Dachverband durchführt“, sagt Roß. „Aber wenn wir uns etwas wünschen dürften, wäre es natürlich, die Ochtum wieder in ihrem alten Zustand zu haben.“

Dabei will Roß auch mit dem Flughafen Bremen kooperieren, das Problem sehe er eher auf EU-Ebene. „Im vergangenen Jahr wurden die Grenzwerte massiv gesenkt, deswegen haben wir jetzt die Verzehrempfehlung.“ Es gibt kein Verbot. Jeder, der mag, darf Ochtum-Fisch essen. Auf eigene Gefahr. Auf die Mitgliederzahlen der Delmenhorster Fischereivereins habe sich das PFOS im Fluss noch nicht ausgewirkt. Nur ein einziges Mitglied, sagte Roß, habe ausdrücklich deswegen gekündigt. „Aber er hat ausschließlich in der Ochtum geangelt. Wir sind als Verein in der glücklichen Lage, viele Gewässer nutzen zu können. Trotzdem wäre es schade, wenn wir die Ochtum zukünftig nicht mehr hätten.“


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...