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Der Kampf gegen häusliche Gewalt

Niklas Johannson 21.11.2018 1 Kommentar

Häusliche Gewalt, vor allem gegenüber Frauen, hat in den vergangenen Jahren stetig leicht zugenommen.
Häusliche Gewalt, vor allem gegenüber Frauen, hat in den vergangenen Jahren stetig leicht zugenommen. (Jan-Philipp Strobel)

Alle zweieinhalb Tage stirbt in Deutschland eine Frau – getötet von ihrem eigenen Partner oder einem ehemaligen Lebensgefährten. 147 Frauen kamen so im vergangenen Jahr gewaltsam ums Leben. Insgesamt misshandeln zehntausende Männer ihre Partnerinnen. Die Dunkelziffer ist noch einmal deutlich höher einzuschätzen. Das geht aus der kriminalstatistischen Auswertung hervor, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt und währenddessen folgendes betont hat: „Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort – ein Ort, an dem Angst herrscht“. 

Auch im Landgerichtsbezirk Oldenburg – zu dem auch Delmenhorst zählt – ist eine leichte Steigerung von Fällen häuslicher Gewalt festzustellen. „2016 haben wir insgesamt 2216 Vorfälle häuslicher Gewalt bearbeitet. In diesem Jahr werden es schätzungsweise 3000 werden. "Das ist zwar eine negative Entwicklung, die allerdings noch nicht besorgniserregend ist“, sagt Gerold de Boer von der Staatsanwaltschaft Oldenburg. In Delmenhorst hat die Polizei im vergangenen Jahr 317 gemeldete Vorfälle entgegengenommen. „Das ist das Hellfeld, es gibt aber leider auch noch eine Dunkelziffer“, weiß Petra Borrmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Delmenhorst, und ergänzt: „Wie der Eisberg unter der Wasseroberfläche aussieht, wissen wir nicht“.

Delmenhorster Interventionsmodell

Um die Gewalttaten in den eigenen vier Wänden zu reduzieren, arbeiten in Delmenhorst seit 2010 die beteiligten Institutionen Polizei, Jugendamt, Staatsanwaltschaft und Beratungsstellen sehr eng zusammen und haben ein eigenes Interventionsmodell ins Leben gerufen. „Durch dieses Modell bieten wir kurze Wege zur Unterstützung an. Außerdem wissen alle Beteiligten genau, was zu tun ist und vertrauen sich gegenseitig“, erklärt Borrmann und führt fort: „Wir versuchen, die gute, soziale Infrastruktur in Delmenhorst bestmöglich zu nutzen, und können uns glücklich schätzen, die komfortable Lage eines Frauenhauses zu besitzen.“

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Doch wie funktioniert das Modell eigentlich im Detail?

Die erste Kontaktmöglichkeit des Opfers ist die Polizei, die einen Notruf erhält und sofort mit einer Streife zur gemeldeten Wohnung fährt. „Dort angekommen, reden wir mit Täter sowie Opfer und besichtigen die Wohnung, um nach der verletzten Person und nach Kampfspuren zu schauen“, sagt Sabine Rautenberg von der Polizei Delmenhorst/Landkreis Oldenburg/Wesermarsch. Sollte sich der Verdacht der häuslichen Gewalt bestätigen, wird dem Täter ein Platzverweis ausgesprochen und der Wohnungsschlüssel entzogen.

„Kommt er kurze Zeit später doch wieder zurück, müssen wir ihn in Gewahrsam nehmen“, erzählt Rautenberg. Danach werden die anderen Einrichtungen durch die Polizei informiert. Der Staatsanwaltschaft wird – wenn nötig – eine Strafanzeige zugestellt, das Jugendamt wird informiert, sofern Kinder beteiligt sind und das „BISS“, eine Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, wird ebenfalls benachrichtigt. Am nächsten Tag werden die Beteiligten dann schließlich von der Polizei vernommen.

Sofern die Arbeit der Beamten erledigt ist, kommen drei andere Säulen des Modells ins Spiel: das BISS mit dem Blick auf die Opfer, das Jugendamt mit dem Blick auf die Kinder und das OLIP (Oldenburger Interventionsprojekt) mit dem Blick auf die Täter. „Nachdem wir die Telefonnummer von der Polizei erhalten haben, nehmen wir meistens telefonischen Kontakt zum Opfer auf und bieten ein Beratungsgespräch an“, erklärt BISS-Mitarbeiterin Christin Finger. In besonders schweren Fällen ist es dem BISS sogar möglich, dem Schläger ein Näherungsverbot auszusprechen und für die Frau eine Wohnungszuweisung zu beantragen. „Dann muss der Täter das Haus verlassen, damit die Frau nicht zu flüchten braucht“, betont Finger.

Beratungsstelle auch für Täter

Unterstützend und beratend steht auch das Jugendamt bereit, sofern eine Kindeswohlgefährdung bestehen könnte. „Bei späteren Einsätzen bekommen wir noch in der Nacht oder am nächsten Morgen Bescheid und nehmen dann sofort Kontakt mit der Mutter auf, um die Gesamtsituation zu erörtern“, erklärt Olaf Meyer-Helfers, Fachdienstleiter Allgemeiner Sozialer Dienst der Stadt.

Auch um die Täter kümmert sich eine Beratungsstelle. Die OLIP bietet ihnen an, sich mit ihrem Gewaltproblem auseinanderzusetzen. „Bei uns lernen sie, mit Schwierigkeiten anders umzugehen, als sie es bisher getan haben“, verrät Mitarbeiterin Veronika Hillenstedt. Das Projekt wird seit 2014 von der Stadt Delmenhorst gefördert und hat durch Einzelgespräche und Gruppentraining positive Erfahrungen gemacht. „Wir gehen davon aus, dass die Männer nach den 52 Beratungsstunden im Jahr ihr Verhalten ändern“, sagt Hillenstedt.

Am Ende der Modellkette steht die Staatsanwaltschaft, die sich mit dem Strafverfolgungsauftrag auseinandersetzt. Doch das gestaltet sich meistschwierig. Vor allem die Beweissicherung ist ein Problem. „Wenn die Vernehmung drei Tage später stattfindet, hat sich die Situation oftmals wieder entspannt und das Opfer möchte die Anzeige dann plötzlich nicht mehr durchziehen, weil es lieber Ruhe und Frieden sucht – das ist der Klassiker“, erzählt de Boer. „Aber auch wenn das Opfer nicht will, sind wir verpflichtet, einzuschreiten und zu ermitteln. In den meisten Fällen bleiben Täter und Opfer jedoch zusammen“, fügt er hinzu. Die Höchststrafe bei häuslicher Gewalt liegt bei einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Bei Tötungsdelikten droht lebenslang. Umstritten ist hingegen die Geldstrafe. „Es kam schon einmal vor, dass mich ein Opfer angerufen hat, und meinte, dass das ja eine tolle Sache ist, dass sie jetzt aus ihrer Haushaltskasse die Strafe für ihren Mann zahlen muss“, berichtet de Boer.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...