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Protest gegen B 212 neu in Delmenhorst
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Der Widerstand geht weiter

Andreas D. Becker 22.09.2019 0 Kommentare

Uwe Kroll erläuterte erneut, was die B 212 neu auf Delmenhorster Gebiet für Folgen haben wird.
Uwe Kroll erläuterte erneut, was die B 212 neu auf Delmenhorster Gebiet für Folgen haben wird. (Ingo Möllers)

Es ging dieses Mal um den Faktor Mensch, als Uwe Kroll noch einmal zusammenfasste, warum nun erneut die aus Sicht der allermeisten, also der Straßenbaubehörde, der Ganderkeseer, der Lemwerderaner und der übrigen Wesermarschler und nicht zuletzt der Bremer –; warum also aus Sicht all dieser Menschen die Südtrasse mit Teilanschluss für die Bundesstraße 212 neu, die sogenannte Variante 1B, die beste sein soll. Also jene Trasse, die Delmenhorst in Sandhausen zerschneiden würde. Also jene Trasse, gegen die sich die Delmenhorster seit Jahren wehren. Kroll betrachtete auf Einladung des SPD-Ortsvereins Bungerhof-Hasbergen Fragen wie Verkehrsmengen, die Lärmbelastung für die Delmenhorster oder auch die schiere Größe des Bauwerks.

Kroll, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) B 212-freies Deich- und Sandhausen, referierte die Resultate des ergebnisoffenen Variantenvergleichs, den der Geschäftsbereich Oldenburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf Druck des Verkehrsministeriums erstellen musste. Neun Varianten wurden angeschaut: die Südtrasse und zwei nördlich von Delmenhorst liegende Routen, bei allen drei wurde zudem überprüft, wie sie sich auswirken, wenn sie keinen Anschluss an die L 875 erhalten, nur eine Anbindung in Richtung Wesermarsch (Teilanschluss) beziehungsweise einen Vollanschluss.

Der Mensch im Mittelpunkt

Kroll also stellte den Menschen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Das ist insofern von Bedeutung, weil die Straßenbaubehörde in ihrer ausschlaggebenden Bewertungsmatrix, bei der die Auswirkungen auf Natur, Sicherheit, Gesundheit mit unterschiedlichen Gewichtungen gegenübergestellt betrachtet werden, dem Naturschutz viel Platz eingeräumt hat. „Besonderer Fokus lag bei dieser Betrachtung auf den verkehrlichen Effekten für die umliegenden Ortschaften und auf dem Einfluss auf streng geschützte Naturräume im Trassenbereich“, erläutert die Behörde auf der Projekt-Homepage. Der Natur-Fokus ergibt sich daraus, dass die B 212 neu auf Bremer Gebiet durch die Ochtumniederung führt, einem FFH-Schutzgebiet. Ein höherer Naturschutzstatus ist in Europa nicht möglich. Und die Nordtrassen durchschneiden diesen wertvollen Lebensraum für Vögel deutlich intensiver als die Südvariante.

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Vor dem Perino in Neuendeel, dort wo Kroll vortrug, werden künftig jeden Tag 11 700 Fahrzeuge langrollen, 4000 mehr als jetzt. So jedenfalls hat es das beauftragte Ingenieurbüro ausgerechnet. Aber die Zahlen gelten als ziemlich genau. In Deichhausen, also nördlich der Bundesstraße, wird sich die Zahl der Autos, Lastwagen und Motorräder verdoppeln. Die Fachleute gehen davon aus, dass das Wohnen in 19 Häusern im Stadtnorden zukünftig zu laut sein wird, um es noch gesund zu nennen, bei 16 ist das tagsüber der Fall, bei dreien nachts. „Am Marschweg, einem Bereich, in dem es sehr ruhig ist, werden künftig 50 Dezibel zu hören sein“, sagte Kroll. Für die neue Straße müssen zudem zwei Häuser abgerissen werden. Das alles ließe sich vermeiden, wenn eine „Verkehrsoptimierte Nordvariante“ gebaut würde, also eine der Nordstrecken nur mit einem Teilanschluss in die und aus der Wesermarsch. Aber diese Variante hätte eben viel stärkere Auswirkungen auf die Umwelt.

Woran sich die Delmenhorster auch gewöhnen werden müssen, sind die Ausmaße der Straße. Denn sie wird hoch gebaut werden. Dort, wo sie die Stedinger Landstraße kreuzen wird, wird sie eine Höhe von vier Metern und 55 Zentimetern haben. „Rechnet man noch die Lärmschutzwände dazu, sind wir bei sieben Metern“, erzählte Kroll. An die sieben Meter können sich die Delmenhorster aber schon während der Bauphase gewöhnen, sagte Kroll. Der Damm wird so hoch aufgeschüttet, dann kann er sich nach und nach setzen, wenn die Straße darauf gebaut wird. 30 Meter wird die Straße später einmal breit sein, während der Bauphase wird das Doppelte benötigt. „Die B 212 neu wird das Ortsbild nachhaltig verändern“, sagt Kroll. Delmenhorst ist übrigens die einzige Ortschaft auf der Strecke von Huntebrück bis ins Güterverkehrszentrum in Bremen, durch die die Straße direkt führt.

Gewichtungsverschiebungen

Kroll führte aus, dass ein Punkt, über den noch einmal diskutiert werden könnte, die Gewichtung der einzelnen Punkte in der Matrix ist. Die Auswirkungen auf den Menschen werden aktuell mit elf Prozent gewertet. „Würden wir den Faktor Mensch aber mit 30 Prozent betrachten und den Faktor für die Landwirtschaft von jetzt zehn auf 20 Prozent erhöhen“, sagte Kroll, „dann wären die Abstände zwischen der Süd- und den Nordvarianten nur noch minimal.“ Soll heißen: Dann gäbe es keinen Grund mehr, die Nordvarianten kategorisch auszuschließen. Allerdings verschiebt auch die Behörde die Gewichtungen in ihrer Matrix, um die Unterschiede zu berücksichtigen. Joachim Delfs, ehemaliger Chef der Straßenbehörde, erklärte das im Gespräch mit dem DELMENHORSTER KURIER einmal so: „Es gibt dazu das Instrument der sogenannten Sensitivitätsanalyse. Man kann damit so lange an den Gewichten drehen, bis sich die Reihenfolge der Ergebnisse umkehrt.“ Sollte an den Schrauben allerdings zu stark gedreht werden müssen, fehle irgendwann die Plausibilität.

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Auf der Versammlung machte auch der Landtagsabgeordnete Deniz Kurku (SPD) deutlich, dass er sich mit dem jetzigen Resultat nicht anfreunden kann und will. „Als Delmenhorster kann man das, was beim Dialogverfahren herausgekommen ist, nicht gutheißen“, sagte er. Er machte aber auch deutlich, dass er damit auf Widerstände in Hannover treffe, weil eben die Kollegen aus der Wesermarsch und dem Landkreis Oldenburg, die Ganderkeseer Interessen im Blick, durchaus mit der Variante leben können und endlich wollen, das gebaut wird.

„Was mir gar nicht gefällt, ist die Gewichtung“, sagte Kurku, der den zuständigen Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) deswegen auch angeschrieben hat. Die Antwort lässt aber wenig Hoffnung aufkommen, dass man in Hannover noch einmal die ganze Diskussion führen möchte. Das wird aus Althusmann Antwort deutlich: „Für eine Sensitivitätsbetrachtung des Ergebnisses wurden die Gewichtungen bei den Kriterien ‚Wohnbevölkerung‘, ‚Landwirtschaft‘ und ‚Kosten‘ sowie bei verschiedenen verkehrlichen Nutzenkomponenten variiert. Es zeigte sich, dass sich das Ergebnis dabei nicht ändert. Die Linienführung nach der Variante 1B ist auch hierbei die beste Trasse und somit als Vorzugslösung stabil.“

Susanne Niemeck vom NABU verwies darauf, dass mit Blick auf die Klimapolitik des Bundes auch hinterfragt werden müsse, welche Auswirkungen der Bau der B 212 neu habe. Zudem müssten Alternativen für andere Verkehre geprüft werden. Ein weiterer Teilnehmer fragte, welcher wirtschaftliche Schaden für die Wesermarsch durch den Nichtbau der Straße eingetreten sei. „Zum Aspekt wirtschaftliche Interessen der Wesermarsch haben wir noch nie Unterlagen mit Zahlen und Prognosen zu Gesicht bekommen. Mich würde interessieren, welche konkreten Entwicklungen durch den Bau der Straße erwartet werden, bisher gab es nichts als Floskeln“, sagte Martin Clausen von der IG. Kurku regte daraufhin an, dies einmal abzufragen: In einem gemeinsamen Schreiben an alle beteiligten Ministerien in Niedersachsen und Bremen.

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Leserkommentare
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
peteris am 21.10.2019 17:36
Der Erdteil Afrika ist so groß, da passt Europa zig mal rein.

Es fallen dort nicht überall den Menschen Bomben auf den Kopf. ...