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Wollepark in Delmenhorst
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Die Zeit wird knapp im Wollepark

Andreas D. Becker 24.01.2019 1 Kommentar

Hinter den Häusern Am Wollepark 11 und 12 ist mittlerweile eine wilde Müllkippe entstanden. Der Eigentümergemeinschaft fehlt aber das Geld, um den Unrat entsorgen zu lassen.
Hinter den Häusern Am Wollepark 11 und 12 ist mittlerweile eine wilde Müllkippe entstanden. Der Eigentümergemeinschaft fehlt aber das Geld, um den Unrat entsorgen zu lassen. (INGO MÖLLERS)

Nein, es gebe nichts Neues. Matthias Volkmer klingt am Anfang des Gesprächs leicht gereizt. Was verständlich ist, der Makler aus Bremen hat sich einer undankbaren Aufgabe angenommen. Er ist Sprecher der Eigentümer der 80 Wohnungen in den Blöcken Am Wollepark 11 und 12. Er ist angetreten, die beiden maroden Gebäude, in denen weit mehr Menschen als gemeldet unter teils unvorstellbaren Bedingungen hausten, in denen die Stadtwerke Delmenhorst im Frühjahr 2017 wegen unbezahlter Rechnungen zuerst das Gas und dann auch das Wasser abstellten, die von der Stadt zum 1. November 2017 geräumt und versiegelt wurden und den Stempel unbewohnbar aufgedrückt bekamen –; Volkmer also ist angetreten mit der Ansage, diese beiden Problemblöcke zu sanieren. Und dann fängt er doch an zu reden.

Denn untätig war er nicht. So gebe es einen Hausmeister, der zumindest ein Auge darauf werfe, dass sich der Zustand der Wohnungen nicht weiter verschlechtert. „Und wir haben das Objekt erneut gegen unbefugten Zutritt gesichert“, erzählt Volkmer. Nur: Auch dicke Schlösser werden immer wieder aufgebrochen, zudem gibt es Laubengänge, die von außen erklommen werden können. Das macht es nicht leichter. Und es gibt weiterhin ein massives Müllproblem, weil immer wieder Menschen unerlaubt ihren Sperrmüll hinter den Gebäuden am Delme-Ufer abladen. „Ich habe mich da an die Stadt gewandt, ob sie für uns eine Sperrmüllabfuhr organisieren kann. Das hat sie aber kategorisch abgelehnt“, sagt Volkmer. Er selbst hat nicht genügend Geld in der Eigentümerkasse, um permanent den Müll entsorgen zu lassen.

Wie schon seit Jahren ist das Problem das Geld. Die Eigentümer beteiligten sich schon vor dem Gas- und Wasserstopp der Stadtwerke nicht an den Gemeinschaftskosten. Das hat sich bislang nicht geändert. „Ich arbeite gerade an der Abrechnung 2017“, erzählt Volkmer. Dann weiß er, wie hoch die Außenstände der einzelnen Wohnungseigentümer sind. Danach will er sich daran machen, das Geld einzutreiben. Wie immer das auch gelingen soll, wenn es früher, als die Wohnungen noch vermietet waren, schon nicht geklappt hat. Aber aus der Gebäudesanierung kann aktuell nichts werden, „dafür zahlen einfach zu wenig Eigentümer“, erklärt Volkmer.

Was Oberbürgermeister Axel Jahnz jüngst so zusammenfasste: „Es ist bis zum heutigen Tage trotz vollmundiger Ankündigungen des Hausverwalters nichts passiert.“ Die Stadt zieht die Schlinge um die Blöcke 11 und 12 derweil immer enger und setzt ihre Ziele im Wolleparkquartier, wie berichtet, sehr konsequent um. Zur Erinnerung: Die Häuser Am Wollepark 1 bis 5 nebst Parkgarage wurden abgerissen, 1,5 Millionen hat das ungefähr gekostet. Zudem reißt die Stadt das Haus Westfalenstraße 8 ab, nachdem sie es einem Interimsbesitzer 2018 abgekauft hat. Nun hat sie jüngst politisch grünes Licht vom Verwaltungsausschuss bekommen, für 950 000 Euro die Häuser Am Wollepark 13 und 14 zu kaufen, die direkten Nachbargebäude der Häuser 11 und 12. Dort sollen nun die letzten Mieter bei ihrem Umzug begleitet werden, dann werden auch diese Gebäude verschwinden. Was mittelfristig auch das Ziel mit 11 und 12 ist. Jahnz sagte deswegen auch: „Vielleicht werden wir mal Eigentümer, wir sind interessiert.“

Die Stadt hatte den Besitzern der 80 Wohnungen bereits ein Kaufangebot gemacht, rund 5000 Euro sollten es pro Wohnung sein. Volkmer nennt das einen Spottpreis. Jahnz hält das für einen Toppreis, vor allem mit Blick darauf, dass die Wohnungen nun schon den zweiten Winter unbeheizt leer stehen, was in der Regel selten zur Wertsteigerung beiträgt. Zwischenzeitlich hat die Stadt ihr altes Kaufangebot zurückgezogen, ein neues gibt es noch nicht. Höher als zuletzt wird es unter Garantie nicht ausfallen. In der Vorwoche gab es verwaltungsintern eine Besprechung zu den Häusern, an der auch die Stadtwerke teilgenommen haben sollen. Doch auf Nachfrage gibt es mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Gespräche aus der Verwaltung keine Informationen zu dem Thema. Oberbürgermeister Jahnz sagt nur: „Wir werden auch an der Stelle durchgreifen, wie wir es in der Vergangenheit im Wollepark getan haben. Das Programm dort läuft auf Hochtouren weiter.“

Die Zeit indes läuft für die Stadt. Denn je länger die Gebäude nicht akkurat bewirtschaftet werden, desto schlechter wird ihr allgemeiner Zustand. Die Stadt benötigt jetzt also nur Geduld, um das zu machen, was sie an anderer Stelle auch schon getan hat: eine Abrissverfügung zu erwirken. Dann hätten die jetzigen Besitzer keine Chance mehr, die Häuser zu sanieren, sondern es kämen Kosten im sechsstelligen Bereich auf sie zu, um die beiden Gebäude abzureißen. Eine solche Abrissverfügung war es auch, die den Eigentümer des Blocks Westfalenstraße 8 schließlich in die Knie zwang, sodass er das Haus für mehr als 100 000 Euro weniger an die Stadt verkauft hat, als er selbst dafür in einer Zwangsversteigerung bezahlt hatte.

Und noch etwas spielt der Stadt in die Hände. „Im März wird es im Fachausschuss eine Anhörung zum Wohnraumschutzgesetz geben“, sagt der Delmenhorster Landtagsabgeordnete Deniz Kurku (SPD). Delmenhorst und der Wollepark sind ein maßgeblicher Grund, weshalb Niedersachsen ein Gesetz über den Schutz und die Erhaltung von Wohnraum erlassen will, nach Vorbild anderer Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen. Damit sollen Kommunen wirksame Werkzeuge an die Hand bekommen, wenn Wohnungseigentümer ihre Häuser verrotten lassen und Menschen dort in unwürdigen Bedingungen leben müssen. „Wir hoffen, dass dieses Gesetz noch im ersten Halbjahr beschlossen wird“, sagt Kurku. Dann verfügte die Stadt über ein noch wirksameres Instrument, um an die beiden Problemblöcke heranzukommen.


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Leserkommentare
calcetin am 21.10.2019 14:57
Der OTB war mal zukunftsträchtig, aber ich gebe ihnen Recht, inzwischen hat sich das alles erledigt.
supersuper am 21.10.2019 14:51
Böhmermann nervt; als Person und mit seiner langweiligen Sendung.