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Circus Belly in Delmenhorst
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Ein Affen-Zirkus

Andreas D. Becker und Esther Nöggerath 09.10.2019 0 Kommentare

Bei Karamellen werden beide schwach, Zirkusdirektor Klaus Köhler und auch Robby.
Bei Karamellen werden beide schwach, Zirkusdirektor Klaus Köhler und auch Robby. (Martina I. Meyer)

Robby schnauft und grunzt und tänzelt vor Freude, als Klaus Köhler kommt. Der Schimpanse ist gut drauf. Und gibt dann, nachdem Köhler ihn aufgefordert hat, den beiden Besuchern von der Presse ganz artig die Hand. Robby ist der wahrscheinlich bekannteste Menschenaffe Deutschlands, weil es um ihn viel Streit gab. Bis vor das Oberverwaltungsgericht Lüneburg zog die Affäre. Das letztlich entschied: Robby darf beim Circus Belly bleiben. Bei seiner Familie. Wenn Köhler von Robby erzählt, dann sagt er: „Robby ist eines meiner Kinder.“ Er reicht Robby eine Flasche mit Acht-Kräuter-Tee. Der Affe süffelt die Flasche rasch leer.

Robby wurde 1971 im Zoo Neuwied geboren, erzählt Köhler am geräumigen Esstisch in seinem Zirkuswagen. An der Wand hängen mehrere Fotos, Erinnerungen an die große Tradition der Familie Köhler. Der Chef selbst ist auf vielen Fotos zu sehen, mit einem Löwen, einem Alligator, seinen Pferden und Kamelen. Auf einem ist Bernhard Paul abgelichtet, Chef des Circus Roncalli – einem tierfreien Zirkus übrigens. „Und da“, sagt Köhler, steht auf und zeigt auf ein anderes Bild, „bin ich mit meiner Tochter.“ Eine Hochseilnummer, Köhler war auch selbst Artist. Das auffälligste Bild an der Wand zeigt aber Robby, eine beeindruckende Porträtaufnahme, daneben ein Kruzifix.

„Als Robby drei Jahre alt war, habe ich ihn bekommen“, erinnert sich Köhler. Seine Mutter habe keine Milch gehabt, sie stieß ihr Baby ab. Die Pfleger im Zoo zogen Robby mit der Hand auf. So war er an den Menschen gewöhnt. Und so wuchs er auch weiter auf, mitten im Kreise der Familie Köhler, Papa Klaus, Mama Waltraud und die sechs Kinder. „Robby hat hier mit uns am Tisch gesessen und mit den anderen Nutella-Brote gegessen.“ Und wie alle Köhlers arbeitete er schließlich im Zirkus mit, so wurde auch Robby Teil der Truppe. Alles war gut im kleinen Zirkus. Bis 2011 PETA auftauchte.

Die Tierrechtsorganisation setzt sich, wie sie es selbst schreibt, „für die Rettung des letzten Menschenaffen in einem deutschen Zirkus ein – mit dem Ziel, ihn in der spezialisierten Auffangstation AAP in den Niederlanden unterzubringen“. PETA geht es darum, dass Robby nicht artgerecht gehalten wird, dass ein Gehege mit gut 60 Quadratmetern viel zu klein ist, dass er nicht mit Artgenossen zusammenlebt, wie es bei Schimpansen in Zoos und in der freien Wildbahn üblich ist. 2015 schließlich bestätigte das Veterinäramt des zuständigen Landkreises Celle, dass Robbys Haltung nicht artgerecht ist, heutzutage nicht mehr genehmigt würde und verfügte schließlich, dass Robby in die Niederlande gebracht werden soll.

Köhler zog dagegen vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Lüneburg gab 2017 allerdings dem Amtsveterinär recht. Köhler zog in die nächsthöhere Instanz. Im Herbst 2018 urteilte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg, Robby darf bei Familie Köhler bleiben. Auch wenn Robby schwer verhaltensgestört sei. Doch ob eine Resozialisierung gelänge, nachdem Robby so viele Jahre wie ein Familienmitglied aufgewachsen sei, wäre fraglich. PETA bedauert dieses Urteil und fordert nun, dass Robby zumindest ein Gehege bekommt, wie es laut dem „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erforderlich wäre. PETA hat ausgerechnet, dass Robby demnach 400 Quadratmeter benötige.

Der Fachdienst Veterinär- und Ordnungswesen der Stadt Delmenhorst verweist bezüglich der PETA-Forderung darauf, dass Köhler über die entsprechende Erlaubnis zum Halten des Tieres verfüge, gebunden an Auflagen, die vom zuständigen Veterinäramt Celle erlassen worden seien. Für die Delmenhorster bedeute dies, dass sie nur darauf achten müssen, ob diese Auflagen auch eingehalten würden. „Der Fachdienst wird den Zirkus im Laufe der Woche dahingehend prüfen“, erklärt Maike Stürmer-Raudszus aus der Stadtverwaltung.

Köhler hat sich übrigens auch schon externe Expertise ins Haus geholt. Die Bremer Tierärztin Alexandra Dörnath, die in ihrer Praxis Klein Mexiko auf die Behandlung von Exoten, Zoo- und Wildtieren spezialisiert ist, hat Robby in einem Zeitraum von zehn Monaten 34 Tage und zwei Nächte beobachtet. Ihr Befund? Im Grunde gibt es keinen. Sie schreibt zwar, dass Robby „fehlgeprägt“ ist, was aber daran liege, dass er unter Menschen und nicht unter Schimpansen aufwuchs. „Eine Fehlprägung ist allerdings keine Verhaltensstörung“, betont die Veterinärin. Auch scheint sie bei ihrer Untersuchung nicht den Eindruck gewonnen zu haben, dass es Robby nicht gut gehe. Sie habe „einen sehr zahmen, tiefenentspannten, zutraulichen und für sein Alter klinisch gesunden, aber wohlgenährten Schimpansen kennengelernt“. Sie kommt zu dem Schluss, dass es ein brutales und tierschutzwidriges Experiment sei, Robby zu AAP umzusiedeln. Das würde „mit größter Wahrscheinlichkeit zum Tod des Affen“ führen.

Nach all dem Theater ist Köhler nicht besonders gut auf PETA zu sprechen. Er macht da keinen Hehl draus. „Die treten für die Rechte der Tiere ein, das sind also schon mal keine Tierschützer, das ist ein Bettelverein“, sagt Köhler. Solche Aktionen wie gegen ihn dienten allein dazu, die Portemonnaies vieler Bürger zu öffnen, um Spenden zu erhalten. „Die haben doch keinen, der Ahnung von Primaten hat.“ Er verweist auf einen Vorstoß der FDP, die PETA die Gemeinnützigkeit aberkennen will. Und er sagt, dass man unbedingt mal nach „PETA tötet Tiere in den USA“ im Internet suchen solle. „Ich habe die Schnauze gestrichen voll, ich bin ein Werbe-Opfer dieser Organisation.“

Robbys liebster Spielkamerad ist übrigens Ted. Der Hund verbringt täglich mehrere Stunden zusammen mit dem Schimpansen. Der Affe kümmert sich wie ein Herrchen um den Vierbeiner. „Jeden Tag beschäftigen wir uns allein vier Stunden mit Robby“, sagt Köhler, nimmt ein Karamellbonbon aus der Tasche, wickelt das goldene Papier ab und wirft sich die Süßigkeit in den Mund. Robby guckt – und will auch etwas abhaben. Diese Beschäftigung, dass mit ihnen gearbeitet werde, sei das Wichtigste für die Tiere, sagt Köhler. Das sei grundlegender als die Quadratmeterzahl eines Geheges. Und er erzählt, dass die Besucher und vor allem die Kinder besonders die Tiernummern immer noch sehr gern sehen. „So lange es Zirkus gibt, wird es auch Wildtiere im Zirkus geben. Und Zirkus wird es so lange geben, wie es Kinder gibt.“


Von diesem Donnerstag, 10. Oktober, bis einschließlich Sonntag, 13. Oktober, gastiert der Circus Belly auf einer Weide an der Straße "An der Schaftrift". Donnerstag und Freitag gibt es eine Aufführung um 17 Uhr, Sonnabend um 14 und um 18 Uhr, Sonntag noch eine letzte um 11 Uhr. „Zeitgemäße Dressuren, Artistik, Akrobatik und vor allem sehr gute Clowns sind die Säulen der Show“, heißt es in der Ankündigung.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...