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Amtsveterinärin in Delmenhorst
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"Erkrankungen in Kauf genommen"

Andreas D. Becker 27.02.2018 0 Kommentare

Wegen mangelhafter Kommunikation nach einer Rückrufaktion der Zur-Mühlen-Gruppe, zu der auch das Delmenhorster Könecke-Werk gehört, hat Foodwatch Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Amtsveterinärin eingereicht.
Wegen mangelhafter Kommunikation nach einer Rückrufaktion der Zur-Mühlen-Gruppe, zu der auch das Delmenhorster Könecke-Werk gehört, hat Foodwatch Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Amtsveterinärin eingereicht. (Tammo Ernst)

"Niedersächsische Behörden und Hersteller verschleiern Gesundheitsrisiken." Sagt zumindest die Nichtregierungsorganisation Foodwatch. Und deswegen hat sie Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde gegen Nicolin Niebuhr, die Leiterin des Fachdienstes Veterinär- und Ordnungswesen bei der Stadt Delmenhorst, erstattet. Grund ist eine Rückrufaktion von mehreren Hähnchenfleischprodukten der Firmen Güldenhof, Snack Time, Böklunder, Gutfried, Penny to go und Redlefsen, die alle Zur-Mühlen-Gruppe gehören. Hergestellt wurden sie laut Foodwatch in Delmenhorst. Fahrlässig seien "die Möglichkeiten schwerwiegender Erkrankungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Kauf genommen worden", heißt es in dem Beschwerdetext, der sowohl an Oberbürgermeister Axel Jahnz als auch an die niedersächsische Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Kinast ging.

"Per Gesetz sind Unternehmen dazu verpflichtet, im Falle eines Rückrufs genau und effektiv zu informieren. Das Unternehmen hat seine Pflicht entgegen der guten fachlichen Praxis sträflich vernachlässigt, weil die Kontrollbehörde es zuließ und nicht mit einer Anordnung nachhalf. Ein Rückruf aufgrund von gefährlichen Keimen, ohne dass die Menschen auch nur ein einziges Wort über die Gesundheitsrisiken erfahren – das ist unverantwortlich", erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Die Bakterien können die Infektionskrankheit Listeriose auslösen, insbesondere Schwangere, Säuglinge und immungeschwächte Menschen können von der oftmals schweren Krankheit, die in Einzelfällen auch immer wieder zum Tod führt, befallen werden. Dabei kommt es immer wieder zu Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen. Meist macht sich die Erkrankung innerhalb von 14 Tagen bemerkbar, Durchfall und Fieber sind typische Symptome. Bei Schwangeren können auch ungeborene Kinder geschädigt werden, ohne dass die Symptome auftreten.

In der Pressemitteilung der Zur-Mühlen-Gruppe am 29. Dezember des Vorjahres hieß es lediglich: "Verbraucher, die diese Produkte gekauft haben, werden gebeten, diese nicht zu verzehren." Eindeutig zu wenig in den Augen von Foodwatch-Chef Rücker. Und weil er sich wunderte, dass die Gefahren nicht genauer beschrieben werden, wandte er sich am 25. Januar direkt an Nicolin Niebuhr, die zuständige Amtsveterinärin der Stadt: "Weshalb haben Sie als nach meiner Kenntnis zuständige Lebensmittelüberwachungs- und Verbraucherschutzbehörde auf eine behördliche Anordnung verzichtet, mit der Sie das Unternehmen zu einer klaren Benennung der gesundheitlichen Risiken verpflichten?", lautete die zentrale Frage.

Ursache Übertragungsfehler

Am 31. Januar antwortete der Fachdienst 32 Verbraucherschutz und öffentliche Sicherheit ausweichend. Unter anderem hätte auf der staatlichen Internetseite www.lebensmittelwarnung.de, die von den 16 Bundesländern und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (VBL) betrieben wird, auf die Gefahren und Symptome hingewiesen werden sollen. Demnach sei dieser Hinweis lediglich aufgrund "eines Übertragungsfehlers" nicht eingestellt worden. Und: "Eine Ergänzung der Verbraucherwarnung ist bereits veranlasst worden." Mittlerweile sind diese Informationen auch online. Eingestellt werden sie auf der Internetseite übrigens vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), das in einer Mail vom 9. Februar gegenüber Foodwatch auch einräumte, die Informationen zu Symptomen und Gefahren, die das Delmenhorster Amt mitgesandt hatte, versehentlich nicht veröffentlicht zu haben.

Zentrale Frage unbeantwortet

Die zentrale Frage von Rücker, die er am 1. Februar erneut schriftlich stellte, warum nämlich die Behörde auf eine Anordnung auf die Gefahrenhinweise gegenüber der Zur-Mühlen-Gruppe verzichtete, blieb aber unbeantwortet. Laut dem von Foodwatch veröffentlichten Mailverkehr mit der Stadt gab es noch ein Telefonat am 9. Februar, das Rücker anschließend schriftlich unwidersprochen so zusammenfasste: "Sie hatten mir bestätigt, dass Sie meine E-Mail-Nachfrage vom 1. Februar erhalten haben, Sie diese aber bewusst unbeantwortet gelassen und auf eine Richtigstellung der zuvor von Ihnen gemachten falschen Angaben verzichtet haben."

Die Stadt wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern. Offenbar betrachtet man diese ganze Angelegenheit im zuständigen Fachbereich nicht als inhaltliche Geschichte, sondern nur auf Ebene der Dienstaufsichtsbeschwerde: "Es handelt sich immer noch um eine Personalangelegenheit in einem noch nicht abgeschlossenen Prüfverfahren. Deshalb keine Auskünfte in einem laufenden Verfahren“, teilte der für Gesundheit, Verbraucherschutz und und Gefahrenabwehr zuständige Fachbereichsleiter Arnold Eckardt auf Nachfrage mit. Auch das Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gab mit Verweis auf das laufende Verfahren auf Nachfrage keine näheren Auskünfte.

Die Foodwatch-Kritik an der Zur-Mühlen-Gruppe kann Markus Eicher, Sprecher von Hersteller Könecke, indes nicht teilen. "So zu tun, als hätten wir die Verbraucher nicht ausreichen gewarnt, ist nicht korrekt." So hätte es in der Presseinformation eigentlich ausgereicht, nur auf "mikrobiologische Verunreinigungen" hinzuweisen. Stattdessen wurde informiert, dass es sich um Listerien handelte. "Dann haben wir mit den Händlern Plakate in den Läden aufgehängt, die bis zum 18. Januar hingen. Und wir haben nicht nur die Behörden informiert, sondern auch die Medien, unter anderem über Nachrichtenagenturen, und mehrere Onlineplattformen", sagt Eicher.

Die Kunden sind laut Könecke über diese Wege auch gut erreicht worden. Das habe sich unter anderem an der Menge der zurückgegebenen Waren gezeigt, aber auch an der Zahl von rund 800 Anrufen bei der eigens geschalteten Hotline. "Das war wirklich eine extrem hohe Zahl an Anrufen. Die beiden häufigsten Fragen, die dort auftauchten, waren: Welche Risiken bedeuten Listerien? Und welche Symptome treten auf?" Zudem sei es nicht einfach gewesen, auch über Silvester die Erreichbarkeit sicherzustellen und die Hotline zu besetzen. "Wir haben uns also intensiv bemüht und breit informiert." Foodwatch trage jetzt eine Kampagne für eine neue gesetzliche Regelung auf dem Rücken von Könecke aus.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...