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Kita-Mangel in Delmenhorst
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Es fehlt an Zeit und Personal

Esther Nöggerath 19.09.2019 0 Kommentare

Auf Einladung des Stadtbezirksverbands Süd der CDU begrüßte dessen Vorsitzender Michael Adam (rechts) am Mittwochabend Gerd Galwas vom Fachbereich Familie, Senioren und Soziales zu einem Info-Abend über die aktuelle Kita-Situation in der Stadt.
Auf Einladung des Stadtbezirksverbands Süd der CDU begrüßte dessen Vorsitzender Michael Adam (rechts) am Mittwochabend Gerd Galwas vom Fachbereich Familie, Senioren und Soziales zu einem Info-Abend über die aktuelle Kita-Situation in der Stadt. (INGO MÖLLERS)

Um dem Mangel an Betreuungsplätzen für Unter-Sechsjährige in Delmenhorst entgegenzuwirken, will die Stadt bis 2024 jedes Jahr eine zusätzliche Kita bauen. Doch das Ziel ist extrem ambitioniert, wie am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung des CDU-Stadtbezirkverbands Süd noch einmal deutlich wurde. 2020 soll die Kita Moorkampstraße eröffnen, 2021 die Kita an der Schreberstraße, 2022 die Kita Wollepark, 2023 eine Kita in Stickgras und 2024 eine in Deichhorst – so der bisherige Plan. Doch mindestens die Kita im Wollepark wird wohl nicht rechtzeitig entstehen, jedenfalls nicht auf der Fläche an der Westfalenstraße, die die Politik für das Vorhaben favorisiert. „Wir sind da bereits auf der Suche nach einem alternativen Standort, der sich schneller realisieren lässt“, erklärte Gerd Galwas, Fachdienstleiter Kindertagesbetreuung in der Stadtverwaltung, den Zuhörern, unter denen sich auch zahlreiche Kita-Mitarbeiter befanden. Denn dann könnte man eine der anderen geplanten Kitas eventuell vorziehen und den Bau im Wollepark nach hinten verschieben, um im Zeitplan zu bleiben.

Ob das wirklich so umsetzbar ist, daran zweifelte der ein oder andere Besucher an dem Abend. „Ist das wirklich noch realisierbar?“, fragte etwa Pedro Benjamin Becerra nach. „Ich glaube, man sollte die Ziele im Auge behalten und gemeinsam daran arbeiten, dass wir sie tatsächlich auch umsetzen können“, antwortete Galwas. Eben genau deswegen wolle man jetzt auch frühzeitig reagieren, weil absehbar sei, dass der Kita-Neubau im Wollepark nicht wie geplant bis 2022 zu schaffen ist. „Wir sind da dran“, betonte der Fachdienstleiter.

Ein weiteres Problem dürfte aber nicht nur der eng kalkulierte Zeitplan sein, sondern auch die Frage nach dem Kita-Personal. Denn der bundesweite Mangel an Erziehern und sozialpädagogischen Assistenten wird sich voraussichtlich nicht so schnell beheben lassen. Und Delmenhorst braucht eine Menge Fachkräfte. Neben den neuen Kitas, die entsprechend bestückt werden müssen, kommen auch noch altersbedingte Wechsel in den bestehenden Einrichtungen hinzu. Bis 2022 müssen laut Galwas daher rund 80 bis 90 zusätzliche Erzieher und sozialpädagogische Assistenten in Delmenhorst eingestellt werden. Und das, obwohl kaum noch qualifizierte Bewerbungen eingehen.

„Früher habe ich bei einer Ausschreibung einen Postkorb voll an Rückmeldungen bekommen“, berichtete Galwas. Inzwischen kommen auf eine Stellenausschreibung zwei bis drei Bewerbungen. Wenn es gut laufe, sei eine Kraft darunter, die ausreichend qualifiziert ist. Das ist aber eher der Glücksfall. Manchmal müsse man auch jemanden einstellen, der noch wenig Erfahrungen hat, der dann in der Kita noch eng begleitet und gut angeleitet werden müsse.

Einige Maßnahmen hat die Stadt bereits angeleiert, um mehr Menschen zur Ausbildung als Erzieher oder sozialpädagogischer Assistent zu motivieren. So wurde etwa ein Taschengeld von 100 Euro pro Monat für die Auszubildenden, die ansonsten während ihrer zwei bis vierjährigen Lehrzeit gar kein Geld bekommen, in der Stadt eingeführt. An den Berufsbildenden Schulen (BBS) II wurden zusätzliche Angebote für angehende Erzieher geschaffen und außerdem ist inzwischen in so gut wie jeder Kita eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) eingerichtet worden, um jungen Menschen einen Einblick in den Beruf zu ermöglichen und ihnen diesen so schmackhaft zu machen.

Ausbildungsvergütung gefordert

Aber auch das wird wohl nicht reichen, um dem enormen Bedarf gerecht zu werden. „Wir brauchen einfach eine flächendeckende Ausbildungsvergütung“, bemerkte Galwas, der in der Angelegenheit insbesondere Bund und Land in der Pflicht sieht. Eine eigene Finanzierung durch die Stadt ist, bei der ohnehin meist schon angespannten Haushaltslage Delmenhorsts, eher unwahrscheinlich. „Wenn wir das selbst finanzieren würden, wären wir bei 180 Schülern bei 3,5 Millionen Euro pro Jahr“, erklärte Galwas.

Denn so viele Schüler sind derzeit an den BBS II, um Erzieher oder sozialpädagogischer Assistent zu werden. „Die bleiben aber auch nicht alle in Delmenhorst“, betonte Galwas. Und auch nicht alle jungen Menschen, die die Ausbildung beginnen, würden bis zum Ende durchhalten oder letztlich auch die Prüfung bestehen, ergänzte eine Erzieherin. Und selbst wenn sich die Schüler nach der Ausbildung für den Dienst in einer der Delmenhorster Einrichtungen entscheiden, ist das etwas anderes, als wenn jemand mit jahrelanger Erfahrung kommt. „Das sind blutjunge Kräfte, die eng begleitet und nachgeschult werden müssen“, erklärte etwa Sabine Fischer, die Leiterin der städtischen Kita Langenwisch.

Dazu kommt, dass auch die Anforderungen an die Kitas immer größer werden. „Kitas sind Bildungseinrichtungen, es geht nicht nur um Betreuung“, erklärte Galwas. Denn die Erzieher und sozialpädagogischen Assistenten haben einen pädagogischen Auftrag, außerdem müssen sie mit immer mehr beeinträchtigten oder auffälligen Kindern arbeiten und immer mehr Aufgaben erfüllen. Deswegen ist es auch nicht so einfach möglich, ungelernte Großeltern als Betreuungskräfte in den Kitas einzusetzen (wie einer der Gäste vorschlug) oder dass eine Gruppe von Eltern ohne Trägerschaft eine eigene Kita eröffnet, um dem Platzmangel entgegenzuwirken.

Denn auch derzeit warten noch immer Eltern auf einen Betreuungsplatz. Aktuell sind es laut Galwas um die 200 Kinder, denen im Moment kein Kindergartenplatz zur Verfügung gestellt werden kann, obwohl sie einen Anspruch darauf hätten. Geklagt hat deswegen bislang aber noch keiner in Delmenhorst.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...