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Geschäftsbericht aus Ganderkesee
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Ganz genau genommen

Annika Lütje 10.06.2019 0 Kommentare

In Maschinen werden die Werkzeuge geschliffen. Mithilfe von Öl wird das Werkstück von Spänen befreit und in der Maschine die richtige Temperatur gehalten.
In Maschinen werden die Werkzeuge geschliffen. Mithilfe von Öl wird das Werkstück von Spänen befreit und in der Maschine die richtige Temperatur gehalten. (fotos: Ingo Möllers)

„Wenn man bedenkt, dass es wirtschaftlicher ist, unsere Werkzeuge aus Mexiko oder den USA zu uns zur Reparatur zu schicken, statt neue zu kaufen, sieht man, in welcher Nische wir uns bewegen“, sagt Jeremy Bunting. Er ist der Geschäftsführer von Facet Precision Tool, und es ist wahrlich eine Nische, in der er sich mit seiner Firma eingerichtet hat. Die Präzisionswerkzeuge, die dort hergestellt werden, arbeiten so genau, lassen so wenig Toleranz zu, dass man genau genommen kaum von einer Nische sprechen kann.

Doch erst einmal bedarf es möglicherweise ein wenig Wissensauffrischung. Die Frage lautet: Was ist ein μ, also ein My? Es ist eine Maßeinheit, die so klein ist, dass man so winzige Dinge mit bloßem Auge nicht sehen, sich vielleicht nicht einmal vorstellen kann. Deshalb versucht es Bunting mit einer bildlichen Erklärung: „Man stelle sich eine Büroklammer vor. Ihr Draht ist 0,8 Millimeter dick. Ein Menschenhaar hat einen Durchmesser von 0,05 Millimeter, ein Spinnfaden von 0,006 Millimeter. Bei einem My beträgt er 0,001 Millimeter. Und in diesem Bereich bewegen wir uns mit unseren Werkzeugen.“

Er holt einen Kundenauftrag aus einer kleinen Kiste. Ein Bohrer wurde bestellt, der millimeterkleine Löcher bohren soll. Und er darf dabei um nur drei My von der angegebenen Größe abweichen. „Wir machen keine Standardwerkzeuge. Alles, was wir hier produzieren, machen wir auf Anfrage“, sagt Bunting.

Kommt ein neuer Auftrag rein, wird zunächst eine 3D-Zeichnung von dem Werkzeug erstellt. In verschiedenen Maschinen werden dann Vollhartmetallstücke zu Werkzeugen geschliffen. Später werden Stücke aus Polykristallinem Diamant (PKD) angefügt, der daraufhin geschliffen wird.

Immer wieder werden die Stücke aus den Maschinen herausgenommen und genau vermessen, dann weiter bearbeitet. „Es muss alles ganz genau sein. Wenn es das nicht ist und deshalb nicht richtig funktioniert, muss es ganz neu angefertigt werden. Wenn ich das fünfmal neu machen muss, verdiene ich kein Geld damit“, erklärt Bunting. Deshalb hat er ein Gerät, das weniger als ein My messen kann.

Jedes Produkt ist einzigartig

„Wir sagen oft, dass wir Künstler sind“, sagt Bunting, „weil hier eben jedes Produkt einzigartig ist.“ Die Kunden von Facet Precision Tool kommen aus der Luft- und Raumfahrt sowie dem Automobilbau, der Windenergie und Industrie. „In diesen Branchen, vor allem in der Luft- und Raumfahrt, wird sehr lösungsorientiert gearbeitet. Dort geht es immer wieder darum, wie man Probleme in der Herstellung lösen kann. Denn dort wird wenig standardisiert gearbeitet“, so Bunting.

Bezüglich seines Kundenstammes sei Ganderkesee als Firmensitz ideal, da seine Kunden in der Nähe sind. Dabei wusste Bunting wahrscheinlich sehr lange nicht einmal, wo man auf der Landkarte nach Ganderkesee suchen müsste. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah in den USA. Nach seinem Studium des Maschinenbaus und seinem Master of Business Administration arbeitete er unter anderem in einem Mercedes-Werk in Alabama. Dort lernte er seine Frau kennen. „Sie wollte irgendwann unbedingt zurück nach Deutschland. Und so sind wir nach etlichen Umzügen 2011 in Ganderkesee gelandet“, erzählt der Firmenchef.

Sein Vater, John Bunting, war 30 Jahre lang in der gleichen Branche tätig, hatte auch eine eigene Firma. „Bei ihm habe ich das Schleifen gelernt“, sagt sein Sohn Jeremy. Bis 2014 war er in Delmenhorst Geschäftsführer des europäischen Sitzes der väterlichen Firma. Doch diese wurde verkauft und die Rahmenbedingungen stimmten für ihn nicht mehr – „da habe ich mich 2014 selbstständig gemacht“.

Probleme zu lösen, fasziniert Bunting. „Sonderanfertigungen sind einfach interessanter als Katalogware. Natürlich haben wir auch ein Alltagsgeschäft. Aber die Suche nach Lösungen ist das Spannende“, sagt er.

Knapp zehn Mitarbeiter sind inzwischen in der Firma tätig. Er stellt gerne Zerspanungstechniker oder Schneidewerkzeugmechaniker ein, die er dann selbst umschulen und weiterbilden lässt. „Wir haben gerade eine ziemlich gute Wachstumskurve“, sagt Bunting. Das war bei der Firmengründung nicht abzusehen: „Da habe ich mit null Kunden die Maschinen gekauft. In der Zeit habe ich nicht so gut geschlafen.“

Die Schlafprobleme dürften sich gelegt haben. Mit der Produktion seiner Präzisionswerkzeuge hatte Bunting einen guten Riecher. Denn: „Es gibt relativ viele Firmen, die Vollhartwerkzeuge herstellen. Aber es gibt vielleicht 20 Firmen, die das richtig gut mit PKD machen. Dafür braucht man spezielle Maschinen und viel Know-how.“

Und so haben seine Kunden ihren Sitz unter anderem in ganz Deutschland, Italien, Spanien, Mexiko und Frankreich. „Manche verkaufen unsere Werkzeuge auch weiter. Deshalb gibt es sie auch in China, Schweden oder Ungarn.“ Und manchmal kommen sie auch zur Reparatur nach Ganderkesee zurück.


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Leserkommentare
Wesersteel am 19.10.2019 12:05
Da hat man sich genau den Richtigen zum Gespräch rausgesucht,denn der Hering ist ein Arbeitgeber-Betriebsrat !
Bremen99 am 19.10.2019 12:01
Na das passt ja hervorragend: 70 Jahre SPD-Regierung in Bremerhaven steht dann für "Ruinen schaffen ohne Waffen".

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