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Geschäftsbericht aus Ganderkesee
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Gegen den schnellen Verfall

Annika Lütje 17.09.2019 0 Kommentare

Die Mitarbeiter Rouf Butt (rechts) und Mohammed Shahbaz sammeln fertig verzinkte Fensterbeschläge für die nächsten Arbeitsschritte zusammen.
Die Mitarbeiter Rouf Butt (rechts) und Mohammed Shahbaz sammeln fertig verzinkte Fensterbeschläge für die nächsten Arbeitsschritte zusammen. (Fotos: Sebi Berens)

Thomas Schmalriede legt einen Bremskraftverstärker vor sich auf den Tisch im Konferenzraum seiner Firma. Daneben platziert er ein Gurtrollergehäuse. Und dann nimmt er noch ein Control Arm Housing, ein Teil einer Autolenkung, in die Hand. „Das sind alles Teile, bei denen es um Sicherheit geht. Wenn die korrodieren, funktionieren sie nicht mehr. Das sorgt dann für ganz schöne Aufregung“, sagt er. Was er so lapidar daher sagt, ist sehr ernst gemeint. Wenn der Gurt bei einem Autounfall nicht greift, kann das tödlich enden. Und die Firma Schmalriede-Zink aus Ganderkesee sorgt dafür, dass das nicht passiert.

Teile aus der Automobilbranche, Fensterbeschläge, Maschinenbauteile – diese Dinge werden bei Schmalriede vor dem schnellen Verfall geschützt. Vor dem sehr schnellen Verfall, wie der technische Direktor Patrik Schmalriede betont. Er steht in einer langen Halle. Verschiedenste Metallteile hängen an Gittern, an denen sie dann in verschiedene Flüssigkeiten gesenkt werden.

„Wenn die Teile hier ankommen und dort aufgehängt werden, sind sie so empfindlich, dass sie ohne Korrosionsschutz in kürzester Zeit zu rosten beginnen würden“, sagt er, und erklärt weiter: „Zuerst kommen sie in die Heißentfettung, um das Produktionsöl herunter zu bekommen. Das ist vereinfacht gesagt wie Händewaschen. Dann werden die Teile gebeizt, um den Rost und Zunder zu beseitigen. Dann folgen einige Spülprozesse, und schließlich kommen die Teile ins Zinkbad. Zu guter Letzt werden sie passiviert und versiegelt. Jeder Schritt verzögert den Rostprozess.“ Der Unterschied wird sichtbar, als ein Mitarbeiter zwei Metallkörbe mit Stützfüßen herbei rollt. In einem Korb liegen die noch unbearbeiteten, dunklen Bauteile, in dem anderen liegen die silbrig glänzenden, verzinkten Pendants.

Zu ihrem Leistungsspektrum zählt die Schmalriede-Zink neben der Verzinkung auch Zink-Eisen-Legierungen, Zink-Nickel-Legierungen, Zinkphosphatierungen, Zinkdruckgussveredelungen, Verkupferungen, Verzinnungen, Versilberungen und verschiedene Beschichtungen. Das Besondere: „Bei uns bekommt man alles aus einer Hand“, sagt Patrik Schmalriede. Empfindliche Teile werden am Gestell bearbeitet, unempfindlichere und kleinere Teile in einer Trommel. Letztere können dann auch gleich vor Ort montiert und verpackt werden. „Das spart dem Kunden einen Zwischenschritt, weil er die Teile nicht erst wieder von uns zurück bekommt“, so der technische Direktor.

Sein Vater, Thomas Schmalriede stammt eigentlich aus dem Ammerland. Für die Firma siedelte er nach Ganderkesee um. „Ich habe in Bremerhaven Verfahrenstechnik studiert. Mein Bruder übernahm 1983 die Norddeutsche Hartchrom GmbH hier in Ganderkesee“, erzählt der 60-Jährige. „Nach dem Studium dachte ich mir: 'Wenn mein Bruder Verschleißschutz macht, mache ich Korrosionsschutz.'“ Und so gründete er neben der Firma seines Bruders die Schmalriede-Zink GmbH.

Auf der grünen Wiese ist Schmalriede in erster Generation und als alleiniger Gesellschafter gestartet. „Ich habe eine Halle errichtet und mit der galvanischen Verzinkung mit Handveredelung begonnen. Seitdem wurde das Unternehmen sukzessive erweitert“, berichtet er. Die Firma ist also ein hundertprozentiges Familienunternehmen – „und das bleibt es auch“, so Schmalriede senior. Denn seine beiden Söhne Patrik und der kaufmännische Direktor Tobias stehen für die Nachfolge bereits in den Startlöchern.

Patrik ist seit einem Jahr im Familienunternehmen. „Ich habe mit einer Ausbildung zum Galvaniseur begonnen – ich habe also von der Pike auf gelernt, was wir hier machen“, sagt er. Mit seinem Bruder Tobias, der schon ein halbes Jahr länger dabei ist, will er in die väterlichen Fußstapfen treten, ist aber froh, dass er sich noch auf seinen Vater berufen kann: „Er hat über 30 Jahre Erfahrung. Die Tipps, die er uns geben kann, findet man in keinem Buch.“ Der Senior freut sich, dass die Nachfolge gesichert ist, will aber noch eine Weile aktiv im Unternehmen bleiben: „So alt bin ich ja auch noch nicht. Ich mache nach wie vor den Vertrieb und betreue Kunden, die ich vor 32 Jahren akquiriert habe.“

Von fünf Mitarbeitern auf 120

Mit fünf Mitarbeitern ist die Firma gestartet, inzwischen sind es 120. „Von den ersten fünf sind aber noch drei dabei“, sagt Thomas Schmalriede. Mit insgesamt zwölf Auszubildenden soll der Fachkräftemangel bekämpft werden. Und in die Azubis wird auch investiert, wie Patrik Schmalriede betont: „Jeder Lehrling bekommt alle zwei Wochen Unterricht von einem Privatlehrer – parallel zur Berufsschule. Der Stoff ist inzwischen so umfangreich, dass wir die Auszubildenden möglichst gut auf die Prüfungen vorbereiten wollen.“

Denn mit dem Betrieb soll es voran gehen. Auf dem Firmengelände entsteht zurzeit ein Hallenneubau mit einer Fläche von 2400 Quadratmetern. Sie soll künftig als Lager sowie für die Verpackung und Kommissionierung dienen. „Wir wollen mehr Internationalisierung, auch in Übersee mehr machen, und erweiterte Dienstleistungen anbieten“, sagt Patrik Schmalriede, „damit wir für unsere Kunden attraktiv bleiben.“ Dazu gehöre es auch, immer die nötigen und aktuellen Zertifizierungen vornehmen zu lassen. „Das ist wichtig, um prozesssicher zu arbeiten und das auch nach außen zu signalisieren“, fügt er hinzu.

Auch der Umweltschutz spiele da eine große Rolle. „Man muss mit wenig Zink viel Korrosionsschutz erreichen“, sagt Thomas Schmalriede. „Die Rohstoffe auf der Erde werden ja nicht mehr. Deshalb muss man die Wertschätzungskette so weit wie möglich verlängern“, ergänzt er. Allerdings fügt er hinzu: „Unsere Branche ist alternativlos. Auch die neuen Faserverbundbauteile müssen teilweise beschichtet werden. Wenn man beispielsweise für ein Auto Bauteile nimmt, die nicht beschichtet werden müssen, wäre das so teuer, dass sich kein normaler Mensch mehr ein Auto leisten könnte.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...