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Geschäftsbericht aus Delmenhorst
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Immer etwas Kettenöl unter den Nägeln

Annika Lütje 15.04.2019 0 Kommentare

Trotz seines fortgeschrittenen Alters schraubt Mitarbeiter Uwe Müller noch unermüdlich in der Werkstatt an den Fahrrädern herum.
Trotz seines fortgeschrittenen Alters schraubt Mitarbeiter Uwe Müller noch unermüdlich in der Werkstatt an den Fahrrädern herum. (Janina Rahn)

In Olaf Kehlenbecks Laden fühlt man sich zurzeit ein wenig wie im Berufsverkehr auf Kopenhagens Radstraßen: Ähnlich wie das stete Ding-Dong der Fahrradklingeln geht auch hier dauernd die Türglocke und kündigt den nächsten Kunden an. Kein Wunder: Der Frühling beginnt, das Wetter wird immer sonniger und die Sonne wärmt nicht nur die Gemüter. Für alle Fahrradfahrer beginnt nun die Hochsaison – also auch bei Zweirad Kehlenbeck.

Obwohl: Eigentlich herrschte in dem Fahrradladen schon in den Wintermonaten Hochbetrieb. Seitdem steht der Hinterhof voll mit lauter Fahrrädern, die mindestens auf eine Inspektion warten. „Die Kunden hatten wohl den vergangenen Sommer im Hinterkopf und dachten, dass es ab März so weitergeht. Viele wollten vorbereitet sein, um dann direkt losfahren zu können“, erzählt Kehlenbeck.

Er und seine Frau sowie seine vier Mitarbeiter haben also alle Hände voll zu tun. Aber nicht nur wegen des nun anbrechenden Frühlings. „Immerhin ist das Fahrrad generell das Verkehrsmittel der Zukunft. Immer mehr Menschen werden umweltbewusster und wollen sich entsprechend fortbewegen“, berichtet Kehlenbeck.

Sein Geschäft hat allerdings nicht nur Zukunft, sondern auch viel Vergangenheit. Vater Friedrich Kehlenbeck hatte es 1954 gegründet. „Zwar gleich an der Oldenburger Straße, aber anfangs noch gegenüber der Westfalen-Tankstelle. Erst 1976 ist der Laden umgezogen“, erzählt der Sohn. Gemietet wurden nur das Geschäft und die Werkstatt. Doch nachdem Kehlenbeck junior es im Jahr 2004 von seinem Vater übernahm, kaufte er vier Jahre später das ganze Haus und sanierte es. Nun wohnt er oben mit seiner Frau Kerstin und seinen zwei Kindern. Unten wird weiterhin beraten, verkauft und repariert.

„Meine Eltern hatten es mir immer freigestellt, ob ich den Laden mal übernehme oder nicht“, erzählt Kehlenbeck. Aber er hat schon seit seiner Kindheit Kettenöl unter den Fingernägeln, denn schon als Junge schraubte er in der Werkstatt seines Vaters mit. Die Entscheidung fiel ihm nach einer Mechanikerausbildung also nicht schwer. „Natürlich ist es ein großer Schritt, sich selbstständig zu machen. Und das ist auch ein harter Job, aber durch die Werkstatthilfen habe ich ja auch Entlastung“, sagt Kehlenbeck.

An den Grundprinzipien seines Vaters hält Kehlenbeck fest, wie er sagt: „Das sind eine gute Beratung, vernünftige Reparaturen und anständige Preise.“ Ansonsten musste das Geschäft aber erst einmal verjüngt werden, als der Sohn es übernahm. „Die Zeiten haben sich eben geändert“, sagt er, und weiter: „Wir haben ein größeres Programm für jüngere Leute. Von Mountainbikes über Smartphonehalter bis zu reichlich Zubehör. Viele möchten ein Fahrrad haben, das der Nachbar nicht hat.“

Und dann ist da ja auch noch der Trend – „Nein, das ist ein regelrechter Boom!“, wendet Kehlenbeck ein – der E-Bikes und Pedelecs. „Die werden nicht nur von älteren Menschen gekauft. Es kommen erstaunlich viele Kunden, die in den 40ern sind und sich ein E-Bike aussuchen. Nur legen viele von ihnen wiederum großen Wert darauf, dass man das dem Fahrrad nicht ansieht“, schmunzelt Kehlenbeck. Trotzdem: Mit einem kleinen Hilfsmotor fährt es sich nun mal deutlich leichter zur Arbeit, und dahin geht laut Kehlenbeck der Trend. „Die Leute wollen einfach etwas für sich tun. Auch die Nachfrage nach XXL-Rädern für schwere Menschen ist enorm gestiegen“, sagt er.

Olaf Kehlenbeck hat also jede Menge zu tun. Unterstützt wird er von seiner Frau und vier Mitarbeitern. „Das sind Rentner, die hier einen Mini-Job machen“, erzählt der Chef. „Sie sind noch fit und wollen etwas tun. Einer von ihnen, Uwe Müller, geht schon auf die 80 zu und arbeitet seit fast zwölf Jahren hier. Aber aufhören will er so schnell nicht“, ergänzt er.

Das ist auch gut so, denn in Sachen Verjüngung hat Kehlenbeck schon zwei neue Geschäftsfelder und somit mehr Arbeit auf dem Zettel. Zum einen ist da der geplante Schlüsseldienst. „Wie schnell ist ein Fahrradschlüssel verloren. Den kann man sich dann hier schnell nachmachen lassen. Und wenn wir schon dabei sind, können wir auch direkt andere Schlüssel mit anbieten“, erklärt er.

Die andere Neuerung hängt schon draußen an der Hauswand: Drei „Schlauch-o-maten“. So heißen die Fahrradschlauchautomaten von der Firma Schwalbe, die Kehlenbeck installiert hat. „Manchmal steht man ja förmlich auf dem Schlauch. Dann hat man einen Platten und es ist ausgerechnet Sonntag oder Nacht. Dann kann man einfach herkommen und sich am Automaten einen Schlauch ziehen“, erklärt Kehlenbeck das Prinzip. Zwar funktionieren die ausrangierten Zigarettenautomaten nur mit Kleingeld, aber dafür bekommt man dort nicht nur alle möglichen Fahrradschläuche, sondern auch speziellere für Rennräder, Kinderwagen, Bollerwagen und mehr. Damit es ungehindert auf zwei (oder vier) Rädern durch den Frühling und den Sommer gehen kann.


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Leserkommentare
gorgon1 am 23.10.2019 14:15
Absolut mein Meinung. !!!
Beste Grüße
gorgon1 am 23.10.2019 14:10
Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander :-). Okay, deshalb freuen wir uns auch so über "unseren" Hofladen. Heißt übrigens 'Stackkamp'. So, ...