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Robert Kreis in Delmenhorst
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In Delmenhorst grassiert ein Holländer

Johannes Mitternacht 21.01.2019 0 Kommentare

Robert Kreis ist ein Stammgast in Delmenhorst. Nun spielte er
Robert Kreis ist ein Stammgast in Delmenhorst. Nun spielte er "Der Wendekreis". In dem Programm beschäftigt er sich mit der Weimarer Republik. (INGO MÖLLERS)

Delmenhorst. Nicht zum ersten Mal gastierte Robert Kreis in „der Weltmetropole Delmenhorst“. Und so fühlte sich der Grandseigneur des musikalischen Kabaretts auch am Sonntagabend im Kleinen Haus wieder heimisch. Seit mehr als 45 Jahren ist der niederländische Kabarettist, Pianist und Entertainer auf den Bühnen Europas und der Welt zu Hause, hat insgesamt 7500 Auftritte absolviert. „Ich bin ja auch ein bisschen älter geworden, am 10. Mai werde ich 35, stellt euch vor –  in Euro! Habt ihr's?“ Zwar kämen die Tapeten langsam von der Wand, aber: „Wenn auch auf den Bergen schon Schnee liegt, ist im Tal immer noch Frühling!“ Wichtig sei, sich immer wieder gesund zu lachen. Diesem Anspruch wurde Robert Kreis gerecht und löste im Kleinen Haus den ganzen Abend einen Heiterkeitssturm nach dem anderen bei seinem vorwiegend älteren Publikum aus.

„Der harte Kern ist da“, witzelte er angesichts einiger leerer Stuhlreihen, die ihn an seine Anfänge am 14. Juli 1973 erinnerten, „in Amsterdam in einem Jugendstiltheater, so ein bisschen wie hier“, wo er auf 820 nahezu „leere, plüsche Stühle“ starrte und dann kurzerhand die damals neunzehn Zuschauer mit auf die Bühne nahm. Dagegen seien ja heute immerhin „zweihundert Fischköppe und ein Käsekopp“ im Kleinen Haus zusammengekommen. Getragen von diesem lockeren Plauderton erlebten die bereits vorab launig und gut gestimmten Zuschauer einen runden, zweistündigen charmanten Abend voller Ironie und Selbstironie. Der Kabarettist der alten Schule wechselte dabei gekonnt und ebenso launig aufgelegt wie sein Publikum zwischen klassischen Couplets und kabarettistischen Conferencen, Albernheiten und Galgenhumor und reicherte das Ganze zudem mit vielen Anekdoten aus seinem Leben an.

Im Mittelpunkt seines Programms „Der Wendekreis“ aber stand natürlich die Weimarer Zeit, seine große Leidenschaft, „eine heute wieder sehr aktuelle Zeit“, findet Kreis. „Wir tanzen wieder wie damals auf dem berüchtigten Vulkan: der Einsturz der Banken, der Absturz der Aktien, horrende Geldverluste, Insolvenzen, Weltfinanzkrise.“ So entführte Robert Kreis sein Publikum musikalisch und erzählend in das Berlin der Zwanzigerjahre, pikant und frivol, witzig und heiter, erinnerte dabei aber immer wieder daran, dass es zu 70 Prozent jüdische Künstler waren, die Berlin damals zur Weltmetropole gemacht haben, „die hatten einen famosen Humor“ und „ein Mann mit so einem kleinen Schnurrbart hat alles verpestet“.

Kreis sang Couplets wie Willi Rosens „Miese Zeiten“ von 1929 oder „Hast du schon Berlin bei Nacht gesehen?“, stimmte „Das fürchterliche Lied“ von Fritz Gruenbaum an, das in den Zeilen gipfelt: „Beim ersten Tod war bös sie, beim zweiten war nervös sie, beim Dritten ließ sie scheiden sich – das Lied ist fürchterlich!“ Zum „Halbfinale“ vor der Pause brachte Kreis dann seinen berühmten Lachfoxtrott, bei dem er das Publikum schließlich einlud, den Refrain mitzulachen. Im Takt natürlich: „Schämen Sie sich nicht! Entklemmen Sie sich, bitte! Sie brauchen nur kurz einzuatmen, Atem festhalten mit dem Zwerchfell – Zwerchfell: auf Lateinisch übersetzt Diaphragma“ – (kreischendes Gelächter in der ohnhin auffallend heiterkeitsstarken rechten Hälfte des Zuschauerraums) – „und langsam mit dem Diaphragma ausatmen, Luft holen und dann im Takt lachen, ja?!“ Dem folgten alle bedingungslos – und es blieb kein Auge trocken.

Nach der Pause steigerte Robert Kreis noch mal die Dichte und Qualität seiner Pointen, hatte sich auch extra „noch mal schön gemacht“ und seine elegante Kombination aus dem ersten Teil mit einem eng anliegenden Smoking getauscht: „Im Alter muss man sich anziehen statt ausziehen.“ Auch verriet er, dass er ein großer Trödel-Fan ist. „Wenn ich nicht auf der Bühne bin, dann bin ich auf Trödelmärkten oder in An- und Verkauf-Geschäften. Ich hab da auch schon einen speziellen Namen; wenn sie mich sehen, dann sagen sie immer: O Gott, da ist er schon wieder, das Trüffelschwein!“ Zum Beweis seiner Sammelleidenschaft hatte er alte Schellack-Platten dabei und Zeitschriften der Weimarer Republik, also aus den Zwanzigern, die ihm als Ausgangspunkt dienten, seine zahlreichen Geschichten und Witze daraus vorzutragen und auszuschmücken.

Seinen ersten Auftritt in Deutschland hatte Robert Kreis 1979 in München auf einer Gala, unter anderem mit Konstantin Wecker. Karl Förster, damals gefürchteter Kritiker der Süddeutschen Zeitung, schrieb drei Zeilen über ihn, „die musste man mit der Lupe suchen“. Sie hatten es allerdings in sich: „Achtung! Achtung! Bei uns in München grassiert ein Holländer. Sein Name: Robert Kreis. Fazit: Nichts wie hin!“ Dem ist eigentlich bis heute nichts hinzuzufügen.


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Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 12:13
Kommentar schreiben?

Was soll man über dieses Affentheater noch schreiben?
suziwolf am 23.10.2019 12:00
@lterwaller ...

Die ,autofreie Innenstadt‘ ist nur mit
zusätzlichen Brücken über die Weser zu haben.

Wird sich ...