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Josef-Hospital führt Patientenakte auf dem Handy ein

Andreas D. Becker 20.02.2019 0 Kommentare

Noch am Krankenbett kann Krankenpflegerin Sonja Wegmann per Smartphone dokumentieren, was sie mit den Patienten gemacht hat. Das spart Zeit für Papierkram. Und soll Zeit für Patienten freischaufeln.
Noch am Krankenbett kann Krankenpflegerin Sonja Wegmann per Smartphone dokumentieren, was sie mit den Patienten gemacht hat. Das spart Zeit für Papierkram. Und soll Zeit für Patienten freischaufeln. (INGO MÖLLERS)

30 Minuten weniger. Pro Schicht. Pro Pflegekraft. Timo Greiner klingt wie ein Verkaufschef, wie ein Mann der nackten Zahlen und der Einsparpotenziale, wenn er zusammenfasst, weshalb diese Idee mit den Handys im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) so gut ist. Weil sie eben viel Arbeitszeit einspart. Dabei ist Greiner ein Mann der Fürsorge, ein Kümmerer und Helfer. Er ist Krankenpfleger, er leitet Station 40 im JHD, viele junge Kollegen, viele sehr kranke, sehr pflegebedürftige Patienten. Und was im ersten Moment so klingt, als passte es nicht zusammen, die Effizienz und die Pflege, funktioniert perfekt. Effizienz soll vor allem eins bedeuten: Zeit für mehr Pflege.

Krankenakten auf dem Smartphone, das ist es, was Greiner so gefällt. Das Programm, eine App, heißt Ida.care, ausgedacht hat sie sich ein junges Düsseldorfer Unternehmen namens KDD Digital Healthcare. Deren Chef, Arne Greiner, „nicht verwandt und verschwägert mit Timo“, erklärt, worum es geht: „Wir haben überlegt, wie wir für die Pflegekräfte im Krankenhaus den Schmerz mit der Dokumentation lindern können.“ Das ist mittlerweile Krankenhausalltag in Deutschland: 28 bis 30 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Pflegekräfte damit, Akten zu führen, in der Regel sind es riesige Leporellos mit zig Spalten und Reihen, mit Feldern zum Ankreuzen und größeren Freiräumen für handschriftliche Anmerkungen. Unhandlich, unübersichtlich – und ganz oft nicht dort, wo sie liegen sollten. Weil sich beispielsweise ein Arzt die Akte geschnappt hat, um mit ihr zu arbeiten. Suchen ist ein Zeitfresser.

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Das alles soll sich nun ändern. Zwei Stationen im JHD, neben der 40 noch die 31, haben Ida.care getestet. Es lief so gut, dass nun die nächsten zwei Stationen umstellen sollen. Und dann die nächsten. Bis im Sommer alle Bereiche aufgeschaltet sind. „Wir werden mit Dokumentationspflichten überhäuft“, sagt Florian Friedel, Geschäftsführer des JHD. „Wir mussten einen Weg finden, unsere Pflegekräfte zu entlasten.“ Dabei war es ihm wichtig, auf Smartphones zu setzen. Weil die so klein sind, dass sie jeder Mitarbeiter während seiner Schicht in der Tasche bei sich tragen kann, anders als ein Tablet, anders als die auf Wagen installierten Laptops und ganz anders als diese riesigen Akten. „Das ist wirklich mobil“, sagt Arne Greiner. Doch bislang gab es diese Lösung mit den kleinen Endgeräten nicht im großen Stil. Das JHD leistet also gerade Pionierarbeit. „Wir sind das zweite Krankenhaus in Niedersachsen, das diese Technik einführt“, erzählt Friedel. Nummer eins war das Klinikum Hann. Münden. Das Haus, in dem Friedel Chef war, bevor er nach Delmenhorst kam.

Aus Sicht des Geschäftsführers soll sich das neue System mehrfach auszahlen. Zum einen sind Effizienzgewinne im Alltag von großer Bedeutung, weil es ein wesentlicher Faktor ist, wenn Pflege mehr Zeit mit Patienten verbringen kann. Das wiederum könnte dafür sorgen, dass Patienten besser über das JHD sprechen und sich wieder mehr Menschen im JHD behandeln lassen wollen. Zum anderen soll es im Wettbewerb um die raren Pflegekräfte selbst ein Vorteil werden. Wer sich aussuchen kann, wo er arbeitet, wählt vielleicht einen Arbeitgeber, der nicht nur nach Tarif im öffentlichen Dienst bezahlt, sondern der bald ein neues Krankenhaus baut und coole Arbeitsbedingungen bietet. Das aktuelle Invest von 30 000 bis 40 000 Euro ist da wahrscheinlich gut angelegtes Geld.

Für Friedel ein weiteres Plus von Ida.care: „Wir kaufen keine fertige Lösung, die wir dem Haus überstülpen.“ Stattdessen ist das KDD-Team ins JHD gekommen und hat die dort bereits verwendeten Dokumentationsbögen in die App übersetzt. Alle Pflegekräfte arbeiten also weiterhin mit den ihnen vertrauten Unterlagen, nur dass sie eben nichts mehr auf Papier eintragen, sondern auf dem Touchscreen etwas antippen oder reinschreiben oder der Akte direkt ein Foto anhängen. Sobald das Handy WLAN findet, überträgt es die Daten in das Krankenhaus-Informationssystem. Das neue System kommt auch im Haus schon sehr gut an, viele Kollegen wollen es nutzen. Am liebsten sofort. Auch die Ärzte möchten die Smartphones. Bis die Mediziner eingebunden werden, dauert es aber noch ein wenig. Im Fokus stand jetzt ganz ausdrücklich zuerst einmal die Pflege.

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Neben dem Zeitgewinn hat die Pilotphase in Delmenhorst schon etwas anderes gezeigt: Die Dokumentation ist genauer geworden. „Bei den Akten war es oft so, dass man die zum Schichtende ausgefüllt hat“, erzählt Timo Greiner, der Pfleger. Und wie das so ist, wenn man gern nach Hause möchte: Man arbeitet schnell und vergisst etwas. Oder im Laufe des Nachmittags ist es einem wirklich entfallen, was man bei einer Patientin alles gemacht hat. Das ist beim Handy anders, zumal man auch mal eine Zigarettenpause nutzen kann, um alles einzutragen, sagt Pflege-Greiner. Eine bessere und genauere Dokumentation bedeutet für das Haus auch, dass Leistungen genauer abgerechnet werden können.

Zudem soll in einem weiteren Schritt auch die Pflege mit dem Tool verbessert werden, sagt Arne Greiner, der Software-Mann. Ziel ist, sobald mehrere Krankenhäuser Ida.care nutzen, dass die Dokumentationen anonymisiert in einen zentralen Rechner gespeichert und ausgewertet werden. Die App wird dann zu einem lernenden System: Zu einem Patient mit einer bestimmten Diagnose wird vom Algorithmus vorgeschlagen, was als nächstes zu tun sein könnte. Das sorgt dafür, dass vielleicht kleinere Handgriffe im Alltag nicht vergessen werden. Und es bedeutet einen weiteren Effizienzgewinn, weil die Versorgung zielgerichteter möglich sein wird.

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...