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Fridays For Future in Delmenhorst
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Klima-Streik der Generationen

Andreas D. Becker 20.09.2019 0 Kommentare

Jung und Alt zogen am Freitag durch die Innenstadt. Sie fordern eine wirkungsvolle Klimaschutz-Politik. Sofort. Auch in Delmenhorst.
Jung und Alt zogen am Freitag durch die Innenstadt. Sie fordern eine wirkungsvolle Klimaschutz-Politik. Sofort. Auch in Delmenhorst. (INGO MÖLLERS)

Es wird weitergehen. Das war nur ein Auftakt. So viel steht für Alena Wefer fest. Die 17-Jährige war eine der Hauptorganisatorinnen hinter der Delmenhorster Demonstration bei Fridays for Future. „Wir werden jetzt nicht jeden Freitag demonstrieren. Aber wenn es wieder größere Aktionen gibt, könnten wir wieder mit dabei sein.“ Die Demonstration am Freitag mit rund 1000 Teilnehmern hat ihr und ihren Mitstreitern Schwung gegeben. Klimaschutz ist nicht nur etwas für die große Politik in Berlin und die großen Konzerne, Klimaschutz fängt im Kleinen an. Auch in Delmenhorst. Gerade in Delmenhorst, weil es noch so viel zu tun gibt.

Was so gut und erstaunlich war: Es gingen nicht nur Schüler auf die Straße, sondern es waren Jung und Alt dabei, Vereine und Institutionen. „Omas kämpfen für ihre Enkel“ stand zum Beispiel auf dem Schild von Hildegard Klapper. Die Enkel der 64-Jährigen waren zwar nicht selbst mit ihrer Oma zur Demonstration gekommen, weil sie in Hannover leben, aber darum geht es bei der Bewegung ja auch nicht. „Das Thema ist auf keinen Fall allein eine Sache unserer Enkel. Ich denke, wir müssen die jüngeren Generationen bei ihrem Ansinnen unterstützen.“ Damit die Nachricht bei jedem ankommt. Und jeder etwas macht. „Ich essen kein Fleisch mehr“, sagt eine andere Großmutter. Und man könne sich angewöhnen, zum Einkaufen Mehrwegtüten mitzunehmen, um auf Plastik zu verzichten. Es gebe so viele Möglichkeiten. „Heute ist es aber wichtig, das Thema zu transportieren.“

Mit ihrer Oma und ihrer Mama nahm auch Johanna Luhmann an dem Demonstrationszug teil. Die 21-jährige Studentin hatte „We stand for what we stand on: Our Earth“ auf ihr Plakat geschrieben (auf Deutsch etwa: Wir stehen dafür ein, worauf wir stehen: unsere Erde). „Ich finde es wichtig und toll, dass heute alle zusammen etwas für das Klima tun“, erklärte sie. Das ist auch das bemerkenswerte an der Entwicklung der Klimaschutzbewegung. Das, was als Protest der Schüler und Studenten, also der jungen Generation, begann, ist mittlerweile eine Sache aller geworden. Und aufgrund der Protestbewegung sickert Klimaschutz auch stark in die Lehrpläne an Schulen.

„Bei uns war Klimaschutz auch das Thema einer Aktionswoche und es wird weiterhin im Unterricht behandelt“, sagte Alena Wefer. Sie besucht das Gymnasium an der Willmsstraße. Viele Schulen waren bei der Demo dabei. Oder sie stellten eigene Aktionen auf die Beine, wie das Max-Planck-Gymnasium mit „Maxe for Future“. Dort gab es um 13.05 Uhr auch eine Kundgebung, kleiner halt, weniger präsent im Stadtbild, weil keine Straßen für den Demonstrationszug abgesperrt werden mussten. Am Maxe haben sich alle Klassen Projekte zum Klimawandel ausgedacht: Sie beschäftigten sich mit klimaschonender Ernährun, wollten den ökologischen Fußabdruck des Maxe ausrechnen, versuchen, kunststofffrei einzukaufen, oder sammelten in der Graft, einer der wichtigsten grünen Lungen der Stadt, Müll ein.

Im Trubel der Demonstration ging etwas unter, dass zum Streik auch die Glocken mehrere Kirchen in der Stadt läuteten. „Zu der symbolischen Uhrzeit ‚Fünf vor zwölf‘ werden die Glocken der evangelischen Stadtkirche, der katholischen St.-Marien-Kirche und weiterer Kirchen in der Stadt ihr mahnendes Geläut für zehn Minuten erklingen lassen. Sie laden damit ein, für den Klimaschutz zu demonstrieren und zu beten“, erklärte Kreispfarrer Bertram Althausen. Seine Kollegin Nele Schomakers aus der St.-Stephanus-Gemeinde hatte ein „Churches For Future“-Schild gebastelt. Im Kirchenblock lief auch der Hasberger Pfarrer Stephan Meyer-Schürg mit, dessen Gemeinde schon lange das Label Grüner Hahn für ihr nachhaltiges, ökologisches Engagement trägt. Aber auch in St. Stephanus wurde bereits auf Nachhaltigkeit umgestellt.

Übrigens wurden die Delmenhorster auch aus Ganderkesee unterstützt. Die zwölfjährige Anna Carina Donecker wies noch einmal auf die Gefahr von Kohlendioxid hin. Sie verglich es mit einem Gift, bei dem es auch die Dosis ist, die es tödlich macht. „Wenn man Gift zu sich nähme, wäre ein wenig mehr das, was einen tötet“, sagte sie. Und genau so funktioniert es auch mit den klimaschädlichen Gasen. „Wir streiken, bis ihr handelt“, rief sie den Erwachsenen zu und erntete viel Applaus.

Dass dieses Handeln bei der Stadt Delmenhorst noch vermisst wird – schließlich sollte sie als gutes Beispiel für die Bürger vorangehen –, machte Alena Wefer in ihrer Rede deutlich. Sie kritisierte, dass die Stadt schon einmal einen Klimaschutzmanager hatte und dieser „aus unverständlichen Gründen abgesetzt wurde“. Die Verwaltung sparte die Stelle 2018 ein, um Geld für die Rettung des Josef-Hospitals zu haben. Und beim Klimaschutzmanagement sah sie das Potenzial, weil die dort auflaufenden Aufgaben sowieso von allen Mitarbeitern mit erledigt werden könnten. Mittlerweile hat die Politik an der Stelle zumindest ihren Fehler eingesehen und die Stelle neu geschaffen. Wieder besetzt ist der Posten allerdings noch nicht.

„Delmenhorst ist 1993 dem Klimabündnis beigetreten – keins der damals gesetzten Ziele ist eingehalten worden“, führte die Willms-Gymnasiastin weiter aus. Und sie hätte die Liste noch erweitern können, denn 2016 ist die Stadt auch dem European Energy Award beigetreten, auf Initiative des später geschassten Klimaschutzmanagers. Passiert ist seitdem nichts, weder die Verwaltung hat die entsprechenden Themen vorangetrieben, noch die Politik hat sich weiter darum geschert. Nun gibt es allerdings eine breitere politische Klimaschutzinitiative: Delmenhorst soll Klimamusterstadt werden, das fordern alle Fraktionen mit Ausnahme der AfD in einem gemeinsamen Antrag. Und Politiker fast aller Ratsparteien waren auch bei der Demonstration dabei. Das können die Demo-Initiatoren als positives Zeichen werten, dass die Politik dieses Thema nun ernster nimmt als noch vor drei Jahren und erst recht als vor 26 Jahren. „Jetzt müssen wir noch die Verwaltungsspitze bei dem Thema ein wenig anschieben“, sagte ein Ratsmitglied. Da bei der Kommunalwahl 2021 das Klima-Thema ein bestimmendes sein dürfte und auch viele der Schüler, die am Freitag mitmarschierten, dann mindestens 16 Jahre alt und somit wahlberechtigt sind, wäre es wahrscheinlich politisch klug, den Worten Taten folgen zu lassen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...