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Aquarell des Malers Julius Hümme
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Kunst-Kleinod in Trödel entdeckt

Jochen Brünner 16.04.2019 0 Kommentare

Das gefundene Gemälde von Hümme ist etwa 25 mal 18 Zentimeter groß und zeigt eine Holzhütte am Seeufer.
Das gefundene Gemälde von Hümme ist etwa 25 mal 18 Zentimeter groß und zeigt eine Holzhütte am Seeufer. (Fotos: fr)

Manchmal gelingen sie noch, die überraschenden Funde auf dem Flohmarkt. Wie jetzt dem Gelsenkirchener Wolfgang Huneke. Der pensionierte Lehrer hat kürzlich auf einem Flohmarkt seiner Heimatstadt ein Aquarell des Delmenhorster Malers Julius Joseph Hümme (1839 – 1891) entdeckt, der schon früh nach Kanada ausgewandert ist und in der Region um Toronto erst als Fotograf und später mit gewaltigen Bild-Panoramen für Furore sorgte.

Bei dem Fund handelt es sich um ein etwa 25 mal 18 Zentimeter großes Gemälde, das unten rechts mit dem Namen „JHumme “ sowie der Jahreszahl „82“ (oder 87) signiert ist. Das Initial des Vornamens ist über das „H“ des Nachnamens gemalt, wie der Künstler es auch auf anderen Werken getan hat. Auch das Bildmotiv ist typisch für Hümmes Arbeiten zu dieser Zeit: Es zeigt in der rechten Bildhälfte eine Holzhütte an einem Seeufer mit einer hügeligen Landschaft im Hintergrund. Eine junge Frau mit einer Tasche oder einem Eimer über dem rechten Arm sowie einem etwa drei- oder vierjährigen Kind an der linken Hand kommen dem Betrachter entgegen. Was natürlich die Frage aufwirft, wen Hümme hier abgebildet hat. Sind es einfach Siedler, mutmaßlich die Bewohner der Blockhütte? Oder ist es möglicherweise sogar die älteste Tochter Hümmes, die 1882, als der Künstler mit seiner Familie ein Studio an der King Street in Toronto eröffnete, in dem entsprechenden Alter gewesen wäre.

Zeitlich passt der Fund gut zu anderen Aquarellen, die Hümme Anfang der 1880er Jahre malte. „Von Julius Hümme ist bekannt, dass er immer mal wieder für mehrere Wochen in die Wildnis gezogen ist, um zu malen und Forellen zu fischen. Kein anderer kanadischer Künstler hat das so intensiv getan“, sagt Leon Pinuta, Hümme-Experte der Photographic Historical Society of Canada. Und zur damaligen Zeit sei die Wildnis nie weiter als ein paar Kilometer entfernt gewesen.

Nähere Umstände unbekannt

Nach den Erkenntnissen von Wolfgang Huneke hat ein aus dem Kölner Raum stammender Kunst- und Antiquitätenhändler das Bild auf dem Flohmarkt in Gelsenkirchen angeboten. Der Käufer vermutet, dass es wohl aus einer Haushaltsauflösung stammen könnte. Die näheren Umstände, also etwa die Frage, wo das Werk zuvor gehangen hat und wie es überhaupt nach Deutschland gelangt ist, sind allerdings noch völlig unbekannt.

Bei dem Markt handele es sich noch um einen „kleinen, echten, täglich stattfindenden Flohmarkt“ – also eher um ein Geheimtipp und nicht zu vergleichen mit den großen Sonntags-Märkten. „In der Stadt Gelsenkirchen leben viele ärmere Menschen, die dort auch Kleidung oder Waren des täglichen Bedarfs kaufen“, erzählt Huneke. Der Kunsthändler sei dort zwar regelmäßig, aber höchstens alle paar Wochen mal anzutreffen.

Wolfgang Huneke hat nach eigener Aussage „eine Leidenschaft für alte Dinge“ und sammelt seit 40 Jahren Kunst und Antiquitäten, die er dann teilweise auch weiterverkauft. So habe er auf Flohmärkten unter anderem ein Bild des Berliner Malers Max Schmidt oder einen Holzstich von Albrecht Dürer gefunden. Das Hümme-Aquarell habe ihm vor allem wegen der Komposition des Bildes gefallen. Es war eines von drei Bildern, die Huneke an diesem Tag bei diesem Händler für insgesamt 150 Euro kaufte. Für das Hümme-Bild allein habe der Verkäufer 20 Euro haben wollen. „Aber ich habe gleich gesehen, dass es deutlich wertvoller ist“, sagt der Hobby-Sammler. Auf der Suche nach Informationen über den Maler ist er dann im Internet auf die Berichterstattung des DELMENHORSTER KURIER gestoßen.

Nach Ansicht kanadischer Kunsthistoriker gelten Hümmes Aquarelle, die er vor der Natur malte, als künstlerisch wertvoller als seine Ölbilder. Und obwohl er seinen Unterhalt in seinen letzten zehn Lebensjahren wohl ausschließlich mit der Malerei bestritten hat, sind nur vergleichsweise wenige seiner Arbeiten bis heute erhalten. Auch das macht jeden neuen Fund wertvoll. 

Julius Joseph Hümme ist als Künstler in Deutschland völlig unbekannt geblieben – anders als in Kanada. So streiten die Experten noch heute darüber, ob der gebürtige Delmenhorster auch an Robert Harris' berühmtem Gemälde „The Fathers of Confederation“ beteiligt war, auf dem die 34 Gründerväter des Staates Kanada abgebildet waren. Von 1884 bis 1916 hing das Gemälde im Parlamentsgebäude in Ottawa, ehe es durch ein Feuer zerstört wurde.


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Leserkommentare
suziwolf am 19.10.2019 16:31
Gerne ... „ischa Freimaak“ ...

mit manchmal auch v-e-r-brannte-n Mandeln.

Auf weitere gute Zusammenarbeit. ...
suziwolf am 19.10.2019 16:23
Die Radfahrer*innen, die nicht auf dem regulären ,roten’ Weg fuhren, ergo nicht von der Zählmaschinerie erfasst wurden,
sind das S c h w a r z ...