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Nitratbelastung im Landkreis Oldenburg
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Landwirte sehen „rot“

Jacqueline Schultz 17.09.2019 0 Kommentare

Weil das Grundwasser auch im Landkreis Oldenburg immer stärker mit Nitrat belastet ist, müssen auch die hiesigen Landwirte mit schärferen Düngeregeln rechnen.
Weil das Grundwasser auch im Landkreis Oldenburg immer stärker mit Nitrat belastet ist, müssen auch die hiesigen Landwirte mit schärferen Düngeregeln rechnen. (Björn Hake)

Landkreis Oldenburg. „Die Gebietskulissen sind absolut nicht nachvollziehbar und werfen hinsichtlich der unterschiedlichen Betroffenheit viele Fragen bei den Landwirten auf“, ist Bernhard Wolff verärgert. Worüber sich der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg so aufregt, sind die sogenannten „roten Gebiete“ mit hoher Nitrat- und Phosphatbelastung, die das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hannover in der vergangenen Woche veröffentlicht hat.

Wirft man einen Blick auf die Karte, ist der Landkreis Oldenburg in weiten Teilen von erhöhten Nitratwerten im Grundwasser betroffen. Auf die Landwirte kommen damit schärfere Düngeregeln zu. Aus Sicht des Landvolks Niedersachsen bedeutet dies eine große Unsicherheit für die Betriebe. „Einige Vorschläge, die diskutiert werden, gehen über jedes vernünftige Maß hinaus und sind kontraproduktiv. Dazu zählen die geplante Reduzierung der Nährstoffversorgung um 20 Prozent unter den Nährstoffbedarf der angebauten Nutzpflanzen oder das Verbot einer Düngung von Zwischenfrüchten, die für den Wasser- und Bodenschutz angebaut werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Aber auch Land und Bund stehen unter Druck, weil sie die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht erfüllen. „Wir haben nitratsensible und phosphatsensible Gebiete ausgewiesen, in denen aufgrund der aktuellen Belastung ein hoher Handlungsbedarf besteht. Dafür waren umfangreiche wasserwirtschaftliche Auswertungen erforderlich“, betont Umweltminister Olaf Lies.

Wasserschutz ist wichtig und richtig, das steht auch für Landwirte außer Zweifel. Aber auch mit der Systematik haben die Landwirte so ihre Probleme. „Die von der Niedersächsischen Landesregierung präsentierte Karte basiert nach unserer Einschätzung auf einem sehr groben Raster. Es wurden auch bei offensichtlich nicht repräsentativ verteilten Messstellen pauschal große Gebiete einbezogen. Das ist aus Sicht des Landvolkes Niedersachsen ein ungerechtfertigtes Vorgehen und führt zu völlig unnötiger Betroffenheit einzelner Landwirte, hier sehen wir konkreten Korrekturbedarf“, heißt es seitens des Landvolks. „16 Kreislandvolkverbände prüfen zurzeit die Grundlagen der gemeldeten roten Brunnen und behalten sich eine entsprechende Bewertung vor“, erklärt Wolff. „Die gravierenden Einschnitte mit erheblichen Einkommensverlusten für die Familien werden gegebenenfalls auch zu Klageverfahren führen.“

Dass in vielen Gebieten der Region teilweise hohe Nitratwerte vorliegen, kann auch der Landkreis Oldenburg bestätigen: „Das zeigen auch die Ergebnisse unseres eigenen Messstellennetzes“, erklärt Stephanie Siefken-Hahn, Leiterin des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft. Über die Internetseite der Kreisverwaltung seien diese auch für die Öffentlichkeit einsehbar. „Die Abgrenzung der roten Gebiete ist derzeit allerdings für uns noch nicht nachvollziehbar“, sagt die Leiterin. „Aus unserer Sicht könnte die Ausweisung der roten Gebiete zu einer Verknappung der Verwertungsflächen im Landkreis Oldenburg führen.“

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) begrüßt Maßnahmen, die zum Ziel haben, die Nährstoffeinträge in das Grundwasser zu senken. „Grundsätzlich ist es wichtig, Nitrateinträge in die Gewässer zu reduzieren und Trinkwasserressourcen zu schützen“, sagt Verbandssprecher Heiko Poppen. „Aussagen, welche Auswirkungen die Ausweisung der roten Gebiete auf die nitratbelasteten Böden haben wird, sind zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation“, erklärt er weiter. Aus Sicht des OOWV sei vor allem die Nachvollziehbarkeit und Kontrolle der Maßnahmen wichtig, beispielsweise mithilfe eines digitalen Meldesystems.

Die Notwendigkeit, aktiven Grundwasserschutz zu betreiben, sieht auch der Nabu. „Maßnahmen, die zu einer geringeren Belastung des Grund- und Oberflächenwassers führen, sind grundsätzlich positiv“, sagt Gerhard Krick, Mitglied im Landesfachausschuss Landwirtschaft. Aufgrund des Sachverhalts, dass es bis zu 30 Jahre dauere, bis die Nitrateinträge im Grundwasser ankommen, sei es dringend erforderlich, den Stickstoff- und Phosphateintrag aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten zu reduzieren. „Ob die zu hohe und nicht flächenangepasste Konzentration der Tierbestände in der Region Weser-Ems dadurch verringert und unsere Forderung nach Flächenbindung erreicht wird, bleibt abzuwarten“, erklärt Krick. Gleiches gelte für das Nabu-Ziel einer verstärkten Umstellung auf ökologischen Landbau.

Die Gebietskulisse Grundwasser („Nitrat-Kulisse“) umfasst laut Ministerium rund 39 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche – also rund eine Millionen Hektar. Von den insgesamt 37 Landkreisen und acht kreisfreien Städten in Niedersachsen sind nur wenige nicht von der Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete betroffen. Geplant ist die Einführung elektronischer Nährstoffmeldungen über eine zentrale Datenbank. Von der Meldepflicht werden rund 30 000 Betriebe betroffen sein. Eine dringende Notwendigkeit, denn der Europäische Gerichtshof hatte im vergangenen Jahr festgestellt, dass Deutschland gegen seine Verpflichtungen zum Schutz des Grundwassers verstößt. Handelt Deutschland jetzt nicht, drohen Strafzahlungen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...