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Spaziergang mit Johannes Mitternacht
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Mit Friedrich Schiller durch die Graft

Von Alexandra Wolff 10.06.2019 0 Kommentare

Nur echt mit Stirnlocke: Schauspieler Johannes Mitternacht schlüpfte am Freitagabend in die Rolle des Dichters Friedrich Schiller. Mit 70 Teilnehmern war der literarische Spaziergang durch die Graft komplett ausgebucht.
Nur echt mit Stirnlocke: Schauspieler Johannes Mitternacht schlüpfte am Freitagabend in die Rolle des Dichters Friedrich Schiller. Mit 70 Teilnehmern war der literarische Spaziergang durch die Graft komplett ausgebucht. (Ingo Möllers)

Das Schillerjahr ist jetzt genau zehn Jahre her – in diesem Jahr wäre Friedrich Schiller also 260 Jahre alt geworden. Grund genug für Sabine Jünemann von der gleichnamigen Buchhandlung, dem schwäbischen Dichter einen literarischen, beziehungsweise „Schillernden Spaziergang“ über die Burginsel zu widmen. Die Premiere am Freitagabend war mit 70 Wegbegleitern ausverkauft. „Mehr geht nicht“, sagte Jünemann und zeigte auf all die Literaturfreunde, die vor ihrer Buchhandlung warteten. „Sonst haben wir einen Lindwurm.

Nach ihrer Ankündigung kam er auch schon: Hocherhobenen Hauptes, mit einem roten, langen Schal um den Hals und Rüschen, die aus den Ärmeln seines langen Mantels ragten: Johannes Mitternacht. Und natürlich hatte sich der Delmenhorster Schauspieler eine Locke über die Stirn gekämmt, denn an diesem Abend war er Friedrich Schiller. Im Playback aus einem Gettoblaster „stimmte“ er die „Ode an die Freude“ an. Als die berühmten Zeilen „Freude schöner Götterfunken“ erklangen, sang er gekonnt mit und animierte auch die Literaturfreunde dazu, mitzusingen, was diese auch gerne taten. Kaum geendet, riefen die ersten Zuschauer schon nach einer Zugabe.

Und die sollte es im Laufe des Abends auch immer wieder geben. Denn nach fast jeder Station fingen Mitternacht und seine Begleiter wieder an zu singen. An den Stationen zitierte er aus Tagebucheinträgen, Briefen, Balladen und Dramen des großen Dichters und schloss dabei die jeweilige Station ein. So fragte er an der Graft: „Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp / Zu tauchen in diesen Schlund?“ Und hielt dabei einen imaginären Becher über das Wasser, den der König aus der Ballade „Der Taucher“ in die „unendliche See“ warf.

Einige irritierte Passanten

Allerdings blieb es auch nicht aus, dass sich ein paar der Nichtteilnehmer von der Führung irritiert zeigten. So brüllte Mitternacht in der Nähe des Graftwerks: „Memmen!“ und andere Kraftwörter der damaligen Zeit. Und plötzlich schallte es aus anderer Richtung: „Ruhe!“ So etwas sei aber nichts Ungewöhnliches. „Bei dem Spaziergang vor zehn Jahren rief er hier in der Nähe: ‚Mörder! Räuber!‘", erinnert sich Susanne Meuten (50) aus Oldenburg, Mitspaziergängerin und  Mitternacht-Cousine. „Das hörten die Insassen im Gefängnis, die sich wohl angesprochen fühlten und laut protestierten.“

Doch nicht nur solche Erlebnisse sorgten für freundliche Lacher unter den Teilnehmern. Auch Mitternacht selbst zeigte in seinen Einlagen für Schmunzler, dass auch Schiller selbst Humor hatte. So ließ der Schauspieler den großen Dichter von dessen Erkältung erzählen und davon, dass ihm sein Freund Johann Wolfgang von Goethe ein paar gut gemeinte Genesungstipps gab, was Schiller mit einem unwirschen: „Wer von uns beiden hier ist der Mediziner?“ abtat.

Kein Wunder also, dass nicht nur der Name Friedrich Schiller, sondern auch der Name Johannes Mitternacht ein paar der Besucher anlockte. „Ich unternehme viel mit Sabine Jünemann und ich mag Johannes Mitternacht“, sagte Mitspaziergängerin Enne Petersen (66) aus Bungerhof. „Schiller finde ich natürlich auch toll. Und ich will immer auf dem neuesten Stand sein.“

Eine weitere Teilnehmerin, Elvine Conde-Steckelberg (72) aus Delmenhorst, kann die Texte teilweise sogar mitsprechen. Nicht nur die Gedichte oder Dramen, sondern sogar die Briefe: „Wir haben die Briefe in der Schule gelesen“, erläuterte sie. „Und jetzt erinnere ich mich wieder an jedes Wort.“

Über den Marktplatz ging es schließlich wieder zurück zur Buchhandlung. An der Langen Straße erklomm Mitternacht zum Erstaunen der Teilnehmer den Rutschturm. „Der wird doch nicht…?“, fragte ein Mann die Frau neben sich – und auch den anderen Begleitern stand diese Frage ins Gesicht geschrieben. Und das Dichter-Double schwang sich tatsächlich mit dem Schillerzitat, der Mensch sei „nur da ganz Mensch, wo er spielt“ in die Rutsche und wurde unten mit tosendem Applaus empfangen.

Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen, auch wenn Jünemann angekündigt hatte, dass sie bis 22 Uhr Trockenheit bestellt hätte. In der Buchhandlung angekommen, empfing sie die Spaziergänger nicht mit einem Schillerzitat, sondern mit einer Zeile aus Goethes Erlkönig. Für die „Müh‘ und Not“, mit der die Spaziergänger „den Hof erreichten“ gab es Getränke und kleine Snacks.

Und weil die Premiere so gut gelaufen ist, ist der zweite „Schillernde Spaziergang“ bereits terminiert. Er findet statt am Freitag, 28. Juni, um 20 Uhr. Treffpunkt ist erneut die Buchhandlung Jünemann, Lange Straße 37, in Delmenhorst. Der Eintritt kostet zehn Euro. Um eine Anmeldung unter 0 42 21 / 8 50 71 77 wird geben.


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Leserkommentare
Izmir_Fuchs am 19.10.2019 11:50
Sehe ich genauso. Die EU ist nur gemeinsam stark. Anders können wir uns gegenüber China und den USA kein Stück behaupten. Leider werden wie so oft ...
philidor am 19.10.2019 11:33
Genau. Ob Johnson für seinen "Deal" die nötige Mehrheit von 320 Stimmen erhält, darf bezweifelt werden. Und dann? Wird wahrscheinlich die nächste ...