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Sexueller Missbrauch vor Landgericht
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Nacktfotos einer Neunjährigen

Andreas D. Becker 17.09.2019 0 Kommentare

Sechs Jahre nach der letzten Tat begann der Prozess gegen die Mutter des Opfers und deren ehemaligen Lebensgefährten.
Sechs Jahre nach der letzten Tat begann der Prozess gegen die Mutter des Opfers und deren ehemaligen Lebensgefährten. (Patrick Pleul)

Irgendwann war der Druck einfach zu groß. Sie konnte mit dem, was ihr angetan worden war, nicht mehr umgehen. Sie fing an, sich selbst zu verletzen. Sie ritzte sich. Ihr Vater zog die Notbremse. Seine Tochter kam in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, ihr musste geholfen werden. Das war im vergangenen Jahr. Fünf Jahre, nachdem sie das letzte Mal sexuell missbraucht wurde. Nun begann der Prozess gegen die Mutter und deren ehemaligen Lebensgefährten, sechs Jahre nach der letzten Tat. Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern lautet der Tatvorwurf gegen den 52-Jährigen, Beihilfe durch Unterlassen lautet der Vorwurf gegen die Mutter.

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Vor dem Landgericht waren beide Angeklagte geständig, auch um dem mittlerweile 16-jährigen Mädchen eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Zumindest in Teilen waren sie geständig. Ja, er habe die Tochter seiner Lebensgefährtin unsittlich berührt, räumte der 52-jährige Angeklagte ein, schlimmere Vorwürfe stritt er aber ab. Und ja, er habe das Mädchen, als sie neun Jahre alt war, nackt fotografiert. Aber nur für den privaten Gebrauch. Trotzdem hat er einige Bilder wenig später in verschiedenen Internetforen hochgeladen. Warum, könne er auch nicht mehr erklären. Doch es ist juristisch von großer Wichtigkeit, ob die Bilder bereits in der Absicht geschossen wurden, sie als Tauschobjekt mit Pädophilen zu nutzen oder eben nicht. Es könnte der entscheidende Unterschied zwischen Gefängnis- und Bewährungsstrafe sein.

„Ich weiß nicht, warum ich nichts gemacht habe“

Auch die Mutter bekannte sich schuldig im Sinne der Anklage. Nachdem ihr damaliger Lebensgefährte die Tochter das erste Mal berührt hatte, vertraute sich das Kind seiner Mutter an. Doch die unternahm nichts, redete nicht mit dem Mann, zog keine Konsequenzen, ließ weiterhin alles geschehen. „Und Sie haben nichts gesagt?“, fragte der Vorsitzende Richter Dirk Reuter. – „Ich weiß nicht, warum ich nichts gemacht habe.“ – „Weil sie es nicht so schlimm gefunden haben?“ – „Wahrscheinlich.“ – „War es in Ihrem Haushalt üblich, halbnackt oder nackt in der Wohnung rumzulaufen?“ – „Ja.“ – „War es normal, dass Ihre Tochter ohne Schlüpfer auf dem Foto saß?“ – „Da kam sie gerade aus dem Garten, sie war vorher im Planschbecken. Dann haben wir Fotos gemacht, ich habe mir nichts dabei gedacht.“ – „Sehen Sie das heute anders?“ – „Ja. Weil viel passiert ist seitdem. Mir ist klar geworden, dass es ein riesengroßer Fehler war.“

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Viel passiert. Damit umschrieb die Mutter unter anderem den Besuch der Polizei in der Wohnung an der Louisenstraße, die wegen des kinderpornografischen Materials daraufhin den Laptop, den der Lebensgefährte mitgenutzt hatte, konfiszierte. Der Mann hatte zum Beispiel als „Knuddelmaus 78“ Profile unter dem Namen seiner Freundin angelegt. Es waren diese Accounts, über die dann – so wie es nun vor Gericht dargestellt wurde – aus einer spontanen Laune heraus die Bilder ins Netz geladen wurden. Viel passiert. Damit meinte die Mutter auch, dass das Jugendamt das Mädchen, das jetzt wieder bei ihrem leiblichen Vater lebt, aus der Familie holte. Viel passiert. Dazu gehört auch, dass ihre beiden älteren Kinder, die zwei Halbbrüder des Opfers, erst in eine Pflegefamilie kamen und mittlerweile auch wieder bei ihrem leiblichen Vater leben. Ja, es ist viel passiert, auch weil der Fall viel zu lange nicht ausreichend schnell bearbeitet wurde, was Richter Reuter an diesem Mittwoch behandeln wird. So lange Verfahrensdauern in einem Fall sexuellen Missbrauchs sind immer schlecht für das Opfer, aber gut für die Angeklagten, sagen Juristen.

Vier Monate stationäre Behandlung 

Bei dem Mädchen eskalierte die Situation dann, wie beschrieben, im vergangenen Jahr, als sie anfing, sich die Unterarme mit Rasierklingen aufzuschlitzen, „absichtliche Selbstbeschädigung“ heißt das im Psychiaterdeutsch. Vier Monate war das Mädchen stationär im Wichernstift untergebracht. Ihre behandelnde Therapeutin sagte am Dienstag auch vor Gericht aus.

Sie berichtete von einer Posttraumatischen Belastungsstörung bei dem Mädchen, das stabilisiert entlassen werden konnte, aber aktuell prozessbegleitend betreut wird. „Ihr ist es wichtig, gehört zu werden. Es soll anerkannt werden, dass ihr etwas angetan wurde, was nicht gut für sie war“, erzählte die Therapeutin. Es seien körperliche Grenzen überschritten worden, aber das Mädchen finde immer noch keine Worte dafür, es zu erzählen. „Aber eine solche Grenzüberschreitung war es auch, wenn sie fotografiert wurde und gemerkt hat, dass sich das so nicht richtig anfühlt.“

Mit Gewalt musste das Mädchen wohl nie zu den Fotos gezwungen werden. So jedenfalls sagte es der Angeklagte aus, der das Mädchen bewusst posieren ließ, im Badezimmer, in der Badewanne, im Kinderzimmer, auf Ausflügen in der Öffentlichkeit. Die Bilder waren ganz offensichtlich von ihm so arrangiert, keine Schnappschüsse. „Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich das Mädchen von sich aus so präsentieren würde“, sagte der Richter.


Das Verfahren wird an diesem Mittwoch, 18. September, um 9 Uhr vor dem Landgericht Oldenburg fortgesetzt.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...