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Geschäftsbericht aus Ganderkesee
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Parcours durch eine Kindheit

Annika Lütje 13.05.2019 0 Kommentare

Irgendwo zwischen Flohmarkt und Boutique: Claudia Meißner möchte die Ware in den Regalen hübsch präsentieren.
Irgendwo zwischen Flohmarkt und Boutique: Claudia Meißner möchte die Ware in den Regalen hübsch präsentieren. (Ingo Möllers)

Claudia Meißner weiß, wann andere Menschen aufräumen, Kinderzimmer, Kleiderschränke und Kellerkisten durchforsten und aussortieren. Denn kurz darauf – in der Regel nach Ferien und Wochenenden – steht ihr Lager voller Kartons und Wäschekörbe. Berge von Kleidung, Schuhen, Spielsachen und anderem Kinderbedarf wollen dann durchsortiert, etikettiert, in den Laden drapiert und verkauft werden. Claudia Meißner ist die Inhaberin von Annes Kinderstube – einem Second Hand-Laden für kleine Leute.

Und sie hat gut zu tun, denn der Einkauf aus zweiter Hand hat nichts mit dem Wühlen in muffigen, abgegriffenen Überbleibseln einer Kindheit zu tun. Im Gegenteil. „Wir achten sehr genau auf die Qualität der Ware. Die Sachen haben in der Regel ein, maximal zwei Kinder überdauert, bevor wir sie weiterverkaufen“, sagt Meißner. Und so nehmen viele Eltern die Gelegenheit in Annes Kinderstube wahr, um sich von der Schwangerschaft bis zum Teenager-Alter des Kindes mit allem einzudecken, was ein kleiner Mensch im Laufe seines Lebens braucht.

Gegründet wurde der Laden bereits 1976 von Anne Blohm, von der er auch seinen Namen hat. „Sie eröffnete den Laden in ihrem Elternhaus in Delmenhorst. Der war damals noch ganz klein“, erzählt Claudia Meißner. Sie selbst entdeckte die Kinderstube als Kundin. „Ich hatte selbst drei Kinder, da braucht man ja so einiges und das ständig. Freunde hatten mir den Laden empfohlen“, erinnert sie sich. Sie war so begeistert, dass sie als Mitarbeiterin blieb. Das war vor 15 Jahren.

2010 musste Anne Blohm das Haus in Delmenhorst aus familiären Gründen verkaufen. So kam es, dass der Laden nach Ganderkesee umzog. „Der neue Standort ist ideal. Wir sind hier nah am Ortskern, aber so weit außerhalb, dass wir keine Parkplatzprobleme haben. Das ist wichtig, wenn Leute ihre Ware herbringen“, erklärt Meißner, und weiter: „Außerdem hat sich durch den Umzug unser Einzugsgebiet total verändert. Jetzt kommen unsere Kunden nicht nur aus Delmenhorst und Ganderkesee, sondern auch aus dem Landkreis, aus Hude und zum Teil sogar aus Oldenburg.“

Vor vier Jahren, als Anne Blohm in Rente ging, hat Claudia Meißner die Kinderstube übernommen. Sie hat einige andere Second-Hand-Läden für Kinder kommen und auch wieder gehen sehen. Aber die Kinderstube verzeichnet einen konstanten Erfolg. Ihre Konkurrenz sind das Internet und die großen Kinderflohmärkte. Deshalb legt Meißner Wert auf ein umfassendes und hochwertiges Sortiment zu vernünftigen Preisen und eine schöne Präsentation. „Wir ordnen uns zwischen Flohmarkt und Boutique ein“, sagt die Chefin. Sie und ihre zwei Mitarbeiterinnen Nicole Kleibrink und Uschi Manig wollen keinen Wühltisch-Charme. Sie gestalten die Regale ordentlich und nett. „Aber natürlich darf man trotzdem die Sachen anfassen und nach Herzenslust stöbern“, sagt Meißner.

Auf rund 100 Quadratmetern überwinden einkaufende Eltern im Laufe des Lebens ihrer Kinder sozusagen einen Größenparcours durch den Laden. Der Start befindet sich im Baby-Raum. Dort gibt es Umstandsmode für die werdende Mutter sowie die Erstausstattung und die kleinen Größen fürs Baby. „Wir haben diesen Bereich extra in einen abgetrennten Raum gelegt, damit man Platz hat, um mal einen Maxi Cosi mit einem schlafenden Baby darin zur Seite zu stellen, ohne dass andere Kinder darüber hinweg turnen“, erklärt Meißner. So haben Eltern mehr Ruhe für den Kindereinkauf, der anfangs vielleicht noch nicht so schnell von der Hand geht.

Doch nach dem ersten Lebensjahr geht es rüber in den großen Verkaufsraum, wo sich die Kleidergrößen eine nach der anderen durch den Raum ziehen – bis zu den kleinen Damengrößen S und M. Und dann gibt es noch den Raum mit den Schuhen und Büchern sowie überall Ecken und Regale mit Spielsachen. Aber auch Kinderbedarf wie Betten und Autositze, Buggys und Hochstühle gibt es. „Viele nutzen das Angebot, um zum Beispiel eine Zweitausstattung für die Großeltern zu kaufen“, sagt Meißner.

Das gesamte Sortiment ist reine Kommissionsware. Die Kunden bringen die Sachen, „ein halbes Jahr versuchen wir dann, sie zu verkaufen. Danach bekommen die Kunden ihr Geld und die unverkaufte Ware“, erklärt die Inhaberin. Was sich gut verkaufen wird, könne man nie voraussagen. Aber man entwickelt dafür ein Gespür, meint Meißner: „Das Wichtigste ist, dass man nicht nur annimmt, was man selbst mag. Man muss ein Gefühl dafür haben, was die Kunden mögen und kaufen.“ Immerhin: Ihre Erfolgsquote liegt bei rund 70 Prozent, wie sie selbst schätzt.

Die ersten drei Tage der Woche wird in Annes Kinderstube Ware angenommen. Dann werden die Sachen zwei Tage lang etikettiert und in den Laden sortiert. Am Wochenende muss alles in den Regalen liegen, schließlich kommen dann die meisten Kunden. Vor allem, wenn ein Saisonwechsel bevor steht, ist der Laden voll. „Das ist wie im Einzelhandel unser Hauptgeschäft“, sagt Meißner.

Wer in Annes KInderstube kommt, tut dies nicht unbedingt, weil er es muss. „Hier kauft vorwiegend die Mittelschicht ein. Nachhaltigkeit ist da ein echtes Thema. Die Leute sehen nicht mehr ein, warum jedes T-Shirt neu und teuer sein muss“, erzählt Claudia Meißner. Und so sind viele Eltern zu treuen Stammkunden geworden. Das Team hinterm Verkaufstresen hat viele Kinder über die Jahre aufwachsen sehen. „Wenn ein Kind irgendwann auch aus der letzten Größe heraus gewachsen und somit am Ende des Ladens angekommen ist, ist das manchmal ein trauriger Abschied von einer ganzen Familie. Aber dann kommt die nächste Schwangere und etwas Neues beginnt“, berichtet Meißner mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Und viele, die als Kinder in unserem Delmenhorster Laden eingekleidet wurden, kommen inzwischen mit ihren eigenen Kindern hierher“, ergänzt sie.

Neben zerschlissenen oder gar kaputten Sachen wird in der Kinderstube keine Discounter-Ware angenommen. „Das lohnt sich nicht. Für 50 Cent pro T-Shirt brauche ich kein Etikett daran zu heften“, sagt die Chefin und fügt hinzu: „Und wenn der Kunde die Wahl hat, nimmt er lieber ein Markenprodukt. Das unterscheidet uns eben auch von den Discountern, deshalb sind sie auch keine Konkurrenz für uns. Und letztlich müssen wir ja auch trotz kleiner Preise unsere Gewinne machen.“


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?