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Niederdeutsches Theater Delmenhorst
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Pointenreiche Inszenierung

Heide Rethschulte 13.01.2019 0 Kommentare

Das Ensemble des Niederdeutschen Theaters überzeugte in dem Stück unter anderem durch sein temporeiches, mimikstarkes Agieren.
Das Ensemble des Niederdeutschen Theaters überzeugte in dem Stück unter anderem durch sein temporeiches, mimikstarkes Agieren. (INGO MÖLLERS)

Es dauerte keine 30 Sekunden, da brach das Publikum zum ersten Mal in Gelächter aus und das wiederholte sich im Verlauf der kommenden zwei Stunden noch unzählige Male. Bei der zweiten Saisonpremiere überzeugten die Amateurschauspieler des Niederdeutschen Theaters (NTD) am Sonnabend im Kleinen Haus mit einer pointenreichen Vorstellung der Komödie „Twee unschüllige Engels“.

Zusammen mit Marion Rose jagte Jubilarin Lorina Sachtje, die dem NTD seit 40 Jahren angehört, eine Lachsalve nach der nächsten durch den Saal. Sachtje als Anna Greta Kramer und Rose als deren jüngere Schwester Luise waren ein Pärchen zum Liebhaben, wie es Regisseur Bernd Schröter versprochen hatte. Der Profi war der Vorlage von Erich Ebermayer (Niederdeutsch: Hans-Jürgen Ott) wie angekündigt kräftig mit dem Rotstift zu Leibe gerückt und hatte das Gerüst dann mit jeder Menge Regieideen aufgepeppt. Am Ende stellte der 57-Jährige begeistert fest, dass jede einzelne gezündet hatte. Das aber gelang nur, weil das Ensemble auf den Punkt fit war.

Lorina Sachtje glänzte als dominanter Part der zwei naiven Schwestern. Manchmal mit nur einem Blick von oben herab verwies sie Luise in ihre Schranken. Marion Rose zelebrierte die Rolle, der zu ihrer Schwester aufblickenden und sie hofierenden Luise zur Freude der Zuschauer mit vollem Körper- und Mimikeinsatz. Da hatten zwei richtig Spaß und das übertrug sich aufs Publikum.

Aber auch aus allen anderen Protagonisten hatte Bernd Schröter unverwechselbare Charaktere geformt – und das auch bei den Beiden, die kurzfristig eingesprungen waren. Genau zwei Wochen vor der Premiere fiel Peter Eggert krankheitsbedingt aus. Dessen ebenso wichtige wie große Rolle als Richter Sebald übernahm Heini Caspers und überzeugte mit einer souveränen Leistung. Noch weniger Zeit hatte Fentke Stolle, sich auf ihren Einsatz vorzubereiten. Erst am Mittwoch musste Elke Seevers passen, die am Ende des Stückes die kleine, aber äußerst wichtige Rolle der Direktorin Kramer spielen sollte. „Der letzte Eindruck ist der wichtigste. Und gerade die Direktorin bringt die Lösung. Das ist der größte Druck, den man haben kann“, brachte Schröter Stolles Aufgabe auf den Punkt. Doch Fentke Stolle, die für ihre Darstellung der Eliza in „My Fair Lady“ beim Theaterfestival in Cuxhaven als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden war, bewies auch jetzt wieder ihr großes Talent. Mit einem strahlenden Auftritt bewahrte sie als taffe Direktorin einer Computerfirma die Kramer-Schwestern vor einer Verurteilung.

Die beiden Schwestern waren angeklagt worden, weil sie auf Kosten des „Internationalen Service Clubs“ eine 24-tägige Reise durch 13 Länder gemacht hatten. Schließlich hieß es auf der ihnen zugeschickten Scheckkarte „Kaufen ohne zu bezahlen“. Das hatten sie wörtlich genommen, als ihnen die Reisebüroleiterin Frau Erlander (Petra Witte als Verkaufstalent) die Reise schmackhaft gemacht hatte. Nach der Rückkehr landeten die beiden ältlichen, finanziell nicht auf Rosen gebetteten Damen vor Gericht.

Dort brachten sie Richter Sebald und Staatsanwalt Lotze (Lars Deeken als gnadenloser, pillenschluckender „harter Hund“) mit ihren ständigen Einmischungen an den Rand des Wahnsinns. Auch Pflichtverteidiger Bleeker lag zuerst mit seinen renitenten Mandantinnen über Kreuz. War es ihm doch vor der Verhandlung nicht gelungen, Kontakt zu den Beiden auf zu nehmen. Weder auf seine Briefe, noch auf sein Klingeln an der Tür hatten die Kramer-Schwestern reagiert. Im Verlauf des Verfahrens fanden die drei aber zueinander. Andreas Giehoff merkte man an, wie viel Spaß er daran hatte, die Ideen, mit denen Schröter seine Rolle versehen hatte, umzusetzen. Vor allem seine Abneigung gegen den peniblen Staatsanwalt drückte Giehoff mit seiner vom Publikum geliebten Mimik aus. 

Für Franz Pache als Gerichtsdiener Knoop hatte sich Schröter etwas Besonderes einfallen lassen. Ihn ließ der Regisseur im Gerichtssaal Kreuzworträtsel lösen. Die Szene, als Knoop völlig aus dem Zusammenhang fragte: „Anderes Wort für Stille mit vier Buchstaben?“ und alle im Gerichtssaal mit einem donnernden „Ruhe“ antworteten, war einer von vielen Lacherfolgen. Katja-Maj Stelljes wurde ihrer Rolle als Rosie Allermann, überhebliche Vertreterin des „Internationalen Service Clubs“, gerecht und Dieter Brackhahn komplettierte als Kapitän Jens Jensen das überzeugende, temporeich agierende Ensemble.

Viel wurde auch in die Technik investiert und von den Zuschauern mit Applaus belohnt. So hatte Schröter, als Frau Erlander den Schwestern eine Afrikareise schmackhaft machen wollte, diese Sequenz mit passenden Tiergeräuschen unterlegt. Herrlich auch die Diashow der Weltreise, die durch eingespielte Kommentare der Schwestern besondere Würze bekam. Mit Gelächter reagierte das Publikum auf die Musikauswahl „Downtown“, als die Kramers zu einer ihrer gefürchteten Shoppingtouren – sich so viel wie möglich zeigen lassen, aber nichts kaufen – aufbrachen.

Begeistert aufgenommen wurden auch die drei Bühnenbilder von Roland Wehner. Das Wohnzimmer von Anna Greta und Luise zog den Zuschauer in die kleine Kramer-Welt. Wohingegen das Reisebüro, das ebenso wie das Wohnzimmer auf einem ziehbaren Podest gebaut worden war, mit Plakaten, die große, weite Welt symbolisierte. Der Gerichtssaal schließlich strahlte weiträumige Sachlichkeit aus und war mit seinen Details beeindruckend.

Nach den zahlreichen Reaktionen, die es während der Aufführung gegeben hatte, war es nicht verwunderlich, dass es am Ende langanhaltenden Applaus für eine in allen Belangen überzeugende Vorstellung gab.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...