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Historische Campingfahrzeuge in Ganderkesee
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Reisen als rustikales Abenteuer

Jochen Brünner 21.09.2019 0 Kommentare

Wolfgang und Sabine Schindler aus Mettmann sind mit einem Orion an den Falkensteinsee gereist.
Wolfgang und Sabine Schindler aus Mettmann sind mit einem Orion an den Falkensteinsee gereist. (Fotos: INGO MöLLERS)

Den Liebhabern historischer Campingfahrzeuge gelten ihre Gefährte nicht selten als vollwertige Familienmitglieder, denen sie auch Namen geben. „Rumtreiber“ nennt der Sandkruger Jan-Philipp Meder etwa sein Hymer-Mobil, das er einst in einer sechsmonatigen Operation „vor dem Tod gerettet“ hat, wie er erzählt. Seitdem ist der gelernte Kfz-Mechaniker mit „Rumtreiber“ mindestens einmal im Jahr für zwei Wochen in Italien unterwegs.

An diesem Wochenende organisiert Meder gemeinsam mit Kathrin Nickel das erste Treffen historischer Campingfahrzeuge auf dem Campingplatz am Falkensteinsee. Und mit 120 Fahrzeugen hat die Resonanz die Erwartungen im Vorfeld bereits weit übertroffen. So sei die zur Verfügung stehende Fläche damit nicht nur ausgebucht. „Wir haben auch noch 40 Interessenten auf der Warteliste“, verrät der Organisator. Zum Vergleich: Zum ersten Treffen vor einem Jahr waren etwa 20 Teilnehmer gekommen, am Osterwochenende am Edersee waren es dann schon 70. Zahlreiche Campingfreunde nehmen dafür auch eine weite Anreise in Kauf, unter anderem aus Österreich, aus Süddeutschland oder den Niederlanden.

Nachdem Jan-Philipp Meder in die Szene eingestiegen war, suchte er Gleichgesinnte, um sich austauschen. „Es gibt zwar Oldtimer-Treffen, aber nichts speziell für Campmobile“, hat er festgestellt und dies zum Anlass genommen, eine Facebook-Gruppe zu gründen. Und der Bedarf nach Austausch war riesig: Inzwischen hat die Gruppe bereits rund 1600 Mitglieder.

Die Oldschool-Camper bezeichnen neuere Campmobile auch gern als „Joghurtbecher“. „Früher wurde sehr viel individueller gebaut, heute sieht doch vieles gleich aus“, sagt Meder. Zwar sei es mitunter auch ein ziemlich rustikales Abenteuer, ein solches Fahrzeug zu fahren, aber gerade das mache für viele auch den Reiz aus: „Da darf es ruhig ein bisschen rumpeln und scheppern, auch kleine Beulen gehören dazu. Wir haben viele Mitglieder in der Gruppe, die sich auch deutlich modernere Camper leisten könnten, aber die alten Fahrzeuge einfach cool finden“, erklärt der Organisator. Für Fans größerer Geschwindigkeit sei das Hobby allerdings nicht geeignet. „Bei Tempo 90 ist in der Regel Schluss.“

Um die Verpflegung der Teilnehmer kümmert sich Grillprofi Tobias Ladage gemeinsam mit Laura Lemke. Er ist mit einem umgebauten T4 angereist, den er einst der Polizei abgekauft hat. 662 Eier hat er für das Gemeinschaftsfrühstück am Sonntag besorgt. Und auch auf die Grillkünste des Mannes aus Porta Westfalica lässt Jan Meder nichts kommen: „Tobi grillt. Die anderen machen nur Fleisch warm“, sagt er.

Orion als echter „Hingucker“

Zu den unumstrittenen Attraktionen auf dem Platz gehören Wolfgang und Sabine Schindler aus Mettmann, die mit einem Orion nach Falkenburg gekommen sind. Auch wenn das Fahrzeug selbst erst 1985 gebaut worden sei, stamme das Design bereits vom Ende der 60er Jahre, berichtet der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbaumeister. Als „Unterbau“ dient ein Mercedes 209, ausgestattet mit einem 88 PS starken Fünf-Zylinder-Diesel-Motor. „Das war die größte Motorisierung, die damals verfügbar war“, erzählt Schindler. „Wir haben das Fahrzeug von einem älteren Ehepaar aus erster Hand gekauft – ein guter Griff.“ Sein Bestreben ist es, das Wohnmobil möglichst im Originalzustand zu belassen. Rund 300 000 Kilometer sei es inzwischen gelaufen. Und nicht nur Motor und Getriebe seien noch original, sondern auch die Sitzpolster. „Piano fahren“, nennt dann auch Wolfgang Schindler als Basis für die Langlebigkeit. Höhere Drehzahlen kommen für ihn nicht in Frage.

Bernd Beate aus Peine hat eine veritable Hausbar in seinen Heku-Auflieger eingebaut. Der 1994 gebaute Auflieger ist auf einen 1997 gebauten Opel montiert und inzwischen mit dem Fahrzeug fest verwachsen. „Ich bin damit überall unterwegs, wo ich parken kann“, erzählt Beate. Gerne bereist er etwa Polen, in diesem Jahr hat er Litauen besucht.

Zu den echten „Schwergewichten“ des Treffens gehört der Euro-Liner des Bremerhaveners Markus Behrends. 8,8 Tonnen bringt das 9,80 Meter lange Wohnmobil der High-End-Klasse mit einem Chevrolet-Motor auf die Waage. „Ich wollte unbedingt einen Amerikaner, weil die schon vor 25 Jahren Fußbodenheizung und LED-Leuchten und Automatik-Getriebe eingebaut haben“, sagt Behrends, der das Gefährt vor etwa eineinhalb Jahren gekauft hat. „Neu wäre der für mich nicht finanzierbar gewesen“, erklärt der Bremerhavener. Außerdem sei auch der zur Verfügung stehende Platz ein wichtiges Argument gewesen. Er mag sich nicht auf ein bevorzugtes Reiseziel festlegen. „Wir fahren einfach los und kommen irgendwo an. Und wenn es uns dort gefällt, setzen wir uns mit dem Ort auch intensiv auseinander“, reizt ihn vor allem das Überraschungsmoment und die Freiheit des Reisens an sich. Der 6,5-Liter-Motor benötige etwa 18 Liter Diesel auf 100 Kilometern. „Das ist für diese Größe völlig okay“, findet Behrends.

Die Oldschool-Camper am Falkensteinsee sind sich selbst genug. Zwar gibt es ein kleines Festzelt im Oktoberfest-Stil, ansonsten werden Fachsimpeleien die beherrschenden Themen des Wochenendes sein. Und natürlich sind viele Teilnehmer auch bereit, interessierten Gästen Einblicke in ihre Schmuckstücke zu gewähren. Meder plant bereits, das Treffen am Falkensteinsee zu einer festen jährlichen Einrichtung zu machen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...