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Verband für Wohnen und Stadtentwicklung
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Studie zu Delmenhorst: 40 Prozent "migrantische Haushalte"

Björn Struß 11.09.2018 1 Kommentar

"Integrationsferne Migrantenmilieus" gibt es viele in Düsternort, konstatiert eine Studie zur Bevölkerungsstruktur in der Stadt. (Ingo Möllers)

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, in Delmenhorst zu leben. Aber gleichzeitig wenden auch immer mehr Delmenhorster ihrer Stadt den Rücken. Dies belegen Zahlen, die der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (VHW) am Donnerstag dem Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Delmenhorster Stadtrates in einer gemeinsamen öffentlichen Sondersitzung (17 Uhr, Markthalle) vorstellt. Die Datenauswertung soll eine entscheidende Grundlage dafür sein, wie die Politik die Stadtentwicklung in Zukunft steuern wird. Ein besonderes Augenmerk legt der VHW auf sogenannte „Migrantenmilieus“. 

Reges Kommen und Gehen

Sowohl die Zahl der Zuzüge nach Delmenhorst als auch die der Fortzüge ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Zogen im Jahr 2010 noch 3143 Menschen neu in die Stadt, lag diese Zahl 2016 schon bei 5544. Auch die Zahl der Fortzüge stieg an. Trotzdem verzeichnet der VHW in Delmenhorst für den Zeitraum 2011 bis Mitte 2017 ein Bevölkerungswachstum von 5,5 Prozent. Dieser Anstieg sei „nahezu ausschließlich auf die Zuwanderung von Nichtdeutschen, vor allem seit 2015, zurückzuführen“, heißt es in der Auswertung des VHW. 

Aber nicht nur der Zuzug von Schutzsuchenden hat Delmenhorst verändert. Schon seit 1995 ist bis auf eine Ausnahme in jedem Jahr ein Netto-Zuzug von Menschen ohne deutschen Pass festzustellen. Von 2011 bis 2015 kamen diese Neudelmenhorster vor allem aus osteuropäischen EU-Staaten. Die Statistiker der VHW verweisen aber auch auf die sogenannte „Sekundärmigration“, womit Ausländer gemeint sind, die innerhalb Deutschlands ihren Wohnort wechseln. Dass es Menschen aus dem Ausland vermehrt in Städte wie Delmenhorst zieht, begründet der Verband mit dem Mangel an geeignetem Wohnraum in ländlichen Regionen.

Demgegenüber verließen seit 1995 bis auf 2013 alljährlich mehr deutsche Staatsbürger Delmenhorst, als hinzukamen. Die Statistiker des VHW verzeichnen für 2011 bis 2015 eine Vielzahl sogenannter „Bildungswanderer“, die Delmenhorst im Alter zwischen 18 und 30 Jahren unter anderem aufgrund einer fehlenden Hochschule verließen. Auch in der Gruppe der deutschen Senioren stellen die Experten „Wanderungsverluste“ fest.

Mit Bremen eng verbunden

Bei dem Fort- und Zuzug von Alt- und Neudelmenhorstern belegen die Zahlen eine enge Verflechtung mit Bremen. Insgesamt ziehen mehr Menschen von Bremen nach Delmenhorst als umgekehrt. Diese Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren weiter verstärkt. Nach Einschätzung des VHW seien es vor allem Familien, die es aus Bremen nach Delmenhorst ziehe. Die Daten ermöglichen auch eine Wanderbilanz mit den einzelnen Bremer Stadtteilen. Während vor allem aus Huchting mehr Zu- als Fortzüge festzustellen sind, verzeichnen die Statistiker in Richtung alter Neustadt, der Bahnhofsvorstadt und dem Ostertor einen Wanderungsverlust.

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Die Statistiker geben auch einen konkreten Ratschlag. Angesichts der Lage auf dem Bremer Wohnungsmarkt biete Delmenhorst als gut erreichbarer Ausweichort insbesondere für jüngere Menschen „pragmatische Anreize“. Jedoch müsse man durch Angebote in den Bereichen Freizeit und Kultur die Stadt auch abseits der Wohnungsmarktlage attraktiv machen.

„Migrantenmilieus“

Neu ist, dass der VHW gezielt die Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund analysiert. Hierfür liegen dem Verband erst seit dem Sommer dieses Jahres Daten vor – so auch aus der „Kooperationsstadt“ Delmenhorst. Ein Haushalt wird von den Statistikern schon dann einem sogenannten „Migrantenmilieu“ zugeordnet, wenn nur eine Person einen Migrationshintergrund hat. Ein in Deutschland geborener Sohn von Einwanderern macht seinen Haushalt für die Datenerhebung dann per se „migrantisch“ – vollkommen egal, wer mit ihm eine Küche teilt. So erklärt sich für Delmenhorst auch der hohe Anteil „migrantischer Haushalte“. Dieser wird vom VHW entsprechend mit rund 40 Prozent beziffert.

Die Einteilung der Bevölkerung in sogenannte „Sinusmilieus“ ist für Soziologen, Politiker und Städteplaner eine gängige Praxis. Hierbei wird der materielle Wohlstand der Menschen in Bezug zu ihren moralischen Werten gesetzt. Im neuen „Migrantenmilieu-Modell“ wird aber auch der Wille zur Integration bewertet. Halten die Einwanderer eher an den Werten ihres Heimatlandes fest oder passen sie sich an?

Der Anteil der Haushalte aus einem sogenannten „integrationsfernem Migrantenmilieu“ liegt laut VHW in Delmenhorst bei 12,4 Prozent. Überdurchschnittlich stark vertreten seien diese Milieus in den Stadtbezirken Schafkoven/Donneresch inklusive Wollepark sowie Düsternort. Mit 15,2 Prozent seien „integrationsnahe“ migrantische Haushalte in Delmenhorst nach Auswertung der Statistiker aber stärker vertreten. Sie leben besonders häufig in der Stadtmitte. Im Bezirk Düsternort seien integrationsfreudige Migrantenmilieus mit nur neun Prozent aber stark unterrepräsentiert.

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Mit Blick ökonomische Lage der „Migrantenmilieus“ warnt der VHW vor einer problematischen Entwicklung. Während einkommensschwache Haushalte geballt in Düsternort und im Bereich Wollepark lebten, ziehe es „aufstrebende Migrantenmilieus“ an den Stadtrand. Hier ginge eine „Brückenfunktion“ verloren. Die Befürchtung: Ohnehin schon sozial abgehängte migrantische Haushalte könnten sich weiter isolieren, weil ihnen Vorbilder in Fragen der Integration verloren gehen. Die Experten des VHW raten insgesamt zu „schnell wirksamen Integrationsmaßnahmen“.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.