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Ausstellung im Industriemuseum
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Unter der Oberfläche

Esther Nöggerath 30.11.2018 0 Kommentare

"Es fängt an mit einem Gefühl und mit Wörtern", erzählt die gebürtige US-Amerikanerin Maria Stoller, die seit vielen Jahren in der Schweiz lebt. Ihre textile Kunst besticht vor allem durch ihre Vielschichtigkeit, materiell wie inhaltlich. (INGO MÖLLERS)

Delmenhorst. Vielschichtig, das sind die Werke von Maria Stoller vor allem. Die Preisträgerin des Art Quilt Award 2017 arbeitet in ihren Werken nicht nur mit ein oder zwei Stoffbahnen, sondern zahlreichen Schichten, teils transparent, teils undurchlässig, übereinander. Deswegen lassen sich ihre Werke auch erst beim näheren Hinsehen genau erschließen, wenn man unter die Oberfläche guckt, entdeckt, was sich dahinter versteckt. Eine Auswahl ihrer Werke sind ab diesem Sonntag, 2. Dezember, in der Ausstellung „Kinship“ (Verwandtschaft) im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur zu sehen.

„Es fängt an mit einem Gefühl und mit Wörtern“, erzählt Maria Stoller, die in den Vereinigten Staaten geboren wurde und seit 36 Jahren in der Schweiz lebt. Seit 1982 näht und quiltet sie, später entdeckte Stoller dann auch das Zeichnen für sich, das sie in ihre textilen Arbeiten mit einfließen lässt. „Wenn ich etwas schreibe, dann kommt dazu eine Idee“, sagt Stoller. Wie etwa bei dem Werk „Über eine Beobachtung nachdenken“ aus dem Jahr 2016, das auf einem kleinen Gedicht basiert. „Das habe ich geschrieben, als ich über Zufriedenheit nachdachte.“

In einem Skizzenbuch sammelt Stoller Zeichnungen, vorwiegend Porträts von unterschiedlichsten Menschen, die sie dann aufgreift, wenn sie ihrer Ansicht nach zu dem Gefühl, dem Empfinden passen, das sie ausdrücken möchte. Mit der Nähmaschine fertigt sie danach Skizzen auf Organza, einem sehr dünnen, transparenten Stoff. Einige davon stechen direkt aus einem Werk hervor, andere sind ganz zart, aus so hellem, dünnen Garn gefertigt, dass man sie kaum noch erkennen kann. Wie in dem Werk „Die unsichtbaren Frauen“, ein Quilt, der verschiedenste Frauenportäts zeigt, die alle eher zu erahnen sind, so durchscheinend sind sie. Mit dem Werk will Stoller den Frauen ihren Respekt erweisen, die leise ihrer Arbeit zum Wohle der Gesellschaft nachgehen.

Diese Thematik hat die 63-Jährige dann in einem weiteren Werk sogar noch weitergedreht. „Die unsichtbaren Frauen II – Inspiration finden“, heißt der Quilt, auf dem im Vordergrund auf Organza zahlreiche verschiedene Frauen abgebildet sind, dieses mal deutlicher zu erkennen. Frauen jeglicher Altersstufen, mit kurzen oder langen Haaren, ernstem Gesicht oder verzerrter Miene. Der Hintergrund setzt sich collagenartig aus verschiedenen Stoffstücken zusammen, Fotografien finden sich darin wieder, bekannte Frauenfiguren, die als Vorbilder dienen könnten, wie Frida Kahlo oder eine der ersten Doktorandinnen der USA.

Verschiedenste Materialien

Neben Stoffen, Fotografien, Zeichnungen und Skizzen, die sie mit der Nähmaschine fertigt, verwendet Stoller aber auch noch andere Materialien in ihren Werken. Zeitungsausschnitte zum Beispiel. Oder Reste von Plastiktüten, Getränkedosen, PET-Flaschen, die sich in ihrem Werk „Überflutet“ wiederfinden. Ein Kommentar zu der wachsenden Müllmenge und dem übermäßigen Gebrauch von Plastik. In schmalen Streifen überlagern diese Plastikfetzen das Werk, im Hintergrund eine Menschenmenge, die von der immer dichter werdenden Masse aus Müll verdrängt wird. Wie eine Flut eben, die alles überrollt.

In dem Werk „Symbiose“ löst sich Stoller dann noch mehr als ohnehin schon von der klassischen zweidimensionalen Form des Quilts und geht in den Raum. Vier tunnelförmige Organza-Röhren hängen in der Ausstellung von der Decke, Blätter und Blüten ranken sich darauf, dahinter, versteckt unter einer Stoffbahn, Gesichter von Menschen. „Es geht darum, wie wir mit der Natur verbunden sind und um die Menschen in der Natur, die ihr eigentlich untergeordnet sind“, erklärt Stoller. Die vier einzelnen Säulen erinnern dabei an Bäume und repräsentieren die vier verschiedenen Jahreszeiten.

Die Ausstellung "Kinship" wird am Sonntag, 2. Dezember, um 11 Uhr in einer Sonderschau in der Nadelsetzerei des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur eröffnet. Anschließend sind die Werke von Maria Stoller im Museum auf der Nordwolle noch bis zum 17. März zu sehen. Geöffnet ist immer dienstags und freitags sowie sonnabends von 10 bis 17 Uhr, am Montag und Sonnabend hat das Haus geschlossen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...