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Sommerkonzert in der Stadtkirche
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Vertonte Unbeschwertheit des Nordens

Günter Matysiak 09.08.2018 0 Kommentare

Das Duo Vimaris, bestehend aus Mirjam Meinhold (Sopran) und Wieland Meinhold (Orgel), bestritt das letzte Sommerkonzert in diesem Jahr am Mittwoch in der Stadtkirche.
Das Duo Vimaris, bestehend aus Mirjam Meinhold (Sopran) und Wieland Meinhold (Orgel), bestritt das letzte Sommerkonzert in diesem Jahr am Mittwoch in der Stadtkirche. (INGO MÖLLERS)

Da schloss sich der Kreis der musikalischen Vielfalt der sieben Sommerkonzerte in der Stadtkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, wobei das erste und das letzte Konzert auf besondere Weise miteinander in Verbindung standen. In beiden erklang nämlich Jean Sibelius' Sinfonische Dichtung „Finlandia“ op. 26. Am ersten Abend bearbeitet für Blasorchester in einer Kurzfassung, am Mittwoch, dem letzten Abend der Sommerkonzerte 2018, in einer hochvirtuosen Bearbeitung für Orgel solo. Pastorin Sabine Lueg konnte auch zu diesem letzten Konzert wieder ein großes Publikum begrüßen. Als Künstler konnte sie das Duo Vimaris vorstellen. Vimaris, das sind Mirjam Meinhold, Sopranistin am deutschen Nationaltheater Weimar und ihr Mann Wieland, seines Zeichens Thüringer Universitätsorganist in Weimar. Beide reisen mit ihren themengebundenen Programmen erfolgreich durch Deutschland und das europäische Ausland und sind auch in Rundfunk und Fernsehen präsent.

Ihr Konzert am Mittwoch stand unter der Überschrift „Musica Scandinavia – Romantik aus dem Norden“. Wer mit dem Norden auch musikalisch strindbergsche Grübeleien erwartete, wurde enttäuscht. Namentlich die Lieder waren von einer lichten, folkloregeprägten Schönheit und Unbeschwertheit. Auf dem Programmzettel standen mit Niels W. Gade, Jean Sibelius und Edvard Grieg Namen, die jedem Musikliebhaber als nordische Komponisten geläufig sind. Jemand wie Gottfred Matthison-Hansen, Halgrimur Helgason oder Gustav Hägg sind allenfalls Spezialisten bekannt und finden sich nicht einmal in Fachlexika. Es ist verdienstvoll, auch solche Komponisten bekannt zu machen.

Wieland Meinhold wies in seinen knappen, aber aufschlussreichen Erläuterungen zu den Werken auch darauf hin, dass die Orgel über die Hitze wohl verstimmt war, und deshalb auch leichte Stimmungsmängel aufweise, was sich beim Konzert aber nicht als schwerwiegender Mangel erwies.

Zwei Choralvorspiele von Nils W. Gade leiteten das Programm ein. „Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern“ und „Vaegterssang“ zeichneten sich durch kernig-knorrigen Klang und sehr plastische Melodiemodellierung aus, die das Signal-Motiv im „Wächterlied“ unaufdringlich hervorstellte. Eine sehr transparente Darstellung mit fast vokaler Registrierung der Choralmelodie erfuhr Gottfried Matthison-Hansens Choralvorspiel „Herzliebster Jesu“. Mit sich frei und leicht verströmenden Sopran sang Mirjam Meinhold drei Lieder von Jean Sibelius. Sie sang mit kontrolliertem, sparsam eingesetztem Vibrato, das dem Volkston der Lieder gut anstand. Einen ausgeprägten Volksliedton hatten auch die „Drei schwedischen geistlichen Lieder" von Waldemar Ahlén, die sängerisch von lyrischer Innigkeit bestimmt waren. Hier gab es reizvolle Klangmischungen von Stimmklang und Orgelklang. So etwa im „Allt unders Himmelens“ mit dem dunklen Klang der Orgel unter dem mädchenhaft-kraftvollen Sopran.

Mit Innigkeit, Zärtlichkeit und Sinnlichkeit erfüllte Mirjam Meinhold die drei Lieder von Edvard Grieg, darunter auch „Solveigs Lied“ aus der Bühnen-Musik zu Ibsens „Peer Gynt“. Wieland Meinhold begleitete mit orchestraler Farbigkeit, gab dem Vorspiel zu „Solveigs Traum“ flirrende Expressivität. Mit orchestraler Wucht ließ er die „Königin der Instrumente“, wie die Orgel ja genannt wird, aufwarten in Sibelius‘ „Finlandia“. Das Stück, das so etwas wie die finnische Nationalhymne wurde, thematisiert den kämpferischen Nationalstolz der Finnen gegen die russische Besetzung und war eine Zeit lang in Russland auch verboten. Da drohte die Orgel mit dumpfen Pedaltrillern; Fanfaren gellten, die hymnischen Partien wurden farbig abgetönt. Ein Prachtstück für einen Orgelvirtuosen wie Wieland Meinhold.

„Volles Rohr“ hieß es noch einmal im „Festlichen Postludium“ in Es-Dur „in organo pleno“ von Matthison-Hansen. Das war ein typisches Stück „zum Ausgang“, Musik der Art, die spöttisch auch als „Organistenzwirn“ bezeichnet wird. Ein Organistenspaß war vorher Wieland Meinholds eigene Improvisation über den Choral „Stefan reitet in den Stall“ mit seinem fröhlichen Thema, das in der Variation zum schwungvollen Ragtime mutiert.

Zum Ausklang auf die Empore

Der Schlussbeifall wollte gar nicht mehr enden. Einige Zuhörer hatten dann das Glück, sich für die Fortsetzung des Abends auf der Orgelempore entschieden zu haben, wo allerdings der Platz begrenzt war, sodass Meinhold sich zu einer lustigen „Ausladung“ gezwungen sah. Die ihr nicht gefolgt waren, erlebten einen leidenschaftlich-temperamentvoll agierenden Wieland Meinhold, dem es bei dieser Orgelführung, diesem „Besuch bei der Königin" gelang, die Seele seiner Zuhörer mit Neugier zu füllen, der ihnen das „Wunder“ mit vielen technischen Details zu Klang und Aufbau voller Leidenschaft nahebrachte. Die Verliebtheit in sein Instrument war nichts weniger als ansteckend. Vielleicht sollte so etwas vorm Konzert stattfinden als ideale Vorbereitung darauf.


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Leserkommentare
Piuswelt am 23.10.2019 09:52
Es erschließt sich niemandem, warum dieses Thema nicht öffentlich behandelt werden soll. Im Übrigen erstaunt es mich, dass in Blumenthal die ...
supersuper am 23.10.2019 09:50
Zwangsmaßnahmen? Was ist das denn für eine Argumentation? Es gilt die STVO für alle und ohne Ausnahme.

@rakase

Ihr ...