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Wohnpark Hoykenkamp
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Wie ein Hotel mit Pflegedienstleistungen

Jochen Brünner 22.08.2018 0 Kommentare

Nihal Uzun, Leiterin des Wohnparks Hoykenkamp, zeigt auf die Baustelle des zweiten Hauses, das im Mai 2019 bezugsfertig sein soll. Hier entstehen noch einmal elf Wohnungen und zwölf Zimmer.
Nihal Uzun, Leiterin des Wohnparks Hoykenkamp, zeigt auf die Baustelle des zweiten Hauses, das im Mai 2019 bezugsfertig sein soll. Hier entstehen noch einmal elf Wohnungen und zwölf Zimmer. (INGO MöLLERS)

"Wir sind kein Pflegeheim!", betont Einrichtungsleiterin Nihal Uzun schon bei der Begrüßung. Denn der Wohnpark Hoykenkamp versteht sich mit seiner individuellen Ausrichtung und seinen umfangreichen Serviceangeboten eher als "Pflege-Hotel" frei nach dem Motto "Alles kann – nichts muss". "Die Mieterinnen und Mieter können völlig autark entscheiden, welche Servicepakete sie in Anspruch nehmen", erklärt Nihal Uzun. Allerdings umfasst das Angebot nur ambulante, keine stationäre Pflege.

Im Wohnpark Hoykenkamp gibt es keine festen Essenszeiten, sondern ein Frühstücksbuffet von 8 bis 9.30 Uhr, und auch die Zeiten für Mittag- und Abendessen werden weitgehend flexibel gehandhabt. Wie im Hotel eben. "Es ist schon vorgekommen, dass sich Menschen, die wir für ein paar Tage in Urlaubspflege hatten, dazu entscheiden haben, dauerhaft bei uns zu bleiben", sagt die Wohnpark-Chefin. Denn das umfangreiche Servicepaket umfasst nicht nur die klassische Vollpension, sondern auch einen Wäschedienst, Fahr- und Medikamentendienste und bei Bedarf einen ambulanten Pflegedienst. "Und auf Wunsch liefern wir das Essen auch aufs Zimmer", sagt Nihal Uzun. "Wir können nur Individualität anbieten, wenn wir selbst individuell denken", betont die Chefin mit Blick auf Schicht- und Arbeitszeiten. Etwa 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um das Wohl der Mieter. Beim ambulanten Pflegedienst beträgt der Betreuungsschlüssel etwa 1:5.

Entwickelt hat das Konzept der Bremer Pflege-Unternehmer Torsten Gehle, der 1993 die ersten ambulanten Dienste und ambulant betreuten Wohnformen gründete und mit seiner Convivo-Gruppe gegenwärtig 67 Häuser betreibt: viele im Bremer Raum, aber auch in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, im Harz oder in Leipzig. Auch innerhalb der Unternehmensgruppe gilt der Wohnpark Hoykenkamp inzwischen als Vorzeigeobjekt.

Erste Pläne, das rund 30 000 Quadratmeter große Gelände an der Schierbroker Straße zu bebauen, gab es bereits 2006. Ab 2008 entstanden dort zunächst zwei Bungalows, davon ein Muster-Bungalow – und dann tat sich jahrelang erstmal so gut wie gar nichts. Doch inzwischen ist das komplette Areal bebaut: Der Wohnpark eröffnete im März 2016 seine Pforten, und der letzte der 24 je 100 Quadratmeter großen Bungalows, die frei verkauft worden sind, soll im Oktober fertiggestellt sein.

Im Haupthaus stehen zwölf etwa 30 Quadratmeter große Einzelzimmer (inklusive Badezimmer) sowie 14 Wohnungen zwischen 50 und 85 Quadratmeter zur Verfügung. Und weil die Nachfrage so groß ist, sind die Betreiber bereits dabei, ein zweites Haus zu bauen. Hier kommen weitere zwölf "WG-Zimmer" sowie elf Wohnungen hinzu. Im Mai 2019 sollen sie bezugsfertig sein. Die größte Wohnung im Neubau werde laut Nihal Uzun 120 Quadratmeter groß sein: "Dafür haben wir jetzt schon fünf Interessenten."

Für den Wohnpark wie für die benachbarte Bungalow-Siedlung gilt, dass die Bewohner nach Möglichkeit nicht jünger als 55 Jahre alt sein sollten. Im Wohnpark selbst sind die Mieter alle im Alter zwischen Mitte 60 bis über 90. "Wir haben aber keine Senioren-Klauseln in unseren Verträgen", betont Nihal Uzun. Die Wohnungs-Miete liegt bei 12,50 Euro pro Quadratmeter (plus Nebenkosten), die WG-Zimmer kosten inklusive Vollpension und sämtlicher Servicedienstleistungen (die dort obligatorisch sind) etwa 1800 Euro. Gegenwärtig ist der Wohnpark komplett ausgelastet, und es gibt eine Warteliste, die ausreichen würde, auch den Neubau zu füllen.

Auch eine FDP-Delegation mit Vertretern aus dem Gemeinderat, dem Kreistag sowie dem Bundestagsabgeordneten Christian Dürr zeigte sich beim Besuch am Mittwoch beeindruckt: "Mit diesem Konzept könnte man vielen älteren Menschen die Angst vor einem Umzug ins Heim nehmen", fasste etwa Marion Vosteen, Vorsitzende des Ortsverbandes Ganderkesee, ihre Eindrücke zusammen. Wobei der Wohnpark Hoykenkamp ja auch gar kein Heim ist. Und gerne würde die Convivo-Gruppe weitere Wohnparks nach Hoykenkamper Vorbild bauen. Auf dem Gelände an der Schierbroker Straße ist zwar nun kein Platz mehr, doch einen weiteren Standort in der Gemeinde wollte Nihal Uzun keineswegs kategorisch ausschließen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...