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Plattdeutsche Premiere in Delmenhorst
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"Wir schnacken platt, wir fühlen platt“

Aylin Olcay 16.06.2019 0 Kommentare

Die Jungs un Deerns vom Niederdeutschen Theater Delmenhorst haben am Freitagabend das Publikum begeistert.
Die Jungs un Deerns vom Niederdeutschen Theater Delmenhorst haben am Freitagabend das Publikum begeistert. (INGO MöLLERS)

Lesestunde, Siebziger Jahre Musik, eine entführte Unternehmerin und obendrein eine Scheune voll verrückter Charaktere: Auf dem Premiere-Abend des Sommertheoters der NTD-Jugendspielgruppe Jungs un Deerns wurde ein buntes Programm geboten, das für Spaß und Lacher beim Publikum sorgte.

Eine alte Scheune, ein paar Heuballen – die von einem Elmeloher Bauernhof stammen, wie das Publikum später erfährt – und zwei verloren wirkende Sombreros. Dieser Anblick eröffnet sich beim Betreten des Vereinshauses des Niederdeutschen Theaters Delmenhorst. Der Raum, in dem für gewöhnlich das Bühnenbild für die Aufführungen des Theatervereins kreiert wird, wurde für das diesjährige Sommertheater kurzerhand zum Theatersaal umfunktioniert. Farbeimer, Malutensilien und Werkzeuge verstecken sich hinter großen Stoffplanen und die Arbeitsflächen sind den Sitzen für das Publikum gewichen.

Der Raum ist erfüllt von angeregten Gesprächen – auf hochdeutsch, noch, denn das Publikum wartet auf die plattdeutsche Darbietung der Nachwuchsschauspieler. In diesem Jahr zeigen sie das Stück „De Schüün“, also die Scheune. Dann erscheint Dirk Wieting, erster Vorsitzender des Theatervereins, um das Publikum willkommen zu heißen – natürlich auf platt!

Kurz darauf kommen die Jungs un Deerns in de Schüün und eröffnen den Abend mit dem gut 100 Jahre alten Plattdeutsch-Klassiker „En echt Hamborger Jung“, der die ersten Besucher gleich zum Mitsingen animiert. Dann kommen Martina und Timo Brünjes auf die Bühne. Aus ihrer Feder stammt das Stück des Abends. Die beiden Hobbyautoren haben außerdem das Kurzgeschichtenbuch „Schatz ik will nich in Urlaub or Worum Deko slecht is för de Ehe“ veröffentlicht, aus dem sie dem Publikum nun vorlesen und für viele Lacher sorgen. „Wie lange schreibt man an einer Geschichte?“, will Wieting wissen. Das sei ganz unterschiedlich, meint Martina Brünjes, die neben ihrer Schriftsteller-Tätigkeit, Leiterin der Jungs un Deerns ist.

Dann wird es Zeit für eine musikalische Einlage, findet Moderator Wieting und freut sich, Ausschnitte aus dem Bühnenwerk „Ein Festival der Liebe“, präsentieren zu können. Das Stück ist Teil der neuen NTD-Spielzeit und feiert am 12. Oktober seine plattdeutsche Uraufführung, für die es ab dem 17. Juni Karten zu kaufen gibt. Auf die Ankündigung hin, tanzen zwei Frauen und Männer in ABBA-Anmutung und quietschbunter Siebziger-Jahre-Kleidung auf die Bühne. Jetzt kommen auch die einsamen Sombreros zum Einsatz. Zu welchem Lied? Na klar, zum Rex Gildo-Klassiker „Fiesta Mexicana“, den das Publikum klatschend mitsingt.

Nach dem Ausflug in die Zeit der Schlaghosen und autofreien Sonntage, wird eine wohlhabende Unternehmerin, gekettet an einen Stuhl, auf die Bühne getragen. Die drei überforderten Entführer sind Brüder und versuchen nun Geld von der resoluten Dame zu erpressen, mit mäßigem Erfolg. Doch irgendwie muss es gelingen, denn schließlich tun sie das „Allens för Mama“, der Name der Komödie, aus der die Szene stammt. Sie ist ebenfalls Teil der neuen Spielzeit und wird Anfang nächsten Jahres zu sehen sein.

Nach dem bunten Vorprogramm kommen schließlich die Stars des Abends auf die Bühne. Die zwölf-bis 18-jährigen Jungs un Deerns füllen nach und nach die verlassene Scheune. In ihrer Nähe soll eine Talentshow stattfinden, doch freie Hotelzimmer sucht man vergebens. So will das ein oder andere Talent – neben einem verrückten Astronaut, einem Liebespaar und der arroganten Sängerin Dimond, die außerdem Jurorin der Talentshow ist – die Nacht in der Scheune überbrücken. Was keiner weiß, kurz zuvor hat die Mafia hier ihr wertvolles Diebesgut versteckt. Um das wiederzubekommen, ist dem Mafiaboss DaCapo jedes Mittel recht. Doch keine Sorge, die Boulevardkomödie endet wie sie begonnen hat: amüsant und originell.

Am Ende des Stücks ernten die Nachwuchsschauspieler tobenden Applaus für ihre Darbietung. Ihrer Leiterin danken sie mit persönlichen Worten und Blumen. Dann verabschiedet Wieting das Publikum mit dem Worten: „Wir schnacken platt. Wir singen platt. Wir fühlen platt.“ Besser kann man es nicht ausdrücken.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?