Achimer Schüler lernen bei der Juniorwahl, wie sie ihr Stimmrecht nutzen / Ergebnisse stehen am Sonntag fest

Demokratie üben

Wen wählen? Das ist eine Frage, die nicht nur Erwachsene am Sonntag beschäftigt, Hunderte Schüler in Achim grübeln darüber zurzeit auch nach. Selbst, wenn sie nicht alt genug sind, um bei der Bundestagswahl abzustimmen. Bei der Juniorwahl können sie, bevor sie zum Erstwähler werden, schon einmal Demokratie üben.
19.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen
Demokratie üben

Die Wahlbenachrichtigungskarte in der Hand, ging es gestern für die Achimer Realschüler der 9d zur Wahlurne – natürlich nicht, ohne dass die Wahlhelferinnen nachprüften, ob der Schüler auch auf der Liste steht. FOTO: HAYESSEN

Tina Hayessen

Wen wählen? Das ist eine Frage, die nicht nur Erwachsene am Sonntag beschäftigt, Hunderte Schüler in Achim grübeln darüber zurzeit auch nach. Selbst, wenn sie nicht alt genug sind, um bei der Bundestagswahl abzustimmen. Bei der Juniorwahl können sie, bevor sie zum Erstwähler werden, schon einmal Demokratie üben.

Brav stehen sie in der Schlange, die Wähler. In ihrer Hand halten sie jeweils eine Wahlbenachrichtigungskarte. Die Wahlhelferin schaut auf den Zettel, prüft die Liste und lässt sich zur Sicherheit noch einmal den Personalausweis zeigen. Erst dann gibt sie den Weg in die Kabine frei.

Für die Juniorwahl in der Realschule Achim soll alles möglichst echt wirken. Wie bei der Bundestagswahl am Sonntag eben. Alle Acht- bis Zehntklässler können in der Schulbücherei seit gestern und noch bis Freitag ihre Stimme abgeben. Die Juniorwahl ist ein bundesweites Projekt, unterstützt wird es unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung und von Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Das erklärte Ziel: Politik erfahrbar machen. „Die Idee kommt an, ich habe schon das Gefühl, dass die Schüler die Wahl sehr ernst nehmen“, schätzt Lehrer Stefan Herpel seine Schützlinge aus der 9d ein. Vorbereitet habe er die Klasse natürlich auch. Bereits im achten Jahrgang würden die Schüler das Wahlsystem kennenlernen. Nun habe er sich mit ihnen auch die Parteiprogramme angesehen und sie zum Beispiel am Wahlomat testen lassen, welche Parteien welche Vorstellungen vertreten.

Schließlich ist es nicht ganz einfach, als Lehrer, der gewohnt ist, richtige Antworten zu haben, nun keine eine, richtige, präsentieren zu können. „Wen soll ich wählen?“ – das sei er durchaus schon gefragt worden. Eine einfache Antwort verbiete sich selbstverständlich. Es bleibt nur der mühsame Weg einer eigenen Entscheidung – so wie auch Erwachsene sie alle vier Jahre fällen müssen.

Um zu einer Entscheidung zu gelangen, hat die 14-jährige Luise so einige Quellen angezapft. Im Politikunterricht habe sie etwas erfahren, sich darüber hinaus im Internet informiert und auch die Familienmitglieder nach deren Meinung gefragt. Nun hält Luisa die Wahlbenachrichtigungskarte in der Hand und ist gleich dran mit wählen. „Ich hab’ meine Entscheidung getroffen“, sagt sie mit sicherer Miene. Und auch in vier Jahren, wenn sie alt genug ist für die Bundestagswahl, will sie auf jeden Fall zur Urne schreiten. „Wenn man nicht wählt, unterstützt man die Partei, die man am wenigsten mag, mit“, erklärt sie.

Ihre Stimme bereits abgegeben hat die 14-jährige Victoria. „Nicht leicht gefallen“, sei ihr das, denn: „Alle Parteien haben gute Argumente.“ Gerade das Thema Soziales sei ihr wichtig, auch in Sachen Gleichberechtigung hat sie sich genau umgehört. „Ich bin für die Frauenquote“, spricht sie ein Thema an, das auch innerparteilich zu Streitereien geführt hat.

Ab wann sollte man eigentlich wählen dürfen? Über diese Frage muss der 15-jährige Manuel eine Weile nachdenken. „14 ist zu früh, glaube ich. Aber mit 16 ist man in einem Alter, in dem man schon ernsthaft nachdenkt, bevor man entscheidet“, befindet er schließlich. Lange habe er nicht gebraucht, um sich auf eine Partei festzulegen. „Ich bin ja sehr zufrieden mit der Regierung.“

Nicht nur in der Realschule, auch an den anderen weiterführenden Schulen der Stadt geben die Jugendlichen ihre Stimme ab. Das Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium wählt heute, die Hauptschule heute und morgen. Hier organisiert Referendarin Kristin Pakulat die Juniorwahl. Für sie ist, ebenso wie für den Kollegen von der Realschule, die Vorbereitung der Wahl enorm wichtig. „Man muss einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler herstellen, sonst ist das für sie zu weit weg“, erklärt Pakulat. Etwa das Thema Familienpolitik sei ein gutes Beispiel, an dem man die verschiedenen Meinungen der Parteien erklären könne.

Wie sich die Jugendlichen in Achim und ganz Deutschland entschieden haben, ist am Sonntag auf der Internetseite www.juniorwahl.de zu erfahren. Allerdings erst ab Punkt 18 Uhr, wenn auch die Lokale für die Bundestagswahl schließen. Denn abgucken sollen die Erwachsenen bei den Schülern schließlich nicht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+