Gebürtiger Delmenhorster singt in der Syker Kreissparkasse Lieder von Leonard Cohen

Denis Fischer verführt seine Zuhörer

Die größten Hits von Leonard Cohen bekamen die Zuhörer am Freitagabend in der Syker Kreissparkasse im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren. Allerdings nicht vom US-amerikanischen Sänger persönlich, sondern von Denis Fischer. Vor dem großen Namen brauchte er sich allerdings nicht zu verstecken.
23.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Dorit Schlemermeyer

Die größten Hits von Leonard Cohen bekamen die Zuhörer am Freitagabend in der Syker Kreissparkasse im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren. Allerdings nicht vom US-amerikanischen Sänger persönlich, sondern von Denis Fischer. Vor dem großen Namen brauchte er sich allerdings nicht zu verstecken.

Syke. Es gibt sie, diese magischen Momente, dieses Gefühl etwas ganz einmaliges Besonderes zu erleben, zutiefst berührt zu sein. An diesem Freitagabend im Saal der Kreissparkasse erlebten 170 Gäste diese magischen Momente beim Konzert von Denis Fischer.

Auf Einladung der Kulturinitiative Jazz Folk Klassik trat Fischer mit seinem neuen Programm "Fischer singt Cohen" auf und fesselte die Zuhörer mit seiner faszinierenden Stimme vom ersten Moment an: "Dance me to the end of life" waren die Worte und das Publikum war gefangen, erlag seiner Stimme, aber auch seinem Charme. "Dies ist die Bluestour der letzten Tage, dies ist die große Flut", seufzte er düster ins Mikrofon, "aber ich bin nicht pessimistisch. Seid ihr bereit, mir zu folgen?" rief er und war schon im nächsten Lied "I'm your man" angekommen und kokettierte gekonnt mit dem Publikum: "Do you wanna a lover?Dann bin ich dein Mann." Es machte einfach Spaß zu erleben, wie er das eher pessimistische "Last year's man" von Leonard Cohen ins Gegenteil verkehrte. Ja, in manchen Momenten schien er anwesend der Altmeister, irgendwo im blauen Licht der Bühne mit tief in die Stirn gezogenem Hut, der beobachtete, was dieser junge Mann da aus seinen Liedern machte, die von ihrer

zeitlosen Schönheit nichts eingebüßt hatten.

Viel Freude hatte das Publikum auch beim nächsten Stück: "Hey, that's no way to say goodbye". Fischers Stimme klang erst tief als Hommage an Cohen, aber veränderte sich, stieg auf, wurde schmelzend, schmeichelnd, liebevoll und eben unwiderstehlich: "I loved you in the morning. Our kisses deep and warm". Bevor es zu plüschig wurde, gab er dem Publikum den Walzer: "Take This Waltz" und einmal mehr konnten die beiden zusätzlichen musikalischen Größen auf der Bühne, Carsten Sauer und Ralf Stahr, ihre beeindruckenden Fähigkeiten an Piano und Kontrabass demonstrieren, und dann war er da, der erste magische Moment dieses Konzert als Denis Fischer sang: "It's four in the morning, the end of December. That night that you planned to go clear, did you ever go clear?" "Oah", klang es aus dem Publikum beim "Famous blue raincoat" und natürlich kannten alle die Melodie, aber was die eigentliche Botschaft des Stückes ist, schien sich erst an diesem Abend zu erschließen und so herrschte andächtige, ja

fast schon sakrale Stille bei den Zuhörern, die ergriffen lauschten und erst nach einem kurzen Moment der Andacht in Begeisterungsrufe und Beifall ausbrachen.

Und es ging immer weiter, denn der Stimmmagier sang auch noch "Joan of Arc" und verließ mit dem Stück "Lover, Lover, Lover" die Bühne zur Pause. "So habe ich die Stücke noch nie gehört, aber das ist richtig was fürs Herz" meinte eine Besucherin, die auch noch den jungen Leonard Cohen erlebt hatte. "Das war ja eine Ikone, auch politisch", blickte ein anderer Gast zurück. Cohen ist 1935 geboren und konnte im vergangenen Jahr noch einmal große Erfolge feiern auf seiner Tournee. Denis Fischer ist 1978 in Delmenhorst geboren und konnte schon mit 18 Jahren erste Bühnenerfolge am Jungen Theater Bremen vorweisen. Wie er zu Cohen kam, erzählte er am Anfang des Konzerts. "Meine Mutter hatte die Platte ,The best of' von ihm, und die habe ich immer wieder gehört."

Zurück auf der Bühne präsentierte er eigene Lieder und überraschte mit sehr poetischen Texten: "Wer werde ich sein, wenn die Sehnsucht nicht mehr zu Dir flieg", aus "Heimweh und Kummer". Dann ging es weiter mit Cohen, der "Chelsea Hotel" für Janis Joplin schrieb. Dann kündigte Fischer den letzten Song an,aber niemand im Saal wollte ihn gehen lassen und einmal mehr "passiert ein Wunder" wie in Fischers Stück "Kastanienallee", als er "Halleluja" sang und sein schmelzender Tenor in die Höhe stieg. Das hätte die stimmliche Präsenz des Altmeisters nun wirklich nicht geschafft und das Publikum war hingerissen, und es ging noch weiter mit "So long Marianne" und vielen Ohs und Ahs aus dem Publikum, das den Sänger, Entertainer und großen Verführer des Abends erst nach diesen Zugaben entließ. "First we take Manhattan, than we take Berlin" sang Fischer und das Publikum sang mit: "Then we take Berlin". An diesem Abend hat Denis Fischer Syke eingenommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+