Uwe Engberts gewinnt Pokal bei den '"13. Bremen Classics"

Der besondere Charme eines türkisen Tatra

Achim. Mit der Eleganz eines Bentley Nutting Speedster von 1954 kann der türkise Tatra von Uwe Engberts nicht mithalten. Sein Oldtimer ist kein Kandidat für das schönste Nachkriegsfahrzeug. Trotzdem hegt er seinen tschechoslowakischen Oldtimer, Baujahr 1960.
27.06.2010, 15:53
Lesedauer: 4 Min
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Der besondere Charme eines türkisen Tatra
Von Ralf Michel
Der besondere Charme eines türkisen Tatra

Die Kühlerfigur eines Buick 8-66S von 1932 ragt am Samstag neben der Freiheitsstatue "Bremer Roland" in Bremen in den Himmel.

dpa

Achim. Mit der zeitlosen Eleganz eines Bentley Nutting Speedster von 1954 kann der türkise Tatra von Uwe Engberts nicht mithalten. Sein Oldtimer ist kein Kandidat für das schönste Nachkriegsfahrzeug. Was aber nichts daran ändert, dass auch er seinen tschechoslowakischen Oldtimer, Baujahr 1960, liebevoll hegt und pflegt. Eben dies hatten die Organisatoren der '13. Bremen Oldtimer Classics' im Blick, als sie dem völlig verdutzten Achimer am Ende der Ausfahrt mit einem 'Coppa Passione' auszeichneten - ein Pokal, der die Leidenschaft des Oldtimer-Freundes würdigt.

Oldtimer-Ausfahrten sind etwas für Frühaufsteher. Um acht Uhr morgens startet am Sonnabend das Team aus Achim: Uwe Engberts, der stellvertretende Bürgermeister Bernd Junker als Repräsentant der Stadt und Johannes Bruno, der die Verlosung des letzten freien Platzes im Tatra gewonnen hat. Die Veranstalter hatten als Dankeschön für die herzliche Aufnahme der Classics im vergangenen Jahr ein 'Achim-Auto' zur kompletten Teilnahme an der Ausfahrt eingeladen - von der Startrampe auf dem Bremer Marktplatz bis zur abendlichen Siegerehrung im Parkhotel.

Doch bis dahin ist es noch weit: Erste Station für den mit der Startnummer 103 versehenen Tatra ist eine Fahrt über den Achimer Wochenmarkt. 'Kleine PR-Aktion für nachher', erklärt Marktmeister Manfred Masanek. Am Nachmittag wird der gesamte rund 150 Fahrzeuge zählende Korso zu einer Zeitfahrprüfung in der Fußgängerzone erwartet (siehe Artikel unten).

Auf dem Weg nach Bremen ist Zeit für eine erste Annäherung an ein ungewöhnliches Fahrzeug. Sicherheitsgurte gibt?s nicht und die Seitenscheiben müssen vorsichtig hoch- und runtergekurbelt werden, weil sie über Ketten und Seile laufen. Dafür hat der Tatra zwei durchgehende Sitzbänke, die bequem sind wie ein Sofa. '160 Stundenkilometer Spitze', erzählt Engberts nicht ohne Stolz, räumt aber ein, dass er es meist bei 120 belässt. Zwölf Liter auf 100 Kilometer schluckt der Oldtimer, was man durchaus riecht. 'Die Tankentlüftung geht direkt nach außen', erklärt sein Besitzer. Mit einem kleinen Umbau hat der gelernte Kfz-Mechaniker den Geruch abgemildert. 'Aber so?n bisschen muss man ihn ja auch riechen.'

Bremen, Wachtstraße: Hierhin wurde Engberts beordert. Zeitfenster: 8.40 bis 9 Uhr. Helfer aus dem Bremen Classic-Team um Olaf Mönch und André Weißmann weisen die Nr. 103 auf ihren Platz. So etwa ein, zwei Stunden vor dem Start, das ist der stressigste Moment des Tages, erklärt Mönch. Wie bringt man mitten in der Bremer Innenstadt auf minimalstem Platz 150 Autos, die zu unterschiedlichen Zeiten eintrudeln, in die richtige Reihenfolge?

Am Startpodest begrüßt Radio-Bremen- Moderator Andreas Schamayan jeden Teilnehmer, unterhält die Zuschauer auf dem Marktplatz mit Informationen zu Fahrzeugen und Fahrern. Die Nr. 6 zum Beispiel - 'Luxus pur' -, ein Mercedes Nürburg 460 von 1929. In diesem Wagen ließ sich einst Kaiser Wilhelm II. durch sein holländisches Exil chauffieren.

Ein mondänes Ehepaar in einem ebensolchen Wagen wird gefragt, warum es in den vergangenen zwei Jahren nicht bei den Classics dabei war. Ging nicht, sie waren zeitgleich in Shanghai und Singapur unterwegs. Auch mit Oldtimern. 'Ich war dieses Jahr auch schon in Bergamo', murmelt Uwe Engberts. So viel Tatra-Ehre muss sein.

Abfahrt zum Ziel der ersten Zeitprüfung am Rathaus in Oyten. In exakt 27 Minuten soll dort eine Lichtschranke durchfahren werden. Der einzige Patzer der Organisatoren an diesem Tag. An einem Samstagvormittag im dichten Verkehr ist die Zeitvorgabe nicht zu schaffen. Locker wird umdisponiert: Nicht die Zeitbesten bekommen in dieser Prüfung den Pokal, sondern die drei schlechtesten. So war es am Ende gar nicht so schlimm, am Hemelinger Tunnel falsch abgebogen zu sein oder zwischendurch eine Eispause eingelegt zu haben.

Der erste Streckenabschnitt umfasst 125,7 Kilometer, eine große Schleife über Fischerhude, Ottersberg, Sottrum, Verden, Martfeld und Schwarme bis zur Mittagspause im Erbhof in Thedinghausen.

Die Stimmung im Tatra ist prächtig. Entspannung pur. Vielleicht aber doch ein wenig zu entspannt. Im Bereich Taaken/Winkeldorf nutzt auch die detailliert ausgearbeitete Roadmap nichts mehr - die Startnummer 103 hat sich verfranst. Und das gründlich. Ein kilometerlanger Umweg, und die Zeit tickt unnachgiebig.

An dieser Stelle erinnert sich das Achimer Team daran, dass man doch eigentlich nur Gast ist. So genau wird da doch niemand... Anders ausgedrückt: Die Oldtimer-Fans in Martfeld und Schwarme bekommen an diesem Tag keinen türkisen Tatra zu Gesicht. Nach Thedinghausen kommt man von Verden aus auch über Blender.

Nach der Mittagspause geht?s auf die zweite Schleife - 103,7 Kilometer via Syke, Bassum, Weyhe und Riede zurück nach Bremen. Nicht zu vergessen natürlich das Heimspiel in der sonnendurchfluteten Achimer Fußgängerzone. Inklusive Zeitfahrprüfung. 50 Meter in zehn Sekunden. Aber Engberts winkt ab. 'Ich war viel zu langsam', schätzt er und liegt damit richtig. 1,04 Sekunden zu lang war er unterwegs. Nicht schlecht? Nun ja: Die Pokale gibt es am Abend für Abweichungen von 0,05 (3. Platz), 0,02 (2. Platz) und unglaublichen 0,000 Sekunden (1. Platz).

Aber das stört im türkisen 'Achim-Auto' ohnehin niemanden. 'Wunderbares Wetter, tolle Veranstaltung - und wir sind mitten drin', lautet die Devise. Als dann noch Andreas Schamayan beim Abschlussbankett im Bremer Park-Hotel vor versammelter Mannschaft den besonderen Charme des Tatra lobt und seinem Besitzer den 'Coppa Passione' überreicht, ist das aus Achimer Sicht nur noch der krönende Abschluss eines ohnehin schon perfekten Tages.

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